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Grünpflege: Rinder statt Rasenmäher

Grünpflege

Rinder statt Rasenmäher

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    In der Komfortzone: Hochlandrindbesitzer Joe Engelhardt kämmt seiner Kuh Anja das Fell. Sie weidet derzeit an der Autobahn A8 bei Dasing.
    In der Komfortzone: Hochlandrindbesitzer Joe Engelhardt kämmt seiner Kuh Anja das Fell. Sie weidet derzeit an der Autobahn A8 bei Dasing. Foto: Weykopf

    Dasing Kuh Anja hat eine „Komfortzone“ – so nennt es Landwirt Joe Engelhardt, wenn sich die zottelige Braune so richtig wohlfühlt. Das passiert, wenn die Temperatur zwischen null und 15 Grad liegt. Auf ihren neuen Weideflächen entlang der Autobahn A8 zwischen Augsburg und München steht sie nun das ganze Jahr draußen – auch bei Temperaturen, die außerhalb ihres Wohlfühlbereichs liegen.

    Anja ist eine von 78 schottischen Hochlandrindern, die entlang der Autobahn A8 die Grünflächen beweiden. Das Projekt ist das erste seiner Art deutschlandweit. Erfahrung mit Schafen habe man in den vergangenen Jahren zwar bereits vielerorts gesammelt, sagt Landschaftsarchitekt Dietmar Narr. Einen 52 Kilometer langen Autobahnabschnitt durchgängig mit Rindern statt Rasenmähern zu pflegen – „das ist ein Novum“, sagt er.

    Das Ziel: Eine möglichst große Artenvielfalt beibehalten

    Ziel ist es, eine möglichst große Artenvielfalt auf den Flächen beizubehalten bzw. wieder herzustellen, so Narr. Mithilfe der grasenden Rinder sei es möglich, Biotoplandschaften an Lech und Amper zu verbinden. „Wir erhalten auf diesen Wiesen durch die Rinder den höchsten naturschutzfachlichen Wert“, erklärt Narr. Entlang der Fahrbahntrasse entstehe eine durchgängige natürliche Landschaft. Bereits bei der Planung des Autobahnausbaus sei das Projekt mit einbezogen worden. Und durchgeplant ist tatsächlich alles. Sogar tierpsychologische Untersuchungen gab es im Vorfeld, um herauszufinden, mit wie vielen Tieren sich eine Rindergruppe am wohlsten fühlt.

    Im Winter, wenn die Temperaturen fallen, legen sich die Tiere in den Schnee oder lassen sich sogar vollständig einschneien. Das zottelige Fell isoliert sie vor Kälte und Nässe. Im Sommer hingegen brauchen sie Kühlung. Dazu nehmen sie dann schon einmal ein „Bauchnabelbad“ in einem Weiher, erklärt ihr Besitzer.

    Engelhardt kommt aus Gankofen bei Landshut. Insgesamt besitzt er 300 Hochlandrinder. Die 78 Kühe, Kälber und Bullen, die von nun an an der Autobahn stehen, stellt er dem Konzessionsinhaber der Strecke, Autobahnplus-Services, in Form einer Dienstleistung zur Verfügung: Seine Rinder grasen – und er bekommt dafür Geld.

    Nachdem ein Weideabschnitt abgegrast ist, ziehen die Tiere, die derzeit in sieben Herden unterwegs sind, zur nächsten Grünfläche.

    Konventionelles Mähen ist dennoch nötig

    Müssen dabei nur wenig befahrene Straßen überquert werden, könne man die Tiere zu Fuß umsiedeln, so Engelhardt. Ist der Weg weiter oder durch Verkehrshindernisse erschwert, dann werden sie in einen Hänger verladen. Ganz ohne konventionelles Mähen wird die Pflege des Autobahngrüns dennoch nicht funktionieren, denn die Halme auf dem Mittelstreifen und am Fahrbahnrand dürfen die Zottelrinder nicht stutzen – zu gefährlich.

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