Montag, 21. August 2017

15. Dezember 2013 12:35 Uhr

Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg

Jetzt schaltet sich Max Mannheimer ein

Der vielfach ausgezeichnete Überlebende des Nazi-Regimes fordert Minister Spaenle zum Handeln auf. Auch international droht der Friedberger Namensstreit zum Thema zu werden

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Der 93-jährige Max Mannheimer hat die Haft in den Konzentrationslagern Theresienstsadt, Auschwitz-Birkenau, Warschau und Dachau überlebt und ist ein Mahner vor den Schrecken des Nazi-Terrors. Jetzt will er die Diskussion am Friedberger Gymnasium nicht mehr länger hinnehmen.

Friedberg KZ-Opfer und ihre Angehörigen wollen die Namensdiskussion am Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg nicht länger hinnehmen. Max Mannheimer wendet sich jetzt in einem Brief an Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Der Beitrag im ARD-Magazin Kontraste führte zu weiteren scharfen Reaktionen.

Max Mannheimer kam als einziger mit dem Leben davon, als die Nazis 1943 seine Familie verschleppten. Der heute 93-Jährige war anschließend in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz–Birkenau, Warschau und Dachau eingesperrt. Für seine Erinnerungsarbeit an den Terror des Dritten Reichs wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden, der Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold und dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland. Mannheimer ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau e. V., in der sich Verfolgte des Nazi-Regimes zusammengeschlossen haben.

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Nach seiner Ansicht ist die Diskussion nun an einem Punkt angelangt, der ein qualifizierteres Eingreifen durch politische Mandatsträger unabdingbar macht, schreibt Mannheimer an Kultusminister Spaenle: „Es ist unerträglich für uns, als ehemalige Häftlinge, aber auch für die Nachkommen und Angehörigen der ermordeten Menschen, besonders im Hinblick auf den immer stärker werdenden Rechtsextremismus in ganz Europa, dass eine Schule den Namen eines Täters trägt.“

Mit Empörung reagiert der aus Augsburg stammende Christoph Bernheimer auf den TV-Beitrag vom Donnerstag. Bernheimers Vater überlebte die KZ-Haft – im Gegensatz zu anderen Mitgliedern seiner Familie. „Was die interviewten Schüler und Lehre von sich gaben auf die Frage, wie sie sich fühlen, wenn sie an die Opfer des SS-Mannes von Braun in Mittelbau-Dora denken, ist bezüglich Zynismus und Ignoranz kaum noch zu überbieten“, kritisiert der Münchner Mediziner. Die bornierte bedingungslose Verteidigung des Schulnamens treibe Blüten, dass die Öffentlichkeit im Raum Augsburg und Friedberg allmählich auf ihren Ruf achten müsse.

Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, äußerte sich zu den Vorgängen in Friedberg. „Ich verstehe nicht, warum an einer so entscheidenden Stelle unserer Gesellschaft wie dem Bildungssystem, dem wir unsere jungen Menschen anvertrauen, nicht mit mehr Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein nach geeigneten Vorbildern für die Kinder und Jugendlichen gesucht wird“, wird sie in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

Dass die Vorgänge in Friedberg inzwischen auch auf internationaler Ebene Beachtung finden, berichtet Uto Meier. Er unterrichtete früher selbst am Wernher-von-Braun-Gymnasium und lehrt heute an der Universität Eichstätt, wo gerade die Leitung der Stephan-Kardinal-Wyszinski-Universität Warschau zu Gast war. „Für polnische Ohren hört sich dies Debatte noch ganz anders an – es gibt kaum eine Familie in Polen, die nicht ein Familienmitglied durch den Nazi-Terror verloren hat“, berichtet Meier von seinen Gesprächen. Und ein SS-Sturmbannführer als Patron eines Gymnasium – das komme nicht gut an bei denen, die nicht nuraus der Literatur von der Möglichkeit von Menschenversuchen Bescheid wüssten.

Das Friedberger Gymnasium kritisiert hingegen, Lehrer und Schüler seien in dem ARD-Beitrag nur bruchstückhaft zitiert, differenzierte Stellungnahmen nicht gesendet worden (wir berichteten). Der Bayerische Rundfunk zitiert in seiner Online-Ausgabe den Schulleiter Bernhard Gruber mit den Worten, prinzipiell stehe er einem neuen Namen offen gegenüber, auch weil die negative Berichterstattung die Schule natürlich belaste. (gth)

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Ein Artikel von
Thomas Gossner

Friedberger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Friedberg


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