Königsbrunn Graffiti und Polizei - das sind zwei Begriffe, die nicht unbedingt an eine harmonische Verbindung denken lassen. Dazu kommt einem eher eine Straftat, nämlich Sachbeschädigung, in den Sinn. Dass Polizei und Graffiti auch eine Symbiose eingehen können, bestätigte sich bei der Königsbrunner Bereitschaftspolizei (Bepo). Dort haben zwei Augsburger Graffitikünstler eine große Fläche mit einem plakativen Werk aufgewertet.

Große, kahle Wand
Der Zeitungsbericht "Augsburg wird jetzt bunter" in der Wochenzeitung Landkreis Extra, die im Verlag unserer Zeitung erscheint, brachte Michael Kanth auf die Idee für ein Graffito an der großen, kahlen Wand in einem bewirtschafteten Aufenthaltsraum bei der Kantine der Bepo-Abteilung. Die fast zehn Meter lange weiße Fläche fiel dem Personalratsvorsitzenden seit Langem bei seinen regelmäßigen Sprechstunden unangenehm auf. Schnell war nach der Zeitungslektüre der Kontakt zu den Machern der Augsburger Graffiti-Initiative hergestellt. Und bald machten sich die Profisprayer "Mr. Sed" und "Maler" an die Arbeit.
Innerhalb von zwei Tagen zauberten Robert Kempe und Michael Reithmayer mit ihren Spraydosen eine typische Polizeiszene an die kahle Wand. Dabei verfolgt ein Dreirad fahrender Polizist einen Bankräuber, der Geldscheine und Münzen aus dem bereits aufgeplatzten Sack verliert. "Ein wenig Ironie musste schon sein", erklärte Kempe zum Fortbewegungsmittel des Polizeibeamten, "aber am Ende schnappt er ja den Täter trotzdem."
Das witzige Werk kommt bei der Zielgruppe der Polizeischüler, die sich in ihrer Freizeit zu geselligen Runden in dem Raum treffen, sehr gut an, berichtet Oberamtsrat Ernst Schama. Als Leiter der Polizeiverwaltung der Königsbrunner Bepo-Abteilung hat er die Sprayaktion aus seinem Budget finanziert. Ihm gefällt, wie die Künstler das Thema Polizei als Comic aufgegriffen haben. "Der eine oder andere hat in den Figuren sogar Nuancen von Kollegen gesehen", so Schama.
Graffiti ist Kunst, und Kunst muss legal möglich sein, lautet die zentrale Forderung der Augsburger Jugendinitiative "Die Bunten". Ziel der Bewegung ist es, den Jugendlichen den richtigen Umgang mit Graffiti als Kunst zu vermitteln, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen, Wände vollzuschmieren. Christian Rappl und Daniel Tröster, die geistigen Väter der Initiative, wollen Graffiti im Bewusstsein der Bewohner Augsburgs etablieren. Mit ihrer Aktion "Schwabenwand" wollen "Die Bunten", angelehnt an das Vorbild Wien, von der Stadt freigegebene Flächen (Halls of Fame) erhalten. In der österreichischen Hauptstadt werden freie Flächen mit einer Taube auf jeder Seite markiert. "So weiß jeder, wo gesprüht werden darf und wo nicht", erklärt Tröster. Er ist ständig auf der Suche nach legalen Flächen für seine 15 Sprayerfreunde.
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