Traktoren, Anhänger und Geräte werden immer größer und schwerer. Die Feldwege zu unterhalten kommt damit eine Kommune immer teurer. Deshalb überlegte man sich in Kissing einen neuen Weg. Verwaltungsmitarbeiter Reiner Waldmann und Bürgermeister Manfred Wolf stellten in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses ein Verfahren vor, mit dem selbst in Naturschutzgebieten die Fahrtrassen staubfrei, fest und glatt gemacht werden können. Von Anton Schlickenrieder Von Anton Schlickenrieder
Kissing Traktoren, Anhänger und Geräte werden immer größer und schwerer. Die Feldwege zu unterhalten kommt damit eine Kommune immer teurer. Deshalb überlegte man sich in Kissing einen neuen Weg. Verwaltungsmitarbeiter Reiner Waldmann und Bürgermeister Manfred Wolf stellten in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses ein Verfahren vor, mit dem selbst in Naturschutzgebieten die Fahrtrassen staubfrei, fest und glatt gemacht werden können.
Das Verfahren ist zwar nicht billig, kostet aber nur etwa ein Drittel dessen, was Asphalt kosten würde. Besonderer Vorteil: Vorhandenes Material kann komplett wiederverwertet werden, es muss also nichts an- und abtransportiert werden. "Wir sparen unglaublich viele Fahrten", sagte Wolf.
Nur von Torfuntergründen bleibt man am besten weg, "aber selbst reinen Sand kann man damit verfestigen und bei Minustemperaturen arbeiten", erläuterte Waldmann. Ob in Sibirien oder am Brenner: Das Verfahren ist erprobt und inzwischen von sieben Universitäten getestet und freigegeben. "Und selbst bei Wegen entlang der Paar wäre es denkbar."
Die Münchener Firma NanoSky hat es entwickelt und vertreibt es. "Die Rezeptur ist so geheim wie Coca-Cola und wurde bislang nicht geknackt - trotz aller Bemühungen", erzählte der Bürgermeister. Der Zusatz gründe auf einer Latex-Basis, einem in der Natur vorkommenden Gummi. Es befänden sich keine Stoffe drin, die naturschutzfachlich bedenklich seien. Petra Hofberger von den Grünen, die sich ebenfalls intensiv mit dem Thema befasste, bestätigte Wolfs Einschätzung.
Der erste Schritt ist: Eine dünne Schicht Zement wird aufgebracht. Dann arbeitet eine Fräse den Untergrund durch und mischt den Zusatzstoff darunter. Ein Gräder zieht alles plan, sorgt auch dafür, dass Wasser ablaufen kann, eine Walze verdichtet den Belag. Vier Stunden später ist alles befahrbar.
Abrieb ist aber möglich
"Wir könnten sogar Farbe darunter mischen, damit es wie Asphalt aussieht", weiß Waldmann. Und der neue Untergrund nimmt nur ein Prozent Wasser auf, kann also nicht auffrieren. "Abrieb ist natürlich möglich. Bei größeren Belastungen könnte man das Material auch nur als Untergrund hernehmen und mit einer Verschleißschicht asphaltieren", sagt Wolf.
Die Hochstraße, die zum Wasserbehälter führt, und der Wiesweg sind die Experimentierfelder. Ersterer kostet 85 000 Euro, der kleinere Stichweg zur Pferdekoppel etwa die Hälfte. Der Ausschuss war sehr angetan, würde es gerne ausprobieren. Das Thema muss aber erst noch durch die Haushaltsberatungen.
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