Mit drei exklusiven Papiertheater-Vorstellungen präsentiert das Seegras-Theater am 9. und 10. Juli eine besondere Bühnenkunstform des 19. Jahrhunderts.
Im klassischen Papiertheater kommen die kleinen Figuren ganz groß raus. Die einzelnen Bühnenbilder sind hintereinander angeordnet. Mit Unterstützung von gekonnt inszenierten Lichteffekten entsteht die räumliche Tiefe. Die Handlung kommt auch ohne die gewohnte Mimik und Gestik der Darsteller aus. Denn die neuzeitliche Technik wird mit dem althergebrachten Theaterspiel verknüpft. "Daraus entsteht eine mitreißende Miniaturwelt voller Fantasie und Magie", verspricht der Veranstalter.
Proszenien und Vorhänge der großen Theater bilden den angemessenen Rahmen für die Stücke der Welt- und Jugendliteratur, der Oper, Operetten und Märchen, die in den bürgerlichen Salons zur Aufführung gelangten. Ganz besonders beliebt waren Klassiker wie "Der Freischütz", "Wilhelm Tell", "Die Räuber" oder "Die Zauberflöte", aber auch "Elsa, die standhafte Magd" stand hoch im Kurs.
Das Papiertheater wird von seinen heutigen Fans als der Fernsehapparat des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Es eröffnet Einblicke in versunkene Theaterwelten, in Mentalitäten und kulturelle Vorlieben. Die große Verbreitung des Papiertheaters entstand durch die Begeisterung des Bürgertums für das Theater und das Interesse daran, Stücke selbst nachzuspielen. Die farbigen Ausschneidebögen wurden Stückzahlen bis zu Auflagen in Millionenhöhe gedruckt. In Deutschland gab es über 50 Hersteller der "Bögen, die die Welt bedeuten".
"Der Freischütz" wird am Freitag, 9. Juli, um 19 Uhr gezeigt, "Rumpelstilzchen" am Samstag ebenfalls um 19 Uhr, zusätzlich aber auch am Nachmittag um 15 Uhr. (FA)
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