Donnerstag, 22. Juni 2017

16. Januar 2017 07:09 Uhr

Arztbesuch

Wie man sich im Wartezimmer nicht ansteckt

Gerade jetzt in der Erkältungszeit sitzen in den Wartezimmern der Arztpraxen viele kranke Menschen. Wie man sich nicht ansteckt, wenn dort ständig geniest und gehustet wird. Von Angela Stoll

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In der Erkältungszeit sitzen in Wartezimmern viele Menschen, die ansteckende Krankheiten haben.
Foto: Daniel Karmann, dpa Symbolbild

Husten, Niesen, Räuspern: Wer in der Erkältungszeit das Wartezimmer einer Hausarztpraxis betritt, bekommt es mit der Angst zu tun. Inmitten schniefender Mitpatienten möchte man am liebsten die Luft anhalten, um den Keimen zu entgehen. Wie berechtigt sind solche Sorgen? „Es gibt tatsächlich ein gewisses Ansteckungsrisiko, vor allem bei Erkältungs- und Durchfallerkrankungen. Besonders groß ist die Gefahr aber nicht“, sagt der Hygieneexperte Dr. Andreas Schwarzkopf aus Aura an der Saale. „Man kann sich genauso gut im Zug oder in der Straßenbahn etwas holen.“

Dennoch empfiehlt er, Vorsorgetermine möglichst nicht in die Erkältungssaison zu legen. Wer dagegen bereits verschnupft ist, hat wenig zu befürchten: „Wenn man schon eine Viruserkrankung hat, arbeitet die körpereigene Abwehr bereits auf Hochtouren. Deshalb ist die Gefahr, dass man sich zusätzlich einen Infekt einhandelt, sehr gering“, erklärt der Mikrobiologe. Auch das Risiko, sich in einer Praxis mit multiresistenten Keimen zu infizieren, hält er für minimal. Solche Keime sind in der Regel nur für schwer kranke Menschen, etwa Leukämie-Patienten, bedrohlich.

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Masern können im Wartezimmer gefährlich werden

Besonders leicht stecken sich in Wartezimmern Kinder untereinander an. Kleine Kinder haben nämlich viel Speichelfluss und stecken gerne alle möglichen Gegenstände in den Mund, wie Dr. Brigitte Dietz, Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Bayern, erklärt. Handelt es sich dabei um eine Erkältung, ist das ärgerlich, aber harmlos. In seltenen Fällen können solche Ansteckungen jedoch schlimme Folgen haben: In Nordrhein-Westfalen starben zwei Kinder, die sich als Säuglinge offenbar im Wartezimmer eines Kinderarztes mit Masern infiziert hatten, Jahre später an subakuter sklerosierender Panenzephalitis (SSPE). Diese extrem seltene, aber tödliche Spätkomplikation tritt vor allem bei Kindern auf, die in den ersten beiden Lebensjahren an Masern erkrankten. Wie der BVKJ berichtete, war damals ein Elfjähriger mit unspezifischen Beschwerden in der Praxis und steckte mehrere Kinder, darunter die beiden Babys, an. Erst am darauffolgenden Tag zeigte er die typischen Masernsymptome.

Wie bei allen Infektionskrankheiten seien Masern bereits in der Inkubationszeit ansteckend, erklärt Dietz. Solange Masern hierzulande nicht ausgerottet sind, sei es prinzipiell möglich, dass sich ein Kind in der Arztpraxis Masern holt. „Genau deshalb sollten Säuglinge so früh wie möglich geimpft werden und alle, die nach 1970 geboren sind, auf ihren Impfstatus überprüft und notfalls nachgeimpft werden“, betont die Kinderärztin aus Taufkirchen.

Daneben gibt es weitere Krankheiten, etwa Keuchhusten oder Windpocken, die für Babys und schwangere Mütter gefährlich sein können. „Es ist immer gut, wenn man getrennte Wartezimmer hat“, sagt Dietz. So bieten manche Praxen ein Wartezimmer für größere Kinder und eines für Säuglinge, andere bestellen gesunde und kranke Kinder zu unterschiedlichen Zeiten ein.

Viele Infektionskrankheiten – darunter Masern, Keuchhusten, Windpocken und grippale Infekte – werden per Tröpfcheninfektion, also durch Husten oder Niesen, übertragen. Manchmal reichen schon wenige Partikel in der Atemluft, um sich anzustecken. Am besten setzt man sich im Wartezimmer so, dass man nicht angehustet wird – oder nimmt gleich im Gang Platz.

Durchfall und Erkältungen: Hände nach Arztbesuch desinfizieren

Es kann aber auch zu Kontaktinfektionen kommen, indem man eine mit Erregern behaftete Fläche berührt und sich dann an Mund, Nase oder Auge fasst. Neben Durchfallerkrankungen können auch Erkältungen auf diesem Wege übertragen werden. Davor schützt konsequente Handhygiene: Optimal ist es, wenn man sich beim Betreten und Verlassen einer Arztpraxis die Hände desinfiziert. Dadurch trägt man keine Keime in die Praxisräume und nimmt auch keine mit heim. Wenn in einer Praxis kein Desinfektionsmittel bereit steht, sollten Patienten das Personal danach fragen.

In den Praxisräumen können grundsätzlich an allen Oberflächen Keime siedeln, sei es an Türklinken, Stuhllehnen, Spielsachen oder Zeitschriften. Wie stark belastet die Flächen sind, hängt vom Material ab – Papier etwa trocknet viele Keime rasch aus. „Pech kann man aber immer haben“, sagt Dr. Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Daher ist es ratsam, so wenig wie möglich anzufassen und die Hände danach zu waschen.

Die Mitarbeiter einer Praxis sind dazu verpflichtet, auf Hygiene zu achten. Ansonsten sind aber auch kranke Patienten gefordert: Sie sollten bereits am Telefon Bescheid geben, wenn sie an Fieber, einem verdächtigen Ausschlag oder Durchfall leiden. Dann können die Helferinnen sie nämlich direkt ins Behandlungszimmer schleusen. Und wer erkältet ist, sollte darauf achten, die Erreger möglichst nicht zu verteilen. Tabori betont: „Und wenn man eine Infektion hat, möglichst den direkten Kontakt zu anderen meiden. So lässt sich das Ansteckungsrisiko am besten verringern.“

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