Zecken gibt es nur im Sommer? Falsch! Bedingt durch den Klimawandel ist heute das ganze Jahr über Vorsicht geboten: "Die Tierchen sind ab fünf Grad aktiv", erklärte Dr. Armin Schwarzbach vom Borreliose Centrum Augsburg. In Dasing sprach er zum Thema "Zecken: Schützen, Erkennen und Behandeln von Borreliose und Coinfektionen". Von Katrin Feulner

Von Katrin Feulner
Dasing. Zecken gibt es nur im Sommer? Falsch! Bedingt durch den Klimawandel ist heute das ganze Jahr über Vorsicht geboten: "Die Tierchen sind ab fünf Grad aktiv", erklärte Dr. Armin Schwarzbach vom Borreliose Centrum Augsburg. Bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Friedberg in Dasing sprach er zum Thema "Zecken: Schützen, Erkennen und Behandeln von Borreliose und Coinfektionen".
Der Holzbock, der zu den Spinnentieren gehört, sei ein außergewöhnliches Lebewesen, erzählte Schwarzbach. Er überlebe bei Temperaturen von bis minus 20 oder plus 50 Grad Celsius. "Er übersteht also sogar Waschgänge bis 50 Grad, deshalb die Klamotten immer heißer waschen!" Gefährlich seien Zeckenstiche - "Bisse" sei eigentlich der falsche Begriff, da die Tiere keinen Kopf und keine Zähne haben - wegen der Krankheiten, die sie auslösen können. "Wichtig ist zuerst einmal: Es gibt keine komplette Impfung gegen Zecken, sondern nur gegen das FSME-Virus", betonte der Experte. Während an dieser Krankheit, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, aber nur etwa 300 Menschen pro Jahr leiden, sind es bei der Borreliose mehr als 100 000.
Etwa 30 bis 50 Prozent der Zecken in Deutschland sind mit Borrelien durchseucht. Und Zecken leben überall, bevorzugt in Laub- und Mischwäldern, Gärten und Parks. Gefährdet ist also eigentlich jeder Mensch, der sich oft und gerne im Freien aufhält. "Man sollte den Körper genau nach Zecken absuchen, auch an Stellen wie unter den Haaren oder hinter dem Ohr", rät Schwarzbach. Doch ein Zeckenstich ist auch möglich, ohne das Haus zu verlassen - Haustiere bringen die Tiere häufig mit hinein.
Etwa jeder zehnte Zeckenbiss führt zu einer Infektion. Wie erkennt der Laie die Erkrankung? "Zuerst tritt meist eine Wanderröte auf", erklärte der Experte. Das sei Grund genug für einen sofortigen Arztbesuch. Eine Erkrankung äußert sich anschließend mit grippeähnlichen Symptomen. 90 Prozent heilen jedoch von selbst wieder aus, in den übrigen 10 Prozent der Fälle treten nach und nach Probleme mit dem Nervensystem, den Hirnhäuten, Gelenken, Augen oder dem Herzen auf.
Sicherer Test im Labor
Wird die Krankheit nicht entdeckt, kann sie sogar chronisch werden. "Viele Patienten kommen mit Allgemeinsymptomen zu uns, dabei haben sie Borreliose", erzählte der Referent. Von Depressionen über Sehstörungen oder Rückenschmerzen sei vieles möglich. Ein herkömmlicher Bluttest erkennt die Borrelien oft nicht, doch im Labor von Dr. Schwarzbach werden sogenannte Lymphozyten-Transformations-Tests (LTT) durchgeführt, die eine sichere Diagnose ermöglichen. Sie kosten knapp 200 Euro, werden nicht selten aber sogar von den Krankenkassen bezahlt. Im Labor können aber auch Zecken abgegeben werden, die auf Borrelien sowie die genauso gefährlichen Bakterien Rickettsien, Babesien und Ehrlichien untersucht werden.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: