Mittwoch, 13. Dezember 2017

12. August 2017 11:01 Uhr

Reiseangst

Angstforscher rät: Bei starker Reiseangst hilft psychologische Behandlung

Ab in den Urlaub? Die vermeintlich schönste Zeit des Jahres kann für Angstpatienten zum Horror werden - und damit zur Belastung für die ganze Familie. Doch es gibt Hilfe.

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Flugangst sei nach Einschätzung von Psychologen auf mangelndes Wissen über das Fliegen zurückzuführen. Seminare sollen helfen (Symbolbild).
Foto: Roland Holschneider/Illustration (dpa)

Sie fürchten sich vorm Fliegen, vor wilden Tieren oder unbekannten Orten: Für Menschen mit Reiseangst ist die Urlaubssaison nach Angaben des Bonner Angstforschers René Hurlemann oft die schlimmste Zeit des Jahres. Er rät Betroffenen dazu, sich frühzeitig ihren meist irrealen Ängsten zu stellen, anstatt diesen auszuweichen. "Sobald die Angst zu einem so hohen Leidensdruck führt, dass eine Reise nur noch als unangenehm empfunden wird, sollten die Menschen ärztliche Hilfe aufsuchen", sagte der Professor und Psychologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Von pathologischen Ängsten klar zu unterscheiden seien jedoch reale Ängste etwa vor politischer Verfolgung im Heimatland.

Pathologische Ängste könnten häufig gut behandelt werden, erklärte Hurlemann. Hilfreich sei es meist, wenn sich die Patienten unter psychologischer Betreuung der Panik gezielt aussetzten. "Wer beispielsweise Angst vor einem möglichen Anschlag auf einem überfüllten Platz hat, kann die Situation vorher imaginativ durchspielen", sagte der stellvertretende Direkter der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Bonn. Der Patient könne sich dann überlegen, wie er sich verhalten würde und wo mögliche Auswege sein könnten: "Dann kann die vermeintliche Gefahr ihre Gefährlichkeit verlieren."  

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Für Menschen mit Flugangst bieten daher nach Angaben des Experten auch Airlines spezielle Fluggasttrainings an. Dabei würden die Teilnehmer sehr genau über das Flugzeug, seine Notfallsysteme, die Ausbildung der Besatzung und Vorfälle in der Vergangenheit aufgeklärt. "Dadurch bekommen sie mehr Zuversicht, dass sie nicht einer Maschine ausgeliefert sind, sondern dass dahinter Menschen stehen, die bestens ausbildet sind, um mit jeder Situation fertig zu werden", sagte Hurlemann.  

Experte: Vermeidung erhöht die Angst

Wer dagegen versucht, Reisen zu vermeiden, läuft nach Angaben des Experten Gefahr, dass sich die eigenen Ängste immer mehr verstärken. "Wenn jemand eine Reise aus Angst absagt, bleibt diese trotz einer kurzfristigen Entlastung bestehen und kann sich sogar auf normale Dinge des Alltags ausweiten."  

Ganz anders sieht es laut Hurlemann bei realen Ängsten aus. Dazu gehöre die Furcht vor politischer Verfolgung in bestimmten Ländern, die vor allem politisch aktive Menschen treffe. "Durch die Flüchtlingsbewegung sehen wir ja jetzt die Auswirkungen politischer Verfolgung", sagte er. "In solchen Fällen macht es natürlich keinen Sinn, jemanden mit der Angst zu konfrontieren." Vielmehr habe er hier schon einmal einen Patienten geraten, eine geplante Reise ins Heimatland abzusagen, um kein Risiko einzugehen.

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AZ/epd

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