Donnerstag, 21. September 2017

05. Oktober 2013 18:01 Uhr

Friedberg

Veganerin vom Schlachthof rettet Kühe

Die Friedberger Tierärztin Nicole Tschierse sieht bei ihrer Arbeit seit Jahren Rinder in den Tod gehen. In den vergangenen Monaten kaufte sie mehrere frei – mithilfe von Facebook.

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Tierretterin Nicole Tschierse: „Aber natürlich kann ich nur wenige retten, während jeden Tag so viele andere über die Klinge gehen.“

Die schreiende Kuh draußen vor dem Schlachthof verstummt immer dann, wenn Nicole Tschierse in ihr Blickfeld tritt. Das gibt der Friedberger Tierärztin den Anstoß für eine Rettungsaktion. Sie bringt den Bauern dazu, das Rind wieder mitzunehmen.

Um das Geld für den Freikauf zu zusammenzubekommen, startet Tschierse einen Aufruf über Facebook – und erlebt einen unerwarteten Erfolg. Rund 600 Menschen spenden innerhalb von drei Tagen so viel, dass die Friedbergerin mehr als nur eine Kuh retten kann.

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Seit sechs Jahren arbeitet Tschierse als Tierärztin für einen kleinen Schlachtbetrieb. Die 42-Jährige nahm den Job an, obwohl sie damals schon Vegetariern war und mittlerweile Veganerin ist. Einen Widerspruch sieht sie darin nicht. „Wo soll denn eine Tierschützerin sonst gebraucht werden, wenn nicht auf einem Schlachthof?“, fragt sie. Das sei der Ort, an dem sie am meisten bewirken könne. Die Tierärztin hat aber auch eine mobile Praxis und macht Hausbesuche in der Region.

Tschierse rettete schon Tiere, bevor die Schreie der Kuh sie vor einigen Monaten berührt haben. Auf ihrem Gnadenhof im Friedberger Stadtteil Rederzhausen leben zwei Rinder, zwei Schweine, zwei Ziegen und zwei Maultiere. Doch der Erfolg über Facebook hat der 42-Jährigen neue Möglichkeiten eröffnet. „Ich habe dort tolle Leute getroffen, die ein richtiges Netzwerk aufbauen konnten“, sagt Tschierse. Sie selbst habe sich von Computern bis vor wenigen Jahren ferngehalten.

Tiere kommen auf einen Gnadenhof

Die schreiende Kuh kauft die Friedbergerin dem Bauern für 1400 Euro ab – so viel hätte auch der Schlachthof dafür gezahlt. Außerdem setzt Tschierse das Geld ein, um sofort noch ein weiteres Rind aus demselben Bestand mitzunehmen.

Da auf dem eigenen Grundstück der Platz fehlt, bringt sie die Tiere zu einem Gnadenhof in Norddeutschland. „Die Spender haben die ganze Aktion über Facebook begleitet“, sagt Tschierse. Auch die Namen Chaya und Dani habe das Netzwerk bestimmt. Als die Tierärztin in Norddeutschland Abschied von den Rindern nehmen muss, fällt ihr das sehr schwer.

Die Friedbergerin beschreibt ihre Rettungsaktionen als ungezielt. „Ich sammle die Bomben auf, die neben mir einschlagen“, sagt sie. Rinder hätten es ihr mit der Charaktermischung zwischen Pferd und Hund besonders angetan. Die 42-Jährige kauft die, zu denen sie sofort einen Bezug hat. „Aber natürlich kann ich nur wenige retten, während jeden Tag so viele andere über die Klinge gehen“, sagt sie.

Auf der Suche nach dem richtigen Hof

Tschierses Motivation trübt das nicht. „Ich würde alles tun, um möglichst viele Rinder zu retten“, sagt sie. In den vergangenen Wochen hat sie noch ein Kalb und einen Ochsen gekauft. Die beiden stehen zurzeit in einem Quarantänestall, da das in Deutschland mindestens drei Wochen lang Vorschrift ist.

Eigentlich hatte Tschierse für sie schon einen Hof gefunden, doch dessen Besitzer sind wieder abgesprungen. Nun sucht die Friedbergerin nach einem neuen Platz.

Gleichzeitig kommt immer mehr Geld rein, auch wenn die betreffende Facebook-Gruppe nicht mehr öffentlich ist. Tschierse möchte als Nächstes die Mutter des vor Kurzem geretteten Kalbs kaufen. Die nötigen Mittel dafür sind schon da. Der Besitzer möchte die Kuh wegen der Milchabgabe aber noch möglichst lange behalten.

Tierschützerin ist überzeugte Veganerin

„Die Rettung der Rinder bedeutet viel Arbeit“, sagt Tschierse. Sie müsse wegen all der Vorschriften jede Menge Formulare ausfüllen. Dennoch belässt sie es nicht beim Kaufen von Kühen. Auf ihrem Grundstück leben auch drei gerettete Hunde. Einer davon kommt aus Rumänien. Als ihn Menschen dort mit Steinen bewarfen, verlor er ein Auge. Eine Straßenbahn hat ihm ein Bein abgefahren. Dank einer Prothese kann er aber laufen.

Tschierse ist begeistert, dass sie über die Facebook-Kampagne so viele Tiere retten konnte. Doch sie betont, dass auch ohne Geld viel getan werden könne. Sie sagt: „Eine vegane Ernährung ist der einfachste Weg, Tiere zu schützen.“

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Ein Artikel von
Sascha Geldermann

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion


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