Dirigenten verlieren angeblich pro Konzert ungefähr zwei Kilo an Gewicht. Unter Prüfungsstress ist es vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Zumindest künftig braucht sich Philipp Kufner darüber keine Gedanken mehr machen. Von Heike John
Auf dem Programm stand konzertante Blasmusik sowohl in originaler Orchesterliteratur als auch in Arrangements, Werke großer Berühmtheiten und Stücke zeitgenössischer Komponisten. Innerhalb von nur zwei Probetagen musste sich Kufner mit den 45 Profimusikern arrangieren. "Bei uns hätte so ein Programm schon mehrere Monaten Proben bedeutet", stellten Mitglieder der Meringer Kolpingkapelle anerkennend fest. Sie waren aber überzeugt: "Unser Philipp macht das einfach super wie immer."
Lob gab es auch von den Profis. Jeder von ihnen beherrscht zwischen zwei und fünf Instrumenten. Christiane Jungbauer, die in Rimskij-Korsakows Variationen über ein Thema von Glinka als Solistin an der Oboe brillierte, brachte es auf den Punkt: "Wir hatten ein tolles Arbeitsklima mit ihm. Er war super vorbereitet, ist schlagtechnisch sehr gut und fachlich kompetent."
Dies zeigte sich nicht nur im Vorspiel zum dritten Akt von Wagners Lohengrin oder in der Ouvertüre zur Verdi-Oper "Macht des Schicksals", sondern vor allem in Hans W. Henzes modernen "Ragtimes und Habaneras". Die elf teilweise in einander übergehenden Sätze aus dem zeitgenössischen Werk forderten auch vom Publikum eine ungewöhnliche Hörbereitschaft, sodass die Pause gut gewählt war.
Diese Zeit nutzte Professor Mösenbichler bereits, um zusammen mit seinen vier Jurymitgliedern über die Leistung des Dirigentenprüflings zu beraten. Danach war auch Moderator und Orchestertrompeter Wolfgang Koch in seinem Element. Er führte mit Worten einmal quer durch Paris von Jacques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" über Martin Ellerbys "Paris Sketches" bis zum Chansonkonglomerat "Montmartre". Mit dem Taktstock geleitete Philipp Kufner anschließend das Orchester durch die französische Hauptstadt.
Eine weitere Sprosse erklommen
Der Applaus ließ erahnen, was die Jury nach der ersten Zugabe offiziell bestätigte: Kufner hat eine weitere Sprosse der Karriereleiter erklommen. Dass er auch als angehender Bachelor of Arts im Fach Orchesterdirigieren seine Wurzeln nicht vergisst, zeigt der Verwendungszweck der Eintrittsgelder. Der Erlös wird der Jugendarbeit der Kolpingkapelle Mering gespendet.
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