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07. November 2009 06:22 Uhr

Regale füllen in Schwarzarbeit

Augsburg/Dasing Durch Schwarzarbeit in bayerischen und hessischen Supermärkten sollen den Sozialkassen Millionenbeträge entgangen sein. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat Anklage gegen zwei Geschäftsführer sowie mehrere leitende Firmenmitarbeiter einer in Stuttgart ansässigen Dienstleistungsfirma erhoben. Vier Personen sitzen in Haft, zwei Gebietsleiter sind gegen Auflagen auf freiem Fuß. Von Peter Richter

Es waren ihre in Portugal angeheuerten Arbeitskräfte, die seit 2004 bei Rewe und Tengelmann neue Waren in die Regale einräumten. Offenbar zu Monatslöhnen zwischen 1100 und 1300 Euro bar auf die Hand, ohne dies den zuständigen Krankenkassen zu melden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai glauben die Ermittler nachweisen zu können, dass Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsträger sowie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit dadurch um insgesamt 6,5 Millionen Mark geschädigt wurden.

Dem offenbar jahrelang gut funktionierenden Geschäftsmodell mit 14 Subunternehmen, alle nur zum Schein selbstständig, war der Augsburger Zoll im April auf die Spur gekommen, bei einer Routinekontrolle im Landkreis Aichach-Friedberg. In Dasing unterhielt der Stuttgarter Dienstleister eine Filiale, laut Ermittlungen getarnt als eigenständiges Unternehmen, von wo aus die Regalauffüller täglich nach Augsburg und München fuhren. In Kleinbussen, die der Stuttgarter Dienstleister stellte. In den Supermärkten traten die Regallauffüller in einheitlicher Berufskleidung auf, mit dem Firmenlogo auf der Brust.

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Der bis zu seiner Festnahme in Dasing tätige Filialleiter ist selbst Portugiese. Er hatte nach Angaben seines Verteidigers Marco Müller in der Heimat durch Zeitungsanzeigen Landsleute angeworben. Der 37-Jährige ist vor einigen Tagen bereits wegen Veruntreuung und Beihilfe dazu verurteilt worden.

Vor Gericht belastete er die Firmenleitung schwer. Alle Aufträge und auch "die Geldkuverts" für "seine" Leute seien aus Stuttgart gekommen. "Ich wusste, dass was Illegales läuft." Ein Geständnis, das Richterin Birgit Geißenberger mit einer niedrigen Strafe honorierte. Obwohl mitschuldig an einer hohen sechsstelligen Schadenssumme, kam der 37-Jährige mit 14 Monaten Haft davon. Die Aktion des Zolls hatte noch mehr Folgen. So standen plötzlich mehr als ein Dutzend Portugiesen, die als Regallauffüller nach Bayern gekommen waren, ohne Job und ohne Geld da. Hilfsorganisationen versorgten sie einige Tage mit warmem Essen.

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