Mittwoch, 20. September 2017

18. Dezember 2015 16:17 Uhr

Gericht

Lange Bewährung für eine fatale Unfallflucht

50-Jähriger Golffahrer fuhr nachts zwei Schwestern um und lässt sie schwer verletzt im Straßengraben liegen. Jetzt muss er kräftig zahlen

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Justitia hat Recht gesprochen im Fall des Golffahrers, der im November 2014 bei Laimering zwei junge Frauen umgefahren und schwer verletzt im Straßengraben liegen gelassen hat.
Foto: Matthias Hiekel

Er hatte am 16. November 2014 zwei junge Frauen (21 und 25) frühmorgens bei Laimering angefahren und schwer verletzt liegen gelassen, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Trotzdem muss ein 50-Jähriger dafür nicht ins Gefängnis. Und das, obwohl Staatsanwältin Sabine Graf-Peters bei der Hauptverhandlung in Aichach auf ein Jahr und elf Monate ohne Bewährung plädiert hatte. Ein Jahr und sechs Monate wurden es – ausgesetzt zu vier Jahren Bewährung. Ausgerechnet die Tatsache, dass der Mann schon hafterfahren ist, ließ die Schöffenkammer unter Vorsitz von Richterin Sabine Igloffstein zugunsten des 50-Jährigen ins Gewicht fallen: „Denn wenn Sie jetzt erneut in Haft gehen, sind Sie hinterher arbeitslos und dann wäre es schwierig mit der Wiedergutmachung“, so die Richterin.

Wegen zweier Ladendiebstähle kurz nacheinander saß der 50-Jährige vergangenes Jahr vier Monate in der Justizvollzugsanstalt  ein – und verzichtete dabei auf den möglichen Teilerlass der Strafdauer.

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Um die Freigabe seines Führerscheins, der seit dem Unfall eingezogen ist, kann sich der Mann aus dem Landkreisnorden frühestens in sechs Monaten wieder bemühen. Ähnlich rigoros war die Kammer beim Geld: 20000 Euro seien an die Schwestern bis spätestens März 2016 zu überweisen. Sollte der Mann in einem privatrechtlichen Verfahren zu Schadensersatz verurteilt werden, wird diese Summe gegengerechnet. „Wir sind der Auffassung, dass da jetzt ganz schnell Geld fließen muss“, so die Richterin. Der Unfallfahrer wohnt nach dem Tod seiner Eltern in einem  Eigenheim. Und es ist auch Vermögen im fünfstelligen Bereich vorhanden, wie der Mann nach langem Zögern zugab.

Ab Januar muss der 50-Jährige zudem monatlich 150 Euro seines nicht gerade üppigen Einkommens abführen. Die Tagessätze sind erst abgearbeitet, wenn 7000 Euro erreicht sind. Wobei die Richterin Richtung der Angehörigen klar betonte: „Den Schicksalsschlag, den die Mädchen mit ihren Familien erlitten haben, kann kein Gericht der Welt ungeschehen machen.“

Völlig unstrittig war die Unfallflucht, die der 50-Jährige nicht nur zugab, für die er sich im Hauptverfahren und auch vorher schon bei den Betroffenen entschuldigte. Wiedergutmachung in Euro hat er bisher keine geleistet; sein Rechtsanwalt Marc Sturm nannte offene versicherungsrechtliche Fragen als Grund der Zurückhaltung. Der Fall ist sehr schwierig zu beurteilen, weil ein Unfallgutachten erstellt wurde, das „viele offene Fragen ließ an Stellen, wo Fragen unbedingt hätten beantwortet werden müssen“, so Igloffstein. Vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung war der 50-Jährige auf der Basis des Unfallgutachtens freigesprochen worden: Er habe die Mädchen, die auf freier Strecke aus einem auf ihre Bitte hin haltenden Bus ausgestiegen und über die Straße gegangen waren, nicht rechtzeitig sehen können in jener Nacht.

Zu seinen Gunsten wurde von der Kammer jetzt gewertet, dass der 50-Jährige nach seiner Gefängnisstrafe um den Erhalt seines Arbeitsplatzes kämpfte und dabei – wenn auch mit Abstrichen – erfolgreich war. Als besonderer Umstand galt, dass 2014 für den Mann ein „schwarzes Jahr war“, wie es die Richterin ausdrückte. So schwarz, dass ein ermittelnder Polizeibeamter knapp davor stand, den Mann zu dessen eigenem Schutz einzuweisen.

Andererseits sei die Unfallflucht eine von der „ganz, ganz, ganz schweren“ Sorte, so Igloffstein. Den Aufprall des Kopfes der schwerer verletzten Schwester musste der Golffahrer mitbekommen haben. Die Schwerverletzten im Straßengraben einfach liegenzulassen, nachts, bei Regen und ohne Wissen, wann Hilfe kommt oder ob sich die Verletzungen verschlimmerten, das dürfe nicht sein. Bei der Befragung des Angeklagten sah man den Juristen an, dass sie es schier nicht glauben konnten, dass der 50-Jährige in dieser Nacht von Samstag auf Sonntag nach dem „dumpfen Krach“, wie es der Autofahrer schilderte, einfach schlafen gegangen ist.

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Dasing | Laimering | Aichach | Marc Sturm

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