Kühbach-Haslangkreit Es sind die Stürme, die sie fürchten - sonst nichts. Heute Morgen aber ist es ruhig. Dichter Nebel hat sich über Nacht breitgemacht und hüllt das Schloss in einen flauschigen Wattebausch. Nur schemenhaft blinzeln die gelben Fensterumrandungen auf der sonst weiß getünchten Wand hervor. Die warmen Sonnenstrahlen der letzten Tage haben den restlichen Schnee fast aufgeleckt. Dafür liegt Raureif über dem Boden. Es ist 10 Uhr. Wir sind mit Rosemarie und Heinrich Rössig (87) verabredet. Eigentlich wollten beide gar nicht, dass "schon wieder" jemand etwas über Schloss Haslangkreit schreibt. Und darüber, wie es innen ausschaut, schon gar nicht. Ihr Privatleben ist ihnen heilig. Lediglich die Kirche wird alle 14 Tage sonntags aufgesperrt. Dann ist Gottesdienst. Und im Sommer Pfarrfest. Na ja, und wenn die Kinder im Winter auf dem zugefrorenen Weiher vor dem Schloss Schlittschuh laufen, freuen sie sich natürlich auch.



Es ist kalt an diesem Morgen. Also bitten sie den Gast selbstverständlich hinein. Ein steinernes Treppenhaus mit breiten Granitstufen führt in den ersten Stock. Aus einem Gewölbegang strahlt durch große Rundbogenfenster helles Licht. Alte Truhen stehen auf ausgetretenen, roten Keramikfliesen. Ja, so stellt man sich ein Schloss vor.
Gegenüber in der Wand ein mächtiger Türstock. 1681 ist dort eingraviert. Dahinter das Empfangszimmer. Rote Wände. In einer Nische steht ein runder Tisch, drei Stühle, eine Chaiselongue. Von der einfachen Stuckdecke hängt ein Kristallleuchter. Eine mächtige Wand mit einer Tür auf jeder Seite trennt den Besucher von der guten Stube. Hier wird ganz offensichtlich gewohnt. Es ist wohlig warm. An der Wand ein Stich von Michael Wening, der Schloss Haslangkreit um 1700 zeigt. Rechts daneben ein Porträt von Franz Sigismund von Haslang. Rosemarie Rössig beginnt zu erzählen. Von Georg Christoph Haslang, den guten Beziehungen der Haslanger zu den Wittelsbachern und von eben jenem Franz Sigismund von Haslang, der ihr besonders an Herz gewachsen ist. Er war ein hoher Gesandter des Kurfürsten in London, sehr wohlhabend und besaß neben dem Schloss in Haslangkreit auch das Schloss Tüßling bei Altötting.
"Wie wird man Schlossbesitzer?" möchten wir wissen. "Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem kleinen, alten Haus, ein Pfarrhaus vielleicht", erzählt Rosemarie Rössig. Ihre Augen blitzen noch heute, wenn sie in Erinnerungen schwelgt. "Ein kleines Schloss wäre schön gewesen - aber kleine Schlösser waren meist in Familienbesitz, weil sie einfach zu beheizen waren. Anhand von Landkarten haben wir uns die Orte herausgesucht, die ein Schlosssymbol hatten, und haben uns erkundigt, ob Objekte zum Verkauf standen. Als wir nach Haslangkreit kamen, waren die Dächer kaputt und die Fenster waren schlecht. Da habe ich mir gedacht: 'Das Haus kann man kaufen'. Das war im Januar 1972 - also vor 38 Jahren.
Sie sollte Recht behalten. Es dauerte nur fünf Monate. Im Juni waren Rosemarie und Heinrich Rössig bereits Schlossherren und Eigentümer von zwei Hektar Grund und Boden. Zum "Schnäppchenpreis" von 160 000 Mark hatten sie sich aber auch eine Menge Arbeit eingekauft. "Der Dachstuhl war schlecht und es gab Löcher im Dach", schildert die Schlossherrin den desolaten Zustand des Gebäudes.
Im Erdgeschoss wohnte noch der Förster des Vorbesitzers Ludwig Graf Maldeghem. Die Familie der Maldeghems, die das Anwesen nebst 600 Hektar Grund und Boden 1840 erwarb, hat selber nie im Schloss gewohnt. "Die meisten Fenster waren kaputt und fast alle Türen fehlten. Wir haben neue Fenster nach altem Muster anfertigen lassen. Das Meiste haben wir in Eigenleistung erledigt, bis hin zum Mauern und Verputzen." (kfl)
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: