Montag, 26. Juni 2017

19. April 2017 18:09 Uhr

Ökologie

Was blüht der Natur im Landkreis?

Umweltschützer sehen im Wittelsbacher Land ein Nord-Süd-Gefälle. Flächenverbrauch und Erholungssuchende erzeugen Druck. Doch es gibt Ansätze, die Hoffnung machen.

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Die Kissinger Heide mit ihrer Artenvielfalt – hier Silberdisteln – ist einer der ökologischen Höhepunkte im Landkreis-Süden.

Füchse sind ja sprichwörtlich schlau. Wer aber hätte gedacht, dass sie lernen, gut ausgebaute Feldwege zu nutzen, um schneller an ihre Beute zu kommen, nämlich Gelege von Wiesenbrütern? Das ist nur eine Erkenntnis, die Naturschützer wie Gustav Herzog machen mussten. Die andere: Die Natur tut sich im Landkreis immer schwerer. Der Flächenverbrauch mache ihr zu schaffen, sagt der Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Wittelsbacher Land. Wie er macht auch Ernst Haile, Vorsitzender der Bund Naturschutz (BN), ein Nord-Süd-Gefälle aus.

Hinter Pöttmes ist die Welt in Ordnung

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Das Motto lautet, grob gesagt: „Hinter Pöttmes ist die Welt noch in Ordnung.“ Schwierig werde es ab dem Bereich Friedberg/Augsburg und südlich davon, Richtung Mering. Im Norden gibt es mehr Landwirtschaft, darunter viele Biobauernhöfe, im Süden mehr Siedlungen, Straßen und Gewerbe – und auch mehr Erholungssuchende. Herzog sagt: „All dies hat eine solche Dichte erreicht, dass es rund um Augsburg kaum mehr unberührte Natur gibt.“ Die geplante Osttangente bereitet den Naturschützern zusätzliche Sorgen. Pflanzen und Tieren bleibe nicht mehr genug Raum. Ein Beispiel dafür: Bodenbrüter.

Vor einigen Monaten war sich der Friedberger Stadtrat wegen Kiebitzen auf der möglichen Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Derching in die Haare geraten – es ist eine Vogelart auf dem Rückzug. Das gleich gilt laut Haile für Rebhühner, deren Bestand um 98 Prozent abgenommen habe. Herzog sagt: „Heute ist es Zufall, wenn man noch ein Blaukehlchen findet.“ Das liege daran, dass der Lebensraum fehlt, die Nahrung, aber auch Rückzugsmöglichkeiten.

Spannende Naturräume

Trotzdem gibt es immer noch spannende Naturräume. Die Umweltschützer nennen unter anderem das Rederzhauser Moos sowie Kissinger Heide und Bahngruben mit ihren Orchideen im Süden, Paar- und Ecknachtal oder den Ebenrieder Forst bei Pöttmes im Norden. Sie würden sich wünschen, dass es um solche Gebiete breite Schutzgürtel gibt, nicht nur die Flusstäler als besondere FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Gebiete ausgewiesen sind, oder dass der Erholungsdruck am Friedberger Helenensee besser gelenkt und reguliert wird.

Positive Entwicklungen sehen sie allerdings auch: In Flachteichen nahe dem Helenensee finde sich die Bekassine, fünf Storchenpaare brüten im Landkreis, Rotmilane und Biber (zum Missfallen einiger Landwirte) breiten sich aus. Wo letztere die Bäche aufstauen, haben Wasservögel, Amphibien und bestimmte Pflanzen wieder eine Chance.

Und: Die Zusammenarbeit zum Erhalt der Natur wächst. Ernst Haile nennt die Kooperation zwischen Naturschutz, Landespflegeverband und Kommunen als eine der positivsten Entwicklungen. Immer mehr Gemeinden nutzen ihm zufolge das Angebot, ihre Ausgleichsflächen mithilfe der Experten ökologisch sinnvoll weiterzuentwickeln – wofür ihnen selber meist das Wissen fehle. Das sei wichtig, denn: „Naturschutz ist Flächenschutz.“

Straßenränder „totgemulcht“

Zusammen mit dem Wittelsbacher-Land-Verein und dem Landratsamt sei außerdem ein Projekt geplant, Straßenränder ökologisch aufzuwerten. „Aktuell sind Ränder von Feldwegen und Straßen meistens nicht gepflegt, sondern totgemulcht“, sagt Haile. Die Folge: Es wachsen kaum noch Wildkräuter und die Insekten finden keine Nahrung. „Der Insektenschwund ist enorm: über 80 Prozent in 15 Jahren“, so Haile. Von ihnen aber leben Vögel und Kleintiere wie Fledermäuse. Bei der letzten Fledermausnacht fand sich am Blumenthaler Weiher nur eine Art der geflügelten Säugetiere. Liegt es am Nahrungsrückgang, an den Windkrafträdern, deren Druck die Lungen der Tiere zerfetzen kann? Es lässt sich nur spekulieren.

Herzog sieht nur eine Möglichkeit, die Natur zu retten: Das Bewusstsein um ihren Wert müsse stärker in den Köpfen der Menschen verankert werden. Er hat sich als Projekt vorgenommen, dies am Beispiel des Ebenrieder Forstes mit seinen vielen Quellen und seiner beachtlichen Zusammensetzung von Baumarten zu machen. Mit Führungen, einem Faltblatt und Referaten möchte er in den Menschen das Wissen und die Liebe zur Natur wieder verankern. „Wir müssen das Herz der Menschen erreichen“, sagt er.

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Ein Artikel von
Ute Krogull

Friedberger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Friedberg


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