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19. März 2010 19:30 Uhr

Aichach-Friedberg

ÖDP-Kreischef kritisiert das Schulsystem

Denkanstöße geben und Fragen aufwerfen, das war das Ziel des Vortragsabends der Kreis-ÖDP zum Thema Bildung im Dasinger Gasthof Bäckerwirt sein. Kreischef Nießner kritisierte das Schulsystem.

Aichach-Friedberg Keine parteipolitische Veranstaltung sollte der Vortragsabend der Kreis-ÖDP zum Thema Bildung im Dasinger Gasthof Bäckerwirt sein. Und so setzte der Referent Dieter Nießner mehr darauf, Denkanstöße zu geben und Fragen aufzuwerfen, als strikte Positionen zu vertreten. Der Kreisvorsitzende der ÖDP, der Studiendirektor an einer Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung ist, versuchte einzugrenzen, was Bildung überhaupt ist und in welchem Umfeld sie geschieht.

"Bildung beginnt in der pränatalen Phase. Ein Kind, das auf die Welt kommt, kennt bereits die Sprachmelodie seines Landes", betonte Nießner. In den ersten drei Lebensjahren würde der Grundstein für das ganze spätere Leben gelegt. Sind frühe Entwicklungsphasen beeinträchtigt, komme es zu Störungen. In diesem Lebensabschnitt bräuchten Kinder eine feste Bezugsperson. Nießner meldete Skepsis an, ob das in Kinderkrippen geleistet werden könne, da die Gefahr bestünde, dass eine Betreuerin für zu viele Kinder zuständig ist. "Ein Kind, das das alles nicht erfahren hat, ist zum Scheitern verurteilt."

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Der Lehrer ging auf die Pisa-Studie ein und äußerte Kritik am achtklassigen Gymnasium. Noch mehr Zeit in der Schule zu verbringen, bewertete Nießner skeptisch. Denn Bildung finde auch im Berufsleben, im Sportverein, im Umgang mit Freunden und Familie, in der Natur oder beim Musizieren statt. Dass immer mehr Eltern wollten, dass ihr Kind ein Gymnasium besucht, liege auch an der Geringschätzung von handwerklichen Fähigkeiten.

Schon bei der Lehrerausbildung würde streng nach Schularten unterschieden. "Je mehr Fachidiotie, desto höher das Gehalt", lautete das zugespitzte Fazit des Redners. Vielmehr bräuchte es eine blidungspolitische Vision. Diese sieht Nießner derzeit nicht. Stattdessen meldeten beim Thema Bildung viele Gruppen und Institutionen eigennützige Interessen an. "Politiker fragen, welche Entscheidung sich in Wählerstimmen niederschlägt", so Nießner.

Die Wirtschaft wolle passgenaue Arbeitnehmer. Träger sozialer Einrichtungen sei daran gelegen, "ihre Kindertagesstätten zu füllen". Religionsgemeinschaften hätten das Bestreben, dass im Schulunterricht streng zwischen katholisch und evangelisch unterschieden werde. Den Kirchen sollte es vielmehr darum gehen, Kindern eine Ethik zu vermitteln, als "diese kleinlichen Unterschiede zu betonen", machte Nießner seinen Standpunkt klar.

Im Anschluss bekamen die Anwesenden Gelegenheit, zu diskutieren. "Werden unsere Kinder überhaupt befähigt, die Probleme zu lösen, die höchstwahrscheinlich einmal auf sie zukommen werden?", wollte ein Zuhörer wissen. Manche Besucher im Raum äußerten Zweifel. (mick-)

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