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04. März 2010 18:10 Uhr

Aichach-Friedberg

Straftaten unter Alkohol nehmen bei der Jugend zu

Früher war es das Markenzeichen auf der Jeans. Heute zeigt die Bierflasche in der Hand, ob ein Jugendlicher "in" ist. Immer mehr Kriminalitätsdelikte von jungen Leuten im Landkreis hängen mit Alkohol zusammen. Ein alarmierender Trend. Von Carmen Jung

Aichach-Friedberg. Früher war es das Markenzeichen auf der Jeans, heutzutage zeigt die Bierflasche in der Hand, ob ein Jugendlicher in ist. Und der Gerstensaft muss von einer bestimmten Brauerei sein, damit der Teenie "en vogue" ist. Immer mehr Kriminalitätsdelikte von jungen Leuten im Landkreis hängen mit Alkohol zusammen. Die Drogenkriminalität dagegen nimmt ab.

Die Sache von der Bierflasche und dem In-Sein berichtete einer, der's wissen muss, vor dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises: Erwin Schletterer, Geschäftsführer der Brücke in Augsburg, jenes Vereins also, der pädagogische Maßnahmen für straffällige Jugendliche und Heranwachsende anbietet und so einige Aufträge vom Landkreis bekommt. 565 Anzeigen gab es 2009 im Wittelsbacher Land gegen 14- bis 21-Jährige. Beim Großteil (147) handelt es sich um Eigentumsdelikte, gefolgt von Straßenverkehrsdelikten (91) und Körperverletzungen (87). Insgesamt ist die Kriminalität leicht rückläufig (2008 und '07: 575), aber "sehr starke Zuwachsraten" verzeichnen Gewalttaten. Und die Mädchen holen ganz schön auf, gerade, was die Gewalt anbelangt, so Schletterer. Erstmals führt die Brücke deshalb nun auch ein Anti-Aggressionstraining für die Mädels durch. Auffallend ist der Rückgang bei den Drogendelikten. Waren 2004 noch 99 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verzeichnen, sank die Rate kontinuierlich von 78 im Jahr 2006, auf 47 Fälle 2008 und schließlich 40 im vergangenen Jahr. Im Gegenzug spielt der Alkohol immer öfter eine Rolle, wenn Jugendliche straffällig werden. Hier setzt die Brücke an: Unter dem Motto Aloha (Alltag ohne Alkohol) startet im März erstmals ein Gruppenangebot für Jugendliche, die Alkoholmissbrauch betreiben.

Ein Großteil des Brücke-Engagements bezieht sich auf Arbeitsweisungen. 310 Jugendliche leisteten 2009 bei der Brücke die Arbeitsdienste ab, die ihnen ein Richter aufgebrummt hat. Dafür gibt der Landkreis 20 000 Euro Zuschuss. Wegen der Ein-Euro-Jober-Konkurrenz seien sie gar nicht mehr so leicht unterzubringen, so Schletterer. Aber auch Einzelbetreuungen (vier aus dem Kreis), soziale Trainingskurse für mehrfach auffällige Gewalttäter (sieben Landkreisbürger) und - deutschlandweit einmalig - eine Väter-Gruppe (drei Teilnehmer aus dem Landkreis) stehen bei der Brücke unter anderem auf dem Programm.

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Rückfallquote bei Ersttätern liegt bei nur 10 Prozent

Zufrieden nahmen die Ausschussmitglieder auch zur Kenntnis, dass laut Schletterer die Rückfallquote bei den Ersttätern nur zehn Prozent beträgt. Bei den Mehrfachtätern werden zwar 40 Prozent trotz Brücke wieder auffällig bei der Polizei. Doch das sei "immer noch eine sehr gute Zahl", so Schletterer. Denn: Jugendliche, die stattdessen einen Jugendarrest im Gefängnis verbringen, werden zu 75 Prozent wieder ein Fall für den Staatsanwalt.

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