Der TSV Friedberg hat den Abstieg aus der 2. Bundesliga schon verschmerzt – man hätte selbst beim Klassenerhalt den Gang in eine Klasse tiefer angetreten Von Peter Kleist

Die Enttäuschung nach dem letzten Spieltag und dem sportlichen Abstieg des TSV Friedberg aus der 2. Bundesliga hielt sich in der TSV-Halle auffallend in Grenzen. Mit einem deutlichen 0:3 hatte das Team gerade gegen den Mitkonkurrenten Grafing verloren und somit die Zugehörigkeit zur zweithöchsten deutschen Klasse eingebüßt.
Den Grund für die verhaltene Trauer lieferte dann Teammanager Bernd Spleiß – der zuvor eineinhalb Stunden mit vollstem Engagement von der Seite aus versucht hatte, die Niederlage gegen Grafing abzuwenden. „Der Plan war schon, sportlich drin zu bleiben – aber wir hatten uns auch schon entschieden, in der kommenden Saison in der 3. Liga zu spielen“, so Spleiß, der in Abstimmung mit der Abteilungsleitung auch gar keinen Antrag mehr für die 2. Bundesliga gestellt hatte.
Die Gründe für den Rückzug liegen auf der Hand. „Wir haben uns in den letzten Jahren an der Liquiditätsgrenze bewegt und wir haben uns auch dafür entschieden, wieder mehr in den eigenen Nachwuchs zu investieren“, erläuterte der Manager. Für die 2. Liga sind allein 6500 Euro an Startgebühr und Schiedsrichterkosten vorab fällig – „da bist du aber noch keinen Kilometer gefahren und hast noch keinen Ball geschlagen“, erzählt Spleiß. Und die Fahrtkosten sind wahrlich kein Pappenstiel – kein Wunder, geht es doch bis nach Freiburg, Dresden, Leipzig, Delitzsch (bei Halle an der Saale), Mendig (bei Koblenz) oder Rüsselsheim. In Liga drei gibt es zumindest das Spielrecht deutlich günstiger – für 1500 Euro nämlich.
Ein weiterer Grund ist der Umbruch, der beim TSV vonstatten gehen soll. Mit Andreas „Landi“ Strempel will ein „Urgestein“ kürzer treten und nur mehr unterklassig spielen, David Baumgärtner wechselt studientechnisch in die Schweiz, Max Krumbholz stellt auch sein Studium in den Vordergrund und auch Jonas Kronseder verlässt den Verein mit unbekanntem Ziel. Was die Friedberger richtig schmerzt, ist die Tatsache, dass auch das Gastspiel des österreichischen Spielertrainers Stefan Meingast nur eine Saison gedauert hat. „Das ist wirklich schade, denn der hat hier einiges bewegt und wir hätten mit ihm gerne weitergemacht“, ließ Spleiß wissen. Meingast kümmerte sich auch um die Jugend, ging an die Schulen, um dort Volleyballer zu rekrutieren und er hätte in dieser Hinsicht in Friedberger sicher noch einiges bewegen können. Doch der Österreicher wird nun Jugendkoordinator beim deutschen Meister Berlin Recycling Volleys – „und mit so einem Angebot können wir natürlich nicht mithalten“, erklärte Spleiß.
Noch einmal zurück zur abgelaufenen Saison – der sportliche Abstieg hätte sicher vermieden werden können. „Wir sind nicht gegen Grafing abgestiegen“, meinte Spleiß und Meingast unisono, sondern man hat in anderen Spielen unnötig Punkte gelassen – gegen Coburg oder Friedrichshafen beispielsweise. Dass die Truppe Zweitligaformat hätte – das hat sie eindrucksvoll bewiesen: Mit dem 3:0-Heimsieg gegen Meister Delitzsch.
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