Sonntag, 30. April 2017

05. Dezember 2016 18:00 Uhr

Bildung

Wo Tablets die Tafel abgelöst haben

An der Beruflichen Oberschule Friedberg werden fünf Klassen mit iPads unterrichtet. Das bringt aus Sicht der Lehrer viele Vorteile, ist aber nicht billig. Andere Pädagogen sehen die digitalen Methoden kritischer.

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An der FOS/BOS in Friedberg werden fünf Klassen ausschließlich mit iPads unterrichtet. Eine davon ist die Klasse F12SBI. Tim (links) und Henry besprechen eine Aufgabe gemeinsam.
Foto: Sebastian Mayr

Die Nashörner sind an diesem Tag am besten. Zwei Mal lösen die drei Schüler der Gruppe das Vokabelquiz mit englischen Wörtern und Redensarten auf ihren iPads am schnellsten. Wer zu den Nashörnern gehört, hat ein Programm nach dem Zufallsprinzip bestimmt. Übungen wie diese gehören an der Beruflichen Oberschule Friedberg zum Alltag. Fünf sogenannte iPad-Klassen kommen vollständig ohne Papier aus. Nur Schulbücher gibt es noch nicht digital.

Fünf Milliarden Euro will Bundeskultusministerin Johanna Wanka bis 2021 bereitstellen, um die digitale Ausstattung an den Schulen zu verbessern. Schon jetzt haben oft Beamer und Computer den Tageslichtprojektor abgelöst – auch in Grundschulen wie der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Friedberg. Dort lernen Zweitklässler am Computer erste Schritte der Recherche und der Datenverarbeitung. Doch es gibt auch Pädagogen, die die digitalen Methoden kritisch sehen. Zu ihnen gehört Helmut Lenz. Er ist Rektor der Grund- und Mittelschule Dasing.

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Lenz: Aufs Erklären kommt es an

Den Trend zur Technik findet er für ältere Schüler in Ordnung, bei jüngeren komme es zunächst darauf an, Grundfertigkeiten zu vermitteln. „Die alte Tafel soll erhalten bleiben“, findet Lenz. Dort könne ein Lehrer den Stoff schrittweise entwickeln. Lenz betont auch, dass es bei allen Neuerungen entscheidend bleibe, dass ein Lehrer gut erklären kann und die richtige Ausstrahlung hat. „Man muss beide Wege gehen“, sagt Lenz.

Der Weg mit der Tafel spielt im Unterricht von Hermine Scroggie keine Rolle mehr. Scroggie hat das Konzept der iPad-Klassen an der Beruflichen Oberschule entwickelt. In einer 12. Klasse des sozialen Zweigs sitzen 20 Schüler vor ihren iPads und den aufgeschlagenen Englischbüchern. Die Schüler drehen digitale Karteikarten um, ziehen richtige Erklärungen neben englische Redensarten und tippen auf Übersetzungen von Wörtern. Am Ende verbindet eine Schülerin ihr iPad mit dem Beamer, der ihre Lösungen an die Leinwand wirft.

Standard in der Industrie

„Ich hatte ein Aha-Erlebnis, als ich gesehen habe, wie viel Papier kopiert wird“, sagt Scroggie. Seit drei Jahren gibt es an der Schule iPad-Klassen, die Schüler können auf WLAN zugreifen. Lehrer und Schüler tauschen Arbeitsblätter oder Hausaufgaben digital aus. Letztere lassen sich so einfacher kontrollieren. Warum so viele ihre Hausaufgaben nicht hochgeladen hätten, fragt Scroggie am Anfang der Stunde. „Ich kann das noch schnell machen“, antwortet ein Schüler etwas kleinlaut.

Schulleiter Wolfgang Wiedemann ist von Scroggies Konzept überzeugt. Schließlich sei die Digitalisierung in der Industrie schon Standard. „Die Schule soll voranlaufen, nicht hinterhertrotten. Deswegen ist es allerhöchste Zeit“, sagt er. Das Lernen mit iPads ist freiwillig, fünf der 39 Klassen werden so unterrichtet. Tendenz: steigend. Schon in diesem Jahr ist es eine Klasse mehr als geplant, denn die Nachfrage war hoch. Doch wer seine Kinder in eine iPad-Klasse stecken will, muss zahlen: Die Tablets sind von den Eltern finanziert, sie kosten etwa 400 Euro. Auch die Lehrer müssen ihre Geräte selbst kaufen.

Der Unterricht wird flexibler

Aus Sicht von Scroggie und Wiedemann lohnt sich die Investition. Der Unterricht sei anschaulicher und flexibler, Übungen ließen sich besser an die Lerngeschwindigkeit anpassen und die Schüler würden besser eingebunden. Zudem lasse sich Selbstorganisation besser vermitteln. „Ich hatte Ideen für den Unterricht, die sich auf Papier nicht machen ließen – oder nur sehr umständlich“, erklärt Scroggie, warum sie das Konzept erarbeitet hat. Inzwischen haben sich 26 von 70 Lehrern an der Beruflichen Oberschule darauf eingelassen. Scroggie gibt regelmäßig Fortbildungen. Meist intern, aber auch für Lehrer anderer Schulen. Die Berufliche Oberschule tauscht sich zudem regelmäßig mit einem Realgymnasium in der Steiermark aus, wo ebenfalls Schüler in iPad-Klassen unterrichtet werden.

Der Dasinger Rektor Helmut Lenz sieht in der Lehrer-Ausbildung ein Problem. Auch seine Schule ist modern ausgestattet. In den Klassenzimmern gibt es Beamer und Dokumentenkameras, mit denen Texte, Bilder und Videos live auf eine Leinwand übertragen, aber auch gespeichert werden können. Doch den Umgang mit den Geräten lernen die Lehrer meist erst an der Schule. „Da sehe ich erhebliche Defizite in der universitären Ausbildung“, sagt Lenz. Er gibt auch zu bedenken, dass nicht jeder Lehrer der Typ dafür sei, mit den technischen Geräten zu arbeiten.

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Ein Artikel von
Sebastian Mayr

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär


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