Freitag, 18. August 2017

11. Januar 2017 13:38 Uhr

Studie

Viele junge Leute ernähren sich ungesund

Junge Leute ernähren sich häufig ungesund, doch es gibt auch gegenläufige Trends. Eine Untersuchung zeigt Extreme im Essverhalten der Deutschen auf.

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Viele junge Menschen ernähren sich ungesund - beispielsweise mit Chips.
Foto: Gero Breloer/Archiv (dpa)

Bei rund jedem fünften jungen Deutschen zwischen 18 und 25 Jahren ersetzt eine Packung Chips schon mal das Abendessen. Das geht aus der aktuellen Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. In dieser Altersgruppe ist das Interesse an gesunder Ernährung am geringsten, oft wird zu Fastfood und Fertiggerichten gegriffen.

Doch verallgemeinern kann man das Ernährungsprinzip der jungen Menschen nicht. Die Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde, offenbart ein gespaltenes Essverhalten einer ganzen Generation: Denn auch, wenn viele junge Leute oft und gerne zu Tiefkühlpizza oder Burger greifen, sind sie auch ganz vorne mit dabei, wenn es um den Kauf von Bioprodukten geht. Auch was den Fleischkonsum angeht, zeigen sich zwei Extreme: einerseits gibt es unter den 18- bis 39-Jährigen mit 83 Prozent einen hohen Anteil an Fleischessern, andererseits ist in dieser Altersgruppe auch die Zahl der Vegetarier und Veganer am größten. Drei Prozent der Jüngeren ernähren sich vegetarisch, zwei Prozent sind Veganer – bundesweit indes liegt der Anteil bei nur zwei beziehungsweise einem Prozent. Elf Prozent der jungen Menschen bezeichnen sich als Flexitarier, die sich möglichst vegetarisch ernähren und darauf achten, nur sehr selten Fleisch zu essen. Was den Konsum von Würsten, Schnitzel oder Steaks betrifft, werden die jüngeren Befragten nur von den 40- bis 59-Jährigen noch übertroffen. Der Anteil der Fleischesser liegt in dieser Altersgruppe bei 90 Prozent.

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Gesundheit ist den Menschen beim Essen am wichtigsten

Etwa 1000 Bundesbürger wurden von der Sozialforschungsgesellschaft Forsa befragt. Bereits 2013 hatte es eine Ernährungsstudie der Techniker-Krankenkasse gegeben. Ein Unterschied zwischen den beiden Untersuchungen wird besonders deutlich: In der Vorgängerstudie stand für die meisten Befragten beim Thema Essen noch der Geschmack an erster Stelle. Nun haben sich die Prioritäten geändert. Der Gesundheitsaspekt steht mittlerweile ganz oben auf der Liste. 45 Prozent wollen sich vor allem gesund ernähren. Im Jahr 2013 sagten das nur 35 Prozent. Doch auch, wenn der Wunsch nach gesunder Ernährung groß ist, hapert es bei vielen Menschen an der Umsetzung: Jeder Fünfte gibt an, täglich Süßigkeiten oder Salzgebäck zu essen. Knapp die Hälfte der Befragten stuft sich selbst als übergewichtig ein. Acht Prozent bezeichnen sich sogar als stark übergewichtig.

Zehn Prozent der täglichen Kalorienaufnahme dürften Zucker sein, sagt Ernährungswissenschaftlerin Bettina Dörr. „Aber Zucker steckt eben nicht nur in Süßigkeiten, sondern beispielsweise auch in Säften.“ Ein Stückchen Schokolade pro Tag sei sicher nicht zu viel, sagt die Expertin. Eine ganze Tafel aber schon. Dörr glaubt nicht, dass die Deutschen in Ernährungsfragen zu wenig aufgeklärt sind. „Die meisten wissen, was gesund ist und was nicht. Bei vielen ist es schlicht Bequemlichkeit, bei Jugendlichen ist es oft eine Trotzreaktion.“

Experte fordert bessere Kennzeichnung auf Lebensmitteln

TK-Chef Jens Baas sieht das anders. Er fordert mehr unabhängige Informationen über Lebensmittel und eine deutlichere Kennzeichnung auf den Verpackungen: „Wenn ich für den Besuch im Supermarkt ein Biochemiestudium benötige, um Zucker in der Zutatenliste identifizieren zu können, wenn ich Licht und Lupe brauche, um diese Liste überhaupt lesen zu können, läuft etwas falsch.“ Dass es den Verbrauchern mitunter schwer gemacht wird, sich gesund zu ernähren, kritisiert auch Foodwatch. „Es ist schwer, im Supermarkt herauszufinden, welche Produkte gesund sind und welche nicht“, sagt ein Sprecher des Verbraucherschützervereins. (mit afp, dpa)

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Ein Artikel von
Stephanie Sartor

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt

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