Ihm ist bewusst, dass er nicht dem Bild entspricht, das manche in Deutschland von einem islamischen Geistlichen im Kopf haben. Da denken einige wohl eher an einen bärtigen, älteren Herrn mit orientalischer Kopfbedeckung. Den 34-jährigen Murat Isik könnte man hingegen für einen dynamischen Geschäftsmann halten. Doch er ist seit gut einem halben Jahr als türkischer Religionsbeauftragter für die am meisten besuchte Moschee im Landkreissüden in der Friedberger Stefanstraße zuständig. Von Andreas Schmidt Von Andreas Schmidt
Friedberg Ihm ist bewusst, dass er nicht dem Bild entspricht, das manche in Deutschland von einem islamischen Geistlichen im Kopf haben. Da denken einige wohl eher an einen bärtigen, älteren Herrn mit orientalischer Kopfbedeckung. Den 34-jährigen Murat Isik könnte man hingegen für einen dynamischen Geschäftsmann halten. Doch er ist seit gut einem halben Jahr als türkischer Religionsbeauftragter für die am meisten besuchte Moschee im Landkreissüden in der Friedberger Stefanstraße zuständig.
Als Imam predigt und unterrichtet er dort. Und ihm ist der Dialog über die Grenzen der eigenen Religion wichtig. "Es wäre falsch, wenn man nicht miteinander spricht", sagt Isik. Sehr angetan war er von einem ersten Treffen mit dem evangelischen Pfarrer und dem katholischen Stadtpfarrer. Auch zur Politik wie zum Bürgermeister hat er Kontakte geknüpft.
Der Imam fühlt sich freundlich aufgenommen in Friedberg. "Die Leute hier sind wunderbar", sagt Murat Isik, der aus der türkischen Hauptstadt Ankara kommt. Nicht ganz so wunderbar findet seine Familie das Wetter mit Regen im Sommer. Isik ist mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Alter von vier und elf Jahren in die Wohnung bei der Moschee gezogen. Zuvor war er schon jeweils kurz als Vertretung in Stuttgart, Hannover und Straßburg. In Friedberg will er vier Jahre als Religionsbeauftragter im Auftrag des türkischen Staats tätig sein. Ein längerer Aufenthalt ist nicht möglich.
Mit 34 Jahren ist Isik der jüngste Hodscha seit Jahren, der in der von der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) getragenen Moschee tätig ist. Für über 600 Moslems aus Friedberg und Umgebung ist sie eine Anlaufstelle. Dort vollzieht sich derzeit ein Wandel. Die erste Generation der Gastarbeiter ist teilweise in die Türkei zurückgekehrt. So gehört es mit zu den Aufgaben von Isik, auch Jüngere anzusprechen. Dies versucht er unter anderem auch beim Fußball - wobei er selber mit antritt. Vor Kurzem hat er bei einem Turnier zwei Tore geschossen. Auch das Friedberger Volksfest hat er mit seiner Familie besucht und ist mit seinen Töchtern in der "Leopardenspur" gefahren.
Isik wirkt weltoffen. Was sagt ein solcher islamischer Geistlicher zum Kopftuch, das in Deutschland viele als Zeichen der Abgrenzung moslemischer Frauen verstehen? Der Islam verpflichte nicht zum Tragen eines Kopftuches, sagt der Hodscha. Das freiwillige Tragen bedeute nicht, dass jemand religiöser sei als andere. Dafür komme es vielmehr auf die innere Haltung an. Das Kopftuch ist für Isik eher ein Ausdruck der Kultur des Herkunftslandes. Viel wichtiger ist dem Geistlichen, was er als Gemeinsamkeit der großen Weltreligionen sieht: Dass sie sich für ein friedliches Zusammenleben der Menschen einsetzen.
Dazu soll im nächsten Jahr auch ein Tag der offenen Tür dienen, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Mit einem großen Fest wird dann das 25-jährige Bestehen der Friedberger Moschee in dem früheren Wohnhaus an der Stefanstraße gefeiert.
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