Samstag, 18. November 2017

21. April 2017 12:40 Uhr

Ford

Dieses Bettchen gaukelt Kindern vor, sie säßen im Auto

Ford entwickelt eine Wippe für Babys, die eine Autofahrt nachahmt. Warum das einen Marketing-Experten begeistert und eine Hebamme verstört.

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Max Motor-Dreams heißt diese Erfindung des Autobauers Ford. Es ist ein Baby-Bettchen, das eine Autofahrt simuliert.
Foto: Ford

Es ist mitten in der Nacht und das Baby will einfach nicht einschlafen. Es quengelt und ist unruhig und hält seine Eltern wach. Was tun? Die Lösung in vielen Familien lautet: Kind anziehen und ab ins Auto. Denn nach ein paar Runden durch die Nachbarschaft schläft das Kleine wie ein Engelchen. Mama oder Papa am Steuer sind dagegen hellwach.

Lautsprecher ahmen das Geräusch des Motors nach

Ein Problem, für das der amerikanische Autokonzern Ford nun eine Lösung bereithält. In Spanien wollte der Autobauer eines seiner Modelle bewerben. Dafür schaltete er aber nicht nur Werbung, sondern gab auch eine Babywiege in Auftrag. Das Besondere: Das Bettchen imitiert eine Autofahrt. Eine Platte im Boden schaukelt das Kind so, als säße es im Auto. Lautsprecher ahmen das Geräusch eines Motors nach. Am oberen Rand der Wippe sind Lichter angebracht, die die vorbeiziehende Straßenbeleuchtung simulieren. Das Ganze lässt sich über eine Smartphone-App steuern.

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Das Bettchen ist ein Renner. Die Nachfrage sei so hoch, dass man nun darüber nachdenke, die Wiege in Serie zu produzieren, teilt Ford mit. Nur warum stellt ein Autobauer ausgerechnet eine Wippe her?

Markting-Experte ist begeistert von Fords Idee

Professor Klaus Kellner hält das für den besten Einfall, von dem er seit langem gehört hat. Er unterrichtet Marketing an der Hochschule Augsburg und sagt: „Die Wiege ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.“ Ford verkaufe Familienautos. Dazu sammelt der Konzern Sympathie-Pluspunkte bei Eltern, weil er mit dem Produkt suggeriert, dass er sich über ihre Probleme Gedanken macht. „Und der Slogan von Ford lautet: Eine Idee weiter. Mit der Wippe hält der Autohersteller genau dieses Markenversprechen ein“, sagt Kellner.

Der Eindruck, dass Babys im Auto besser einschlafen, stimme, bestätigt auch Astrid Giesen, Vorsitzende des bayerischen Landesverbands der Hebammen. Denn zum einen seien sie aus dem Bauch ständige Bewegungen gewöhnt und zum anderen gleichmäßige Geräusche. Im Auto gibt es beides. Und das wiegt die Babys nicht nur in den Schlaf, sondern auch in Sicherheit.

Hebamme: Maschine sollte Kinder nicht in den Schlaf schaukeln

Vom Autofahrt-Simulator hält die Hebamme Giesen trotzdem nichts. Auch wenn sie verstehen kann, dass er Eltern entlaste. „Babywippen oder Wiegen funktionieren im Prinzip ähnlich“, bestätigt sie. Aber sie bräuchten immer einen Erwachsenen, der sie in Bewegung hält. „Und der redet ja oft mit dem Kleinen oder streichelt es“, sagt Giesen. Diese Zuwendung sei für das Baby in seiner Entwicklung sehr wichtig. Das In-den-Schlaf-Schaukeln einem Automaten zu überlassen, hält sie für problematisch.

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Ein Artikel von
Christina Heller

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft


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