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05. September 2011 20:00 Uhr

Einblick

Thomas Sperr ist einer der Letzten seiner Art

Der Pöttmeser ist einer von nur noch drei Gerbern in Bayern, die hochwertiges Sämischleder herstellen Von Sebastian Musolf

„Wir verarbeiten auch die Felle, die uns Schäfer und Jäger aus der Region bringen.“Thomas Sperr

Pöttmes Die Gerberei von Thomas Sperr kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stellt die Familie hochwertiges Leder her. Ab 1795 haben sich die Sperrs auf die Produktion von Sämischleder spezialisiert, das sich extrem weich und samtig anfühlt. Heute setzt Gerber Thomas Sperr diese mehr als 200-jährige Familientradition fort. Er ist einer der wenigen Meister, die in Deutschland noch mit der alten Kunst des Sämischgerbens vetraut sind. In Bayern gibt es nur noch zwei weitere Betriebe dieser Art.

„Unser Sämischleder eignet sich besonders gut für Kleidung, da es sich so angenehm anfühlt und hautverträglich ist“, sagt Sperr. Mindestens drei Monate dauert es, bis aus dem Rohfell das fertige Sämischleder entsteht. Sperr stellt alles in Handarbeit her – nach Art seiner Vorfahren. Seine Ehefrau Gudrun und ein fester Mitarbeiter unterstützen ihn dabei.

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Die Rohfelle stammen vom Neuseelandhirsch, die Sperr erst importieren muss. Der Hirsch wird dort auf Farmen gezüchtet, das Rohleder habe keine Parasiten oder Löcher vom Abschuss. „Wir verarbeiten aber auch die Felle, die uns Schäfer und Jäger aus der Region bringen“, fügt der Gerber an. Nach dem Enthaaren werden die Rohfelle in Fässern gegerbt, die mit Wasser und Tran gefüllt sind. Das Leder wird anschließend getrocknet, weich gemacht und geschliffen. Viele Arbeitsschritte muss Sperr mehrmals durchführen. Das fertig gegerbte Sämischleder wird anschließend mit eigens angemischtem Farbstoff aus Blauholz eingefärbt. Dabei erhält nur die Oberseite des Leders einen Anstrich, die beige-farbene Unterseite bleibt unbehandelt.

Die Arbeit sei körperlich anstrengend – die Felle müssen zum Trocknen und Bearbeiten innerhalb der Werkstatt hoch- und runtergeschleppt werden. „Das Fitnessstudio kann sich mein Mann daher sparen“, sagt Ehefrau Gudrun lachend. Die harte Arbeit macht dem erfahrenen Gerber aber nichts aus – er will noch viele Jahre weitermachen. Der Beruf übe eine zu große Faszination auf den 47-Jährigen aus. „Das Rohfell ist ziemlich unansehnlich, das Endprodukt ist dann aber hochwertig und fühlt sich gut an“, sagt Sperr über seine Leidenschaft. Etwa 2500 Stück Leder stellt der kleine Familienbetrieb aus Pöttmes pro Jahr her – gearbeitet wird bereits an der Kapazitätsgrenze. „Wir sind gut ausgelastet“, sagt Sperr. Der Quadratmeter Sämischleder kostet 82 Euro. Sperrs Kunden kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland – wie Österreich, Italien oder Frankreich. „Wir beliefern nicht nur Hersteller von Trachtenmoden mit unserem Sämischleder, sondern auch Designer, Raumausstatter und Polstereien“, berichtet Sperr. Das angenehme Material sei sehr beliebt.

Einer seiner besten und langjährigen Kunden ist Sperrs älterer Bruder Wolfgang, der im selben Haus eine Lederwerkstatt betreibt. Der gelernte Kürschner fertigt aus dem Produkt des Bruders Lederhosen, Jacken, Gehröcke und Westen – alles hochwertige Unikate, die in aufwendiger Handarbeit entstehen. „Die teuersten Lederhosen mit aufwendigen Stickereien kosten um die 1000 Euro“, sagt Wolfgang Sperr. In einem einzelnen Stück stecken mehr als 30 Stunden reine Arbeitszeit, berichtet der 51-jährige Kürschner. Vor allem lange Lederhosen in Jeansform seien sehr beliebt, da sie sich für den täglichen Gebrauch eignen. Leider sei das Handwerk des Gerbers heute ein aussterbender Beruf, berichtet Thomas Sperr. Erst kürzlich habe die Gerberschule in Reutlingen ihre Tore mangels Nachwuchs schließen müssen. „Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland mehr als 28000 Gerbereien, heute sind es nur noch 60“, sagt Sperr. Er sei in der Tat einer der Letzten seiner Art.

Im Internet

www.gerberei-sperr.de

www.leder-sperr.de

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