Dienstag, 24. Oktober 2017

21. April 2017 10:41 Uhr

Finanzen

Wird die Supermarktkasse jetzt zum Geldautomaten?

Nach der Aufregung um Gebühren fürs Geldabheben arbeiten Banken an neuen Konzepten. Eine Alternative wäre, Bargeld an der Supermarktkasse abzuheben. Was steckt hinter der Idee?

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Das Abheben von Bargeld kostet mittlerweile bei einigen Sparkassen eine Gebühr.
Foto: Matthias Becker (Symbolbild)

Mehl, Butter, Milch und 200 Euro. Das könnte bald auf deutschen Einkaufszetteln stehen. Denn während einige Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken Gebühren für das Geldabheben am eigenen Automaten verlangen und Filialen schließen, bieten immer mehr Supermärkte an, Bargeld einfach an der Kasse abzuheben. Wird die Supermarktkasse zum Geldautomaten von morgen? Vielleicht. Immerhin gibt es den Bargeld-Service mittlerweile unter anderem bei Edeka, Rewe, Penny und Aldi.

Wer für 20 Euro einkauft, kann 200 Euro abheben

Das Prinzip ist überall gleich. Wer für mindestens 20 Euro einkauft, kann bis zu 200 Euro Bargeld abheben ohne dafür irgendwelche Gebühren zu zahlen. Das Geld wird – wie die Einkäufe auch – ohne weiteren Papierkram von der EC-Karte abgebucht. Allerdings kann sich der Kunde nicht darauf verlassen, dass es diesen Service überall gibt. In den Edeka-Märkten in der Region kann der Eigentümer jeweils selbst entscheiden, ob er seinen Kunden auch Bargeld anbietet, wie eine Edeka-Sprecherin bestätigt.

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Angesichts des Sparzwangs und des immer weiter ausgedünnten Filialnetzes entwickeln manche Banken bereits neue Wege, um ihren Kunden das Geldabheben im Supermarkt zu ermöglichen. Wer beispielsweise ein Konto bei der Sparda-Bank Augsburg hat, muss nicht einmal etwas einkaufen, um an der Ladenkasse Bargeld zu bekommen. In Augsburg und Nürnberg läuft seit dieser Woche ein Pilotprojekt. Mithilfe einer App können Kunden auf dem Smartphone einen Betrag eingeben, den sie ausgezahlt haben möchten. Die Software erzeugt dann einen Strichcode, den der Kassierer am Scanner einliest – wie auf einer Milchpackung. Doch statt Milch bekommt der Kunde eben Geldscheine.

Bisher beteiligen sich Rewe, Penny und Real an dem System. Dass die Supermarktkasse den Geldautomaten nicht so leicht ersetzen kann, merkt man, wenn man etwa bei Rewe nachfragt, wie das Geldabheben in der Praxis genau funktioniert. Schließlich müssen die Angestellten immer genug Bargeld in den Kassen bereithalten. Wie viel genau möchte die Supermarktkette aus sicherheitsrelevanten Gründen lieber nicht verraten. Und noch etwas gibt es zu bedenken: Wenn alle mit der Karte bezahlen, um Bargeld zu bekommen, wie gelangen dann die Scheine in die Kasse? „Einen Engpass haben wir nicht“, betont die Edeka-Sprecherin. „Die meisten bezahlen immer noch in bar.“

Abheben im Supermarkt als Alternative zum Geldautomaten

Sollte das Geldabheben am Automaten aber immer teurer werden, hält Verbraucherschützerin Sibylle Miller-Trach das Abheben im Supermarkt für keine schlechte Alternative. Sie arbeitet bei der bayerischen Verbraucherzentrale und sagt: „Für den Kunden ist es ungewöhnlich, an der Supermarktkasse Geld abzuheben. Aber solange es nichts kostet, ist das eine gute Lösung.“ Allerdings sollte sich der Verbraucher genau informieren, ob doch noch irgendwo Gebühren lauern. Die Tankstellenkette Shell etwa bietet Kunden an, Bargeld abzuheben. Das ist aber nur dann kostenlos, wenn man ein Konto bei einer bestimmten Banken-Gruppe hat, zu der Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank und Hypo-Vereinsbank zählen.

Inzwischen rudern übrigens einige Geldhäuser wieder zurück und streichen die Abhebegebühren, wie das Finanzportal Biallo berichtet. Banken in der Region sind davon aber nicht betroffen. Warum eine Supermarktkasse eine Bank trotz allem nicht ersetzen kann, erklärt Michael Kerler im Kommentar.

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Ein Artikel von
Christina Heller

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft


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