Dasing Der „Raucher-Schreck“ lud ein und etwas über 20 Interessierte kamen zum Bäckerwirt in Dasing, um dem Bundesvorsitzenden der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) und Initiator des Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“, Sebastian Frankenberger, zuzuhören. Er war gekommen, um aus seinem neuen Buch „Volk, entscheide! Visionen eines christlichen Polit-Rebells“, zu lesen.
Daran, dass er sich für seinen Vortrag ausgerechnet eine Gaststätte ausgesucht hatte, die vom Rauchverbot betroffen sein könnte, nahm keiner Anstoß. Dieter Nießner, Kreisvorsitzender der ÖDP in Aichach-Friedberg entgegnete: „Hier laufen immer die Kinder der Wirtsleute rum, die sind froh, wenn keiner raucht!“ Frankenberger war auch nicht in seiner Funktion als Schrecken aller Raucher gekommen, in der er 2009 über Nacht deutschlandweit bekannt wurde, sondern, um über sein neues Buch zu sprechen.
Basierend auf einem Tagebuch, das er während seiner Auszeit als Eremit in der Turmstube im Linzer Dom geschrieben hatte, gewährte er Einblicke in sein Privat- und Glaubensleben. So berichtete er von der intensiven Auseinandersetzung mit biblischen Texten, nach der seine politischen Visionen von einer besseren Welt entstanden sind. Sie sollen dieses Jahr Eingang in ein neues Grundsatzprogramm finden, oder wie Frankenberger es nennt: „Die Bibel der ÖDP.“ Ein Schelm, wer dabei an einen geschickt inszenierten Gründungsmythos denkt. Eines wurde gleich zu Beginn deutlich: Leise Töne sind nicht die Sache des Sebastian Frankenberger. Trotz festem Schuhwerk, welches Bodenständigkeit vermitteln soll, und einer betont lässigen Haltung, war jedem der markigen Worte des Autors dessen früher politischer Erfolg anzumerken. Und das, obwohl oder gerade, weil er Dinge sagte, wie: „Den Propheten im eigenen Land hört man nicht gern“ und dabei wie selbstverständlich von sich selber sprach.
Schnell war klar, Sebastian Frankenberger und seiner Partei geht es um nichts Geringeres als die Rettung der Welt. So zum Beispiel, wenn er den Entwurf einer „Goldenen Regel“ für politisches Handeln vorstellte: „Überprüfe jegliche Handlung und politische Forderung darauf, ob sie für den gesamten Planeten aus Mensch, Tier und Natur dazu dient, diesen künftig als lebens- und liebenswert zu erhalten.“ In diesem Sendungsbewusstsein trat er im Laufe des Abends in wechselnder Weise auf als Verfechter von Bio-Obst, Richter über den Wachstumskapitalismus und Lehrer, der seinen Schülern Antworten auf rhetorische Fragen in den Mund legt: „Turbokühe – wollen wir das?“
Das Auditorium, das zum überwiegenden Teil aus Parteimitgliedern und Sympathisanten bestand, spielte bereitwillig mit. Und sogar Gäste, die der Politik seit Langem den Rücken gekehrt hatten, konnte er mit seinem Auftritt überzeugen. Florian Einsiedler jedenfalls ließ sich nach 15 Jahren der Politikverdrossenheit gleich in den E-Mail–Verteiler der ÖDP aufnehmen und sagte: „Ich find’s gigantisch, das trifft genau den Nerv der Zeit!“
Obwohl es Frankenberger an diesem Abend bei der Vorstellung seiner Visionen größtenteils bei pauschalen Forderungen wie „mehr Demokratie“, „ein höherer Stellenwert für Bildung“ oder „mehr soziale Gerechtigkeit“ beließ, waren am Ende doch alle zufrieden. Die Gäste, die Wirtin und nicht zuletzt Sebastian Frankenberger selbst.