Das geplante Krematorium im Kissinger Norden wurde jetzt auch von den Bürgern direkt diskutiert. Die Kommune bot als Forum eine Informationsveranstaltung in der Paartalhalle. Von Anton Schlickenrieder

Kissing. Das geplante Krematorium im Kissinger Norden wurde jetzt auch von den Bürgern direkt diskutiert. Die Kommune bot als Forum eine Informationsveranstaltung in der Paartalhalle - die Gegner der Feuerbestattungsanlage wollten dabei vor allem wissen, welche Vorteile für Kissing mit der Gewerbeneuansiedlung wirklich herausspringen.
Und Bürgermeister Manfred Wolf zog folgendes Resümee: "Genau diese Diskussion hatten auch wir anfangs im Gemeinderat. Am Ende aber waren uns dort einig, dass wir es zulassen wollten."
Wolf entschuldigte sich zum Auftakt dafür, dass "dem Bürger eingangs des Planungsprozesses zu wenig Informationen rübergekommen sind." Das habe daran gelegen, dass Grundstücksangelegenheiten nicht öffentlich zu behandeln seien. Als Experten hatte er Rainer Haupt (den Investor) und Gregor Kaiser eingeladen. Der Anlagenbauer betreibt selbst das Krematorium "Im Birkengrund" (Obertshausen/Hessen) und lieferte in der Paartalhalle als Ingenieur die technischen Details. "Bei der Rauchgasreinigung eines Krematoriums wird wirklich mit Kanonen auf Spatzen geschossen." Besonders stolz war er über einen amtlichen Prüfbericht der Dekra: "Würde man die Werte runden, wären sie Null. Es gibt also praktisch keine Emissionen." Haupt erläuterte die Planung und hatte auch einen vierminütigen Film dabei. Das Grundstücknannte er "mehr als optimal", auch, weil der bis zu 20 Meter hohe Baumbestand laut Unterer Naturschutzbehörde unbedingt zu erhalten ist. "Damit kann ich auf dem Areal auch nicht mehr als das Gebäude unterbringen, das Sie hier sehen. Und damit steht auch fest, dass mehr als zwei Öfen nicht möglich sind", versuchte er den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mehr als 4000 Einäscherungen seien also nicht möglich pro Jahr am Standort Kissing.
Dessen Gegner wiederum antworteten auf Wolfs Frage, was sie denn am Krematorium störe, laut mit "Alles": die Emissionen, die Feinstaubentwicklung, der zusätzliche Verkehr, der Standort. "Wir haben eine sehr würdevolle, große Aussegnungshalle. Was bringt uns da ein eigenes Krematorium?", fragte Eva Schöllhorn. Eine andere Rednerin griff diesen Gedanken auf und wollte wissen, warum man das Bauwerk nicht im Friedhof platziere. "Weil wir hier einen Investor haben, der dort unten hin will. Und weil die Verkehrserschließung nahe der B 2 besser ist", antwortete Wolf. Außerdem sei die Fläche an der Bahn eh anders nicht nutzbar.
Einige wenige Arbeitsplätze, die Aussicht auf Gewerbesteuer und die Ausweitung des Dienstleistungsangebots - all diese Argumente Wolfs "zogen" nicht bei den Gegnern. Gelächter erntete er, als er sagte: "Denken Sie an unsere Gastwirtschaften. Die können auch davon profitieren." Erst als der Bürgermeister das Thema Feinstaub aufgriff und die Nachteile der Erdbestattung anprangerte, regten sich auch Befürworter.
Ihre Zahl hielt sich mit der der Gegner ungefähr die Waage. Insgesamt waren etwa 80 Interessierte gekommen. "Vor einigen Monaten sollte nahe Kissing eine Bullenmastanlage errichtet werden. Das wären Emissionen gewesen, über die sollte man sich Gedanken machen", betonte Kreis- und Gemeinderat Ronald Kraus. Und der Tod gehöre mit zum Leben. "Am Haus Gabriel fährt auch oft der Leichenwagen vor. Die Schulkinder dort sehen ihn öfter, als Sie ihn sehen werden", prognostizierte Bürgermeister Wolf.
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