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04. September 2009 17:40 Uhr

Interview

Kissings Baugebiete reichen für die nächsten 20 Jahre

Die Bewerbung um das dritte Landkreisgymnasium, der Kampf um Firmenansiedlungen und neue Gemeindemitglieder - Kissing steht ständig im Wettbewerb mit anderen Kommunen. Warum das so wichtig für die Entwicklung der Gemeinde ist, erklärt Bürgermeister Manfred Wolf im Gespräch mit der Friedberger Allgemeinen. Von Gönül Frey

Kissings Baugebiete reichen für die nächsten 20 Jahre
Foto: ALFA

Kissing Die Bewerbung um das dritte Landkreisgymnasium, der Kampf um Firmenansiedlungen und neue Gemeindemitglieder - Kissing steht ständig im Wettbewerb mit anderen Kommunen. Warum das so wichtig für die Entwicklung der Gemeinde ist, erklärt Bürgermeister Manfred Wolf im Gespräch mit der Friedberger Allgemeinen.

Ein wichtiges Thema zurzeit ist das dritte Gymnasium im Landkreis. Warum soll es nach Kissing und nicht nach Mering kommen?

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Wolf: Kissing bietet als viertgrößte Kommune im Landkreis den idealen Standort, ist mittendrin zwischen Augsburg und Mering und kann damit neben dem Landkreissüden auch Augsburg am meisten entlasten. Das ist ein großer Vorteil auch für den Landkreis durch höhere Einnahmen aus Gastschulbeiträgen. Wenn Kissinger Kinder heute schon zum Beispiel nach Mering in die Realschule oder nach Augsburg in weiterführende Schulen fahren, dann geht das auch umgekehrt. Kissing ist bisher auch ein weißer Fleck in der Schullandschaft des Landkreises. Hier besteht Nachholbedarf. Über die Kreisumlage bezahlen wir Kissinger alljährlich sehr viel Geld an den Landkreis. Das ist wichtig, um die Einrichtungen des Landkreises zu finanzieren. Aber bislang ist davon fast nichts in Kissing investiert worden. Nach Friedberg und Mering sind in den letzten Jahren viele Millionen für Schulbauten geflossen. Allein nach Mering fast zehn Millionen. Der Landkreis hat jetzt die Chance auch endlich für Kissing mehr zu tun als bisher.

Aber was hat Kissing Besonderes zu bieten?

Wolf: Der Landkreis kann durch die Entscheidung für Kissing enorm viel Geld sparen. In Kissing braucht man eben keine Millionen an Euros in einen Neubau zu investieren. Durch die demografische Entwicklung wird die Hauptschule stark an Schülern verlieren, und so steht bald ein ganzer Block leer. Die Sportanlagen mit Mehrzweckhalle und Paartalhalle sind auch schon da. Aus Sparsamkeitsgründen ist es geboten, auf bestehende Ressourcen zurück- zugreifen und nicht einen teuren Neubau hinzustellen. Falls man das allerdings doch möchte, haben wir da auch beste Möglichkeiten. Drei Varianten befinden sich in Bahnhofsnähe, die sind hochinteressant durch die Nähe zu Augsburg. Besonders unser Vorschlag gegenüber dem V-Markt hat große Vorteile: Es müssten keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden, weil es sich um eine Industriebrache handelt, die einer anderen Nutzung zugeführt wird. Dieses sogenannte Flächenrecycling ist ein Staatsziel und besonders von der Staatsregierung gewünscht.

Gleich fünf Varianten: Besteht da nicht die Gefahr, dass Sie sich verzetteln und Ihre Chancen eher schmälern?

Wolf: Nein, wir bieten die komplette Vielfalt, damit für alle möglichen Anforderungen etwas dabei ist. Aber entscheidend ist unsere fünfte Variante. Wir könnten im September 2010 ohne größere Investitionskosten mit dem Schulbetrieb beginnen. Dann kann man in Ruhe überlegen, ob es überhaupt noch einen Neubau braucht. Demografisch gesehen brauchen wir ja die Schule sofort.

In der Bewerbung ums Gymnasium sind Kissing und Mering Konkurrenten. Gibt es da böses Blut?

Wolf: Als Kommunen sind wir im Wettbewerb. Aber Wettbewerber machen sich gegenseitig stärker. Das ist gesund, da gibt es keinen Streit.

Wie sieht dieser Wettbewerb beim Thema Zuzug aus?

Wolf: Jeder Bürgermeister will seine Gemeinde voranbringen. Ganz besonders konkurrieren wir aber gemeinsam gegen andere Landkreise. Da arbeiten wir in der Politik auch überfraktionell zusammen. Die Entscheidung für die Kreisstraße AIC 25, das war und ist die beste Wirtschaftsförderung. Zum Beispiel die Firma Pfaff Silberblau: Die hätte sich sonst nicht in Kissing angesiedelt, eventuell sogar in einem anderen Landkreis.

Was hat Kissing als Wohnort zu bieten?

Wolf: Wir leben quasi mitten im Erholungsgebiet mit dem Weitmann-, dem Auensee und den Wäldern. Dann unsere Infrastruktur: Unsere Schulen sind immer auf dem modernsten Stand, wie auch unsere Kindergärten und die Bücherei. Etwas ganz Besonderes ist unsere Paartalhalle: Dieses Sport-, Kultur- und Freizeitzentrum mit der Tribühnenanlage bietet für jeden etwas. Der KSC mit seinen zwölf Abteilungen, der Radsportverein, die Schützen, D'Burgstaller, der Kegelverein, der Schachclub und andere trainieren hier. Eine sehr gute Gastronomie mit einem großen Festsaal und das Jugendzentrum runden das Angebot ab. Seit einigen Jahren hat sich auch die Einkaufssituation entscheidend verbessert. Jetzt kommen auch Auswärtige zu uns zum Einkaufen und nicht nur umgekehrt. Dabei ist vieles fußläufig zu erreichen. Da lässt es sich auch für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger gut leben. Und wir haben hier ja auch ein Betreutes Wohnen und seit diesem Jahr auch ein modernes Pflegeheim.

Wie stark wächst Kissing noch?

Wolf: Im Schnitt haben wir rund 100 neue Einwohner pro Jahr. Wir wachsen nicht zu schnell, die Infrastruktur ist da auch für junge Familien optimal und die Attraktivität sieht man am besten an unseren hervorragenden Verkaufszahlen für das neue Baugebiet Lerchenwiese.

Wo kann Kissing noch wachsen?

Wolf: Das haben wir klar im Flächennutzungsplan ausgewiesen. Es gibt ein großes Gebiet innerhalb der Nordabrundung durch die Bürgermeister-Wohlmuth-Straße und eines südlich im Bereich der Oberländerstraße. Das wird mit Sicherheit für die nächsten 20 Jahre reichen.

Welche Probleme gilt es für die Zukunft des Ortes zu lösen?

Wolf: Wir sind gerade dabei, nach und nach die öffentlichen Gebäude auf den modernsten energetischen Stand zu bringen. Im Straßenbau wäre der Umbau der B 2 im Bereich der ehemaligen Neuapostolischen Kirche höchst interessant. Aber das geht natürlich erst, wenn die B 2 verlegt wurde. Da sind wir noch gehandicapt. Viel zu tun ist in den nächsten Jahren auch im gesamten Altort, z. B. eine neue Platzgestaltung und Verschönerung an der ehemaligen Molkerei.

Das Interview führte Gönül Frey

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