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29. August 2008 18:50 Uhr

Gentechnikfreies Soja für alle

Bundesagrarminister und CSU-Vize Horst Seehofer hat auf einer Wahlkampfkundgebung der CSU in München Umwelt- und Naturschutzverbänden zugesichert, sich für eine klare juristische Lösung auf europäischer Ebene in Sachen Gen-Mais einzusetzen. Die Entscheidung, ob Gen-Mais angebaut werde, müsse national und regional - also von Städten und Landkreisen - getroffen werden dürfen, sagte er.

Kissing - Während genveränderte Lebensmittel hierzulande kaum Käufer finden, kommen sie quasi durch die Hintertür doch auf den Teller: Genveränderte Futtermittel sind in der EU zugelassen. Der Bund Naturschutz (BN) möchte diese jedoch nicht verwendet wissen. Dass ein Verzicht auf sie möglich ist, beweist Josef Asam mit seinem Soja-Anbau und seiner Aufbereitungsanlage. Er stellt Futtermittelmischungen hauptsächlich für Geflügel, zudem für Rinder oder Pferde her. Durch Wärme- und Druckbehandlung werden Bitterstoffe ausgeschaltet. Das Futter wird dadurch leichter verdaulich und schmeckt den Tieren besser.

Sojabohnen kommen größtenteils aus Süd- und Mittelamerika. Asam hat sich daher vor über 15 Jahren entschlossen, die langen Lieferwege und die dort eingesetzte Gentechnik zu vermeiden. Er versuchte, auf seinen Feldern Soja anzubauen, und der Versuch gelang. Asam bereitet heute seine eigenen Feldfrüchte und die von Vertragsbauern auf, der Landkreis Aichach-Friedberg ist zu einem Zentrum des Soja-Anbaus geworden.

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Auch der BN wendet sich entschieden gegen die Bestrebungen der Gentechnikkonzerne und des deutschen Raiffeisenverbandes, im Tierfutter riskante Verunreinigungen mit neuen Genkonstrukten zu tolerieren. Marion Ruppaner, die Agrarreferentin des BN, meint, dass es genug gentechnikfreies Soja für alle bayerischen Bauern gebe und dass eine gentechnikfreie Fütterung für alle Tierhalter sogar deutschlandweit möglich sei. In Bayern könne Soja angebaut werden, und zwar auf allen Standorten, auf denen auch Körnermais zur Ausreife komme. "Gestiegene Futtermittelpreise sind kein Grund, neue Genpflanzen zuzulassen", sagt sie.

Ruppaner zufolge werden in der Fachpresse seit mehreren Monaten gezielt Informationen gestreut, um Landwirte und speziell Tierhalter zu verunsichern. Es habe keine "fatalen Folgen", wenn die neuen, in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen nicht genehmigt würden, sagt sie. Mit dieser Argumentation versuchten die Firmen Monsanto und Pioneer lediglich, die Zulassung weiterer gentechnisch veränderter Sojasorten in Europa voranzutreiben. "Die hohen Futtermittelpreise sind Folge des weltweit wachsenden Bedarfs an Agrarrohstoffen, unter anderem zur Energiegewinnung, und nicht eine angeblich zu restriktive Gentechnikpolitik der EU."

Josef Asam weist darauf hin, dass der heimische Anbau von Soja, Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Futtermittelselbstversorgung leisten könne. Er müsse dringend ausgebaut werden. "Wertvolle proteinreiche Pflanzen wie Soja wachsen nicht nur gentechnikfrei, sondern sind eine kostenlose Stickstoff-Fabrik der Natur und damit angewandter Klimaschutz", pflichtet ihm Stephan Kreppold, Biobauer und Mitglied im Arbeitskreis Landwirtschaft des BN, bei. "Mit dem Anbau von Soja auf circa 35 000 Hektar Fläche könnten die bayerischen Soja-Futtermittelimporte ersetzt werden." Das sei weniger als ein Zehntel der bayerischen Maisfläche.

"Derzeit haben wir noch ein Preisproblem, weil das heimische Soja nicht mit den Importen konkurrieren kann", erklärt Josef Asam. Aber bei steigenden Preisen werde er zunehmend konkurrenzfähiger. Christian Streit, Metzgereibeauftragter der Regionalinitiative "Unser Land", betont, dass regionaler, garantiert gentechnikfreier Anbau und Verarbeitung der Lebensmittel bei den Verbrauchern sehr gut ankomme.

Ein Kilogramm Fleisch verteuere sich dadurch beispielsweise um 50 Cent.

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