Mittwoch, 22. November 2017

07. November 2017 10:00 Uhr

Test

Der neue Jaguar XJR575 im Test: Kratzen und Beißen

Jaguar verpasst seiner Oberklasse-Limousine XJ ein Technik-Update. Mit dem XJR575 ist zudem ein neues "High-Performance-Modell" im Angebot, das es in sich hat. Ein erster Test.

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Eines kann man Jaguar sicherlich nicht vorwerfen: mangelnden Charakter. Auf der Insel ist man stolz darauf, eigene Wege zu gehen. Während andere Hersteller die Lebenszyklen ihrer Modelle immer straffer durchtakten, schicken die Briten ihre Oberklasse-Limousine XJ 2018 ganz cool ins neunte Produktjahr.

Technik-Update für den Jaguar XJ

Ganz unbelassen ist der neue Jahrgang allerdings nicht. Nach dem Facelift 2016 wurde nun bei allen XJ-Modellen in den Bereichen Infotainment und Fahrassistenzsysteme nachgebessert. Neu im Angebot sind nun unter anderem ein 4G-Wifi-Hotspot, ein 10-Zoll-Touchscreen, Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistent.

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So richtig vom Hocker haut das im Jahr 2017 freilich niemanden mehr - schon gar nicht in der Liga, in der die Briten mit dem XJ preislich spielen. Wobei wir wieder beim Charakter wären. Bei Jaguar sieht man sich als Fahrer-Marke - wohl wissend, dass man bei Komfort und Innovation der deutschen Konkurrenz ohnehin kaum das Wasser reichen kann. Und so passt es perfekt zur Story, dass neben dem Technik-Upgrade zum neuen Modelljahr eben auch ein neues „Performance Flagschiff“ an den Start geht, das mal eben 575 PS im Gepäck hat.

Der XJR575, so der volle bürgerliche Name, rundet die Modellpalette mit beeindruckenden Leistungsdaten und einem stattlichen Preis von 143.900 Euro nach oben ab. Die zusätzlichen 25 PS zum Vorgänger sollen den Sprint von 0 auf Tempo 100 in 4,4 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h ermöglichen.

Überprüfen ließ sich im Test lediglich Ersteres. Wobei der erste Eindruck eigentlich nicht unbedingt glauben lässt, dass der Jaguar sein Versprechen halten kann. Auch in der Standardvariante mit kürzerem Radstand misst der XJR575 über fünf Meter Länge. Die ausgestellten Seitenschweller, die Heckspoilerlippe, die Luftauslässen auf der Motorhaube und die größeren Einlässe in der Frontschürze ändern dabei nichts daran, dass der XJR unauffällig, fast bieder daherkommt. Auch der Klang des 5-Liter-V8 beim Start ist bissig, aber nicht aufdringlich.

Jaguar XJR575 (2018): Motor, Preis, Daten

Umso dankbarer muss man den Interieur-Designern für die drei kleinen roten Zahlen sein, die sie vorne im Cockpit angebracht haben. Ebenfalls dezent, aber doch ein klarer Fingerzeig: Sie sitzen auf 575 PS. Und die beißen sich beim Druck auf das Gaspedal gnadenlos in die Straße. Bemerkenswert: Jaguar lässt die 700 Nm Drehmoment ausschließlich auf die Hinterachse los, ein Allradantrieb ist nicht im Angebot.

Auf kurvigen Strecken mit Steigungswechsel oder abschüssiger Fahrbahn führt das zu einem ziemlich außergewöhnlichen Fahrverhalten: Die Reifen haben immer mal wieder etwas Spiel, bevor die Assistenzsysteme greifen. Und die Lenkung ist direkter, als man es einem knapp 1,9 Tonnen schweren Auto zutrauen würde. Die Power-Limo prescht durch die Kurven, wie eine Raubkatze auf der Jagd.

 

Der XJR575 ist wie alle XJ-Modelle des Jahrgangs 2018 ab sofort bestellbar. Unterhalb des Top-Derivats bietet Jaguar sechs Ausstattungsvarianten an, die zwischen 82.700 und 121.200 Euro liegen. Alle Fahrzeuge sind mit einem V6-Motor (300 oder 340 PS), 8-Gang-Automatik und wahlweise Heck- oder Allradantrieb sowie als Diesel oder Benziner erhältlich.

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Ein Artikel von
Stefan Drescher

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion


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