Montag, 20. Mai 2013

30. August 2012 12:06 Uhr

Medizin

Von Tieren und Technik

Die Behandlungsmöglichkeiten für Hund, Katze und Kaninchen nähern sich denen ihrer Besitzer immer weiter an Von Nina Waldenburger

Friedberg Dr. Till Lugtenburg reibt eine rosa Paste auf ein kleines Bürstchen und poliert damit die Zähne seiner Patientin glatt. Das klingt nach einer ganz normalen Zahnbehandlung. Till Lugtenburgs Patientin jedoch hat ein Fell und hört auf den Namen Medi. Neue Verfahren, seien es künstliche Hüften für Hunde, Unterwasserlaufbänder bei geschädigten Gelenken oder Magnetresonanztomografie und Computertomografie seien auf dem Vormarsch, so Lugtenburg.

Solche spezialisierten Behandlungen sind mittlerweile nichts Neues mehr in der Tiermedizin. Lugtenburg ist praktischer Tierarzt in Friedberg und hat sich auf Zahnheilkunde spezialisiert. Bei rund 28000 Tierärzten in Deutschland suchen viele eine Nische. Das sichert nicht nur die Existenz, sondern verbessert auch die Betreuung der Vierbeiner. So unterscheiden sich die Behandlungen beim Tier kaum von der ihrer Herrchen oder Frauchen. Der einzige Unterschied ist in Medis Fall wohl, dass sie eine Spülung bekommt, die nach Hühnchen statt Pfefferminze schmeckt.

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Doch nicht nur die Zahnmedizin macht stetig Fortschritte, auch alle anderen Bereiche schließen immer weiter auf die Humanmedizin auf. Vermutet der Tierarzt zum Beispiel einen Hirntumor, kann er heute zur Diagnose auf Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zurückgreifen. Diese bildgebenden Verfahren bieten klare Vorteile im Gegensatz zur herkömmlichen Vorgehensweise.

„Bei diesem Verfahren kann man ein Organ, zum Beispiel das Gehirn, in einer 3-D-Animation auf den Bildschirm holen, dort in Stücke schneiden und drehen“, erklärt Lugtenburg. So lassen sich Größe und Vorkommen von Tumoren viel schneller, effizienter, vor allem aber sicherer feststellen. Und je früher die Prognose, umso besser die Heilungsaussichten.

Den Vorteil der computerbasierten Arbeitsweise sieht auch Dr. Sandra Langner, praktische Tierärztin in Friedberg. Man könne Daten der Patienten zum Beispiel für eine zusätzliche Einschätzung zu einer hoch spezialisierten Klinik schicken. Nötig ist dazu aber auch die Bereitschaft der Kleintierbesitzer, mehrere Hundert Euro in ihre Lieblinge zu investieren. „Kleintiere sind von einem abhängig. Deshalb ist das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kleintieren sehr viel größer geworden“, weiß Langner.

Eher skeptisch sieht Dr. Manfred Ernst, praktischer Tierarzt in Mering, diese Entwicklung. Gerade in Kleintierpraxen werde alles unternommen, was der Besitzer zu zahlen bereit sei. Als Kassenpatient bekomme man solch eine Behandlung eventuell gar nicht: „Ethisch ist das sehr schwierig.“ Und dennoch könne durch die Behandlung häufig keine zufriedenstellende Lebensqualität für das Tier sichergestellt werden, so Ernst.

Viele Ärzte versuchen, der Kostenfalle entgegenzuwirken, indem Tierbesitzer teure Behandlungen auf Raten abzahlen können. So handhabt es zum Beispiel auch Dr. Gabriela Margraf-Müller aus Mering. Sie betont, dass auch die Homöopathie bei Tieren immer mehr im Kommen sei. Nicht immer könne man ein Tier aber so behandeln wie einen Menschen, denn „ich kann einen Dackel nicht in einen Rollstuhl setzen“.

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