Donnerstag, 19. Januar 2017

14. Dezember 2016 15:12 Uhr

Dermatologie

Fußpilz-Alarm: Wenn Kinderfüße im Winter stundenlang schwitzen

Dicke Stiefel sorgen für ein Milieu, das Pilze lieben. Das erleichtert Infektionen an Haut und Nägeln. Von Angela Stoll

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Stundenlang in dicken Stiefeln zu schwitzen, tut nicht gut.
Foto: Patrick Seeger, dpa (Symbolfoto)

Stundenlang in dicken Winterstiefeln zu schwitzen, tut nicht gut: Im feucht-warmen Milieu können Fußpilz-Erreger bestens gedeihen. Das gilt insbesondere für Kinder, die oft mit warmen Straßenschuhen ganze Vormittage in gut geheizten Klassenzimmern sitzen. In der Tat berichten Experten, dass inzwischen häufiger Kinder an Fuß- und Nagelpilz leiden. Bis vor ein paar Jahren wurden solche Hautinfektionen fast nur bei Erwachsenen beobachtet. So sagt etwa die Münchner Dermatologin Dr. Christina Schnopp: „Vor zehn Jahren hat man noch die ganze Klinik zusammengerufen, wenn man mal ein Kind mit Nagelpilz gesehen hat. Das war eine richtige Sensation. Heute kommt es immer wieder vor, dass schon Kinder zwischen drei und acht Jahren Pilznägel haben.“

Diese Erfahrungen hat auch der Dermatologe und Mykologie-Experte Professor Pietro Nenoff aus Leipzig gemacht. „Ich gehe davon aus, dass inzwischen 0,5 bis 1,5 Prozent aller Kinder von Nagelpilz betroffen sind. Das ist ganz schön viel“, sagt er. Bei Fußpilz ist die Zahl noch höher, Schätzungen liegen bei etwa zwei Prozent. Meist geht einem Nagelpilz nämlich eine Fußpilzinfektion voraus. Diese wird bei Kindern oft gar nicht oder erst spät entdeckt: „Darauf achtet man nicht“, sagt Nenoff. „Wenn die Kinder in die Praxis kommen, haben sie oft schon sehr ausgeprägte Nagelpilzinfektionen.“

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Bei Pilzbefall verfärben sich die Nägel meist weißlich bis gelblich, später werden sie brüchig. Die Infektion ist zwar in der Regel harmlos. Dennoch sollte sie behandelt werden: „Das ist auch ein ästhetisches Problem. Einen Achtjährigen stört ein Nagelpilz vielleicht noch nicht, mit 16 sieht das aber anders aus“, sagt der Mykologe. Außerdem kann sich Nagelpilz wiederum auf die Füße ausbreiten und von dort etwa auf die Hände übergreifen. Durch Pilzbefall entstehen manchmal auch schlecht heilende Wunden, in die Bakterien eindringen und Entzündungen hervorrufen können.

Fußpilz bei Kindern: Verschiedene Gründe

Eigentlich sind Kinder von Natur aus weniger anfällig für Fußpilzinfektionen, da sich ihre Haut schneller erneuert und die Nägel rascher wachsen als bei Erwachsenen. Dass sie manchmal trotzdem befallen werden, hat verschiedene Gründe. „Wahrscheinlich stecken sich die Kinder bei Erwachsenen an“, sagt der Hautpilzexperte Professor Martin Schaller von der Universitätshautklinik Tübingen. Die Erregerarten seien bei großen und kleinen Patienten dieselben: Hinter den meisten Fuß- und Nagelpilzinfektionen steckt die Fadenpilzart „Trichophyton rubrum“, die auf der ganzen Welt verbreitet ist. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr, wenn ein Familienmitglied bereits Fußpilz hat. Kommt noch hinzu, dass bei Pilzerkrankungen offenbar die Veranlagung eine Rolle spielt: Pietro Nenoff beobachtet nämlich oft „Nagelpilz-Familien“, in denen die Pilzinfektionen gehäuft vorkommen – möglicherweise wegen eines lokalen Immundefizits.

Kinder können sich aber auch außerhalb der Familie, etwa im Schwimmbad oder im Sportverein, anstecken. Man muss nämlich davon ausgehen, dass sich überall dort, wo Menschen barfuß gehen, auch Hautschüppchen mit Pilzsporen befinden. Sie haften sich an fremde Füße an und können über Risse oder kleine Wunden in die Haut eindringen. Kinder, die viel Sport treiben, sind zusätzlich gefährdet, da sie sich schnell Blasen und Druckstellen an den Füßen holen. Dadurch findet der Pilz leichter eine Eintrittspforte. Nicht umsonst heißt Fußpilz auf Englisch schlicht „athlete’s foot“, also Sportlerfuß.

Atmungsaktive Schuhe gegen Fußpilz

Eine große Rolle spielen die Schuhe. „Je weniger atmungsaktiv die Schuhe sind, desto leichter bekommen die Kinder Käsefüße. Das begünstigt eine Infektion“, erklärt Nenoff. In die aufgeweichte Haut können Pilze nämlich gut eindringen. „Fast alle betroffenen Kinder haben Schweißfüße.“ Im Winter sollte man darauf achten, dass Kinder nicht stundenlang in dicken Winterstiefeln herumsitzen.

Behandelt wird die Infektion grundsätzlich genauso wie bei Erwachsenen: Mit antimykotischen Cremes und Sprays, die meist mehrere Wochen konsequent angewandt werden müssen, kann man Fußpilzgut bekämpfen. Dagegen ist Nagelpilz sehr viel hartnäckiger. Antimykotische Nagellacke oder Tinkturen helfen den Dermatologen zufolge nur, wenn weniger als 50 Prozent des Nagels und nicht mehr als drei von zehn Zehen befallen sind. Sonst kommt man um eine systemische Behandlung, also eine Tablettenkur, nicht herum.

Moderne Antimykotika wie Terbinafin seien wirksam und gut verträglich, sagt Nenoff. Für Kinder sind diese gängigen Präparate nicht zugelassen, da die nötigen Studien fehlen. Daher müssen die Eltern der Behandlung schriftlich zustimmen. Eine Alternative zu Anti-Pilz-Tabletten sieht der Experte bei starkem Befall nicht: Ätherische Öle wie Teebaumöl gelten allenfalls als schwach wirksam. Und eine Laser-Behandlung, die manchmal bei erwachsenen Nagelpilz-Patienten eingesetzt wird, kommt für Kinder nicht in Frage, wie Hautärztin Schnopp betont: „Das wäre viel zu schmerzhaft. Außerdem ist fraglich, wie effektiv diese Therapie überhaupt ist.“

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