Mering (riem) - In der für Graffitikünstler eher ungewöhnlichen Umgebung des Meringer Schlosses bieten sieben Jungs am 15. März in Mering einen kleinen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen mit der Sprühdose. So auch André Rößner und Jonas Johnke, die ebenfalls zu der Gruppe "die Bunten" gehören. Die freie Entfaltung der Kreativität kann sich hier als legale Sprühaktion zeigen und hat einen zweifach positiven Effekt: Die Schmierfinken sollen mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden - und Mering hätte manch schönes Wandgemälde dazu gewonnen. Davon sind Rößner und Johnke überzeugt. Voraussetzung: Es finden sich über das Übungsobjekt hinaus weitere Wände.

Kreatives Potential
Sie selbst sprühen nicht mehr illegal, ebenso wie die anderen Mitglieder der Gruppe. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass künftig nicht nur über illegales Graffiti an Hauswänden diskutiert wird, sondern über legale Flächen zum Sprayen. Dies bleibt für das Duo die einzige Lösung, dem mit aller Gewalt und Verfolgung scheinbar ununterdrückbaren kreativen Potenzial der Jugendlichen legale Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. "Der beste Schutz gegen einen ,tag' ist ein gutes Graffiti an der Hauswand. Wir wollen endlich raus aus der Illegalität", erklären die Beiden. Ein "tag" ist eine Signatur, die aufgesprüht wird als Hinweis, wer tätig war. Sprayen halten die Mitglieder der Gruppe "die Bunten" für einen Teil ihres Lebensausdrucks.
Seit Jahren haben viele Graffitikünstler die Leinwand als gesellschaftlich zunehmend toleriertes Medium für ihre Arbeiten gefunden. Die dadurch in manchen Sprayerkreisen als Kommerzialisierung verpönte neue Möglichkeit, ihre Werke problemlos dem Markt zugänglich zu machen, verschafft den Künstlern ebenfalls ein breiteres Publikum. Zusammen durften die beiden schon mehrere Wände "bemalen", als Letztes eine Wand für die Firma EPM Papst in Landshut. Respektierte Könner haben gegenüber Anfängern und Dilettanten den Vorteil, dass ihre Graffiti nicht so bald übermalt werden - ein Umstand, den sich Hausbesitzer und Firmen zunutze machen sollten, wie Jonas und André äußern. Denn mit Auftragsarbeiten könnten sie dauerhaft vor "wilden" Schmierereien schützen. Die Macher des Graffiti scheinen erwachsen geworden, die Kunst aus der Sprühdose wird seriöser, salonfähiger. Der Schritt von der Straße in die Häuser wäre offen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt, außer die der eigenen Fantasie.
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