Samstag, 25. November 2017

12. September 2017 11:05 Uhr

Seychellen

So schön blau: Mit einem Segelboot durch die Inselwelt der Seychellen

115 Inseln umfasst der Seychellen-Archipel. Mit einem kleinen Segel-Kreuzfahrtschiff geht es durch tiefblaues Wasser von Insel zu Insel - wenn denn das Wetter mitmacht. Von Lilo Solcher

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Klein und fein: Mit dem Segel-Kreuzfahrtschiff Sea Bird geht es von Seychellen-Insel zu Seychellen-Insel.

Die Seabird schaukelt träge im kleinen Hafen auf Mahé, der größten Insel der Seychellen. Wir würden gern schon an Bord gehen und unser Zuhause auf dem Motorsegler in Beschlag nehmen. Von der Fahrt unter weißen Segeln auf dem blauen Meer haben wir schließlich lange geträumt. Doch noch wird beladen. Auch eine Staude grüner Bananen kommt mit an Bord. Dann erst dürfen wir zusteigen. Und schon geht’s los.

Alex, der dunkelhäutige Kapitän mit der bunten Rastamütze, erklärt die Sicherheitsvorkehrungen und stellt die Besatzung vor. Neben ihm steht der blonde Tauchlehrer mit Lippenpiercing. Drei Frauen sind mit an Bord, die hübsche Diane, die mollige Nelly und Marsha, das Küken. Dazu noch der Koch, der Maschinist und zwei Helfer. Die Passagiere sind überwiegend deutsch und paarweise unterwegs. Nur eine Ärztin aus München reist allein. Alle freuen sich auf ihre Traumreise.

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Doch die Überfahrt nach Praslin stellt uns auf eine harte Probe, denn es weht mehr als ein mildes Lüftchen, und die Seabird pflügt durch die hohen Wellen wie eine Schiffsschaukel. Praslin ist schon lange in Sichtweite, aber das Schiff scheint kaum näher zu kommen. Dann endlich wirft die Crew den Anker.

Das Paradies der Seychellen: Ein britischer General bezeichnete Praslin als den Garten Eden

Am nächsten Tag ist es immer noch stürmisch. Beim Ausflug ins Vallée de Mai aber stört das nicht. Der Zauberwald ist eine Welt für sich. Patricia, rund und schwarz und resolut, weiht ihre Begleiter in die Geheimnisse der Coco-de-Mer-Palme ein, die nur hier und auf der Insel Curieuse wächst. 250 bis 300 Jahre alt werden die hohen, schlanken Palmen. Und erst nach 25 Jahren zeigen sich die geschlechtlichen Unterschiede: Der Blütenstand der männlichen Palmen ähnelt einem langen Penis, die Nüsse der weiblichen Palmen sehen aus wie ein Frauenschoß. „Die Coco de Mer ist wie die Menschen“, lacht Patricia. Kein Wunder, dass der britische General Charles Gordon die Meeresnuss-Palmen als „Baum des Lebens“ und Praslin als den Garten Eden bezeichnet hat. Gut 5000 Coco-de-Mer-Palmen wachsen im Vallée de Mai, und im Dämmerlicht dieses grünen Dschungels fühlt sich so mancher in die Urzeit versetzt, als diese Inseln mit ihren seltsamen Granitfelsen noch den Tieren und Pflanzen gehörten.

115 Inseln umfasst der Seychellen-Archipel. Die Seabird ist in den Inner Islands unterwegs und wird auch unbewohnte Inseln anlaufen, wo die Natur sich selbst überlassen bleibt. Dabei ist das Schiff nie allein unterwegs, es wird von den Schwesterschiffen begleitet. Nächste Station ist La Digue. Rund 2000 Menschen leben auf der gut neun Quadratkilometer großen Insel. Dazu kommen jede Menge Touristen. Es gibt einen Radverleih, eine Bank, Läden und Taxis. Die Straßen sind so schmal, dass kaum zwei Pkw aneinander vorbeikommen.

Vor ein paar Jahren waren hier außer Fahrrädern nur Ochsenkarren unterwegs. Doch auch diese kleine Insel, die man in vier Stunden umrunden könnte, ist nicht aus der Welt gefallen. Ihre Schönheit hat sich herumgesprochen. Der Weg zur Source d’Argent, dem Strand aller Strände, führt durch L’Union Estate, ein eingezäuntes Gelände, auf dem das renovierte „Plantation House“ steht, bekannt aus dem Film „Goodbye Emmanuelle“. Auch der Friedhof, auf dem die ersten Siedler begraben sind, ist noch vorhanden. Doch alle wollen zum Source d’Argent. Der Strand mit den spektakulären, von durchsichtig türkisem Wasser umspülten Granitfelsen und dem weißen Pudersand wurde so oft fotografiert und gefilmt, dass jeder ihn zu kennen glaubt.

Auch andere Inseln haben schöne Strände

Aber auch andere Inseln haben schöne Strände. Vor Coco Island schnorcheln wir zwischen neonbunten Fischen und liegen faul im schneeweißen Sand. Vor Grande Soeur lassen wir uns von den gigantischen Wellen schaukeln und schauen auf eine grandiose Szenerie, die ein Spaßbad-Designer nicht besser hätte hinbekommen können.

Aride ist anders. In dem Naturreservat, das vor allem den Vögeln gehört, leben gerade mal sechs Menschen. Albert ist einer von ihnen. Der dunkelhäutige Naturschützer mit den Rastalocken hat unter anderem in Paris an der Sorbonne studiert, aber er lebt seit 19 Jahren auf der Insel – mit der Natur. Seine Begeisterung für die Vögel Arides, die schneeweißen Feenseeschwalben, die ebenholzschwarzen Rohrsänger, die grauen Noddis oder die Räuber der Lüfte, die Fregattvögel, ist ansteckend. Wir kriechen durchs Unterholz, um versteckte Küken in ihrem Laubbett aufzuspüren, scannen jedes Blatt, um womöglich einen Gecko zu entdecken, klettern auf den höchsten Felsen, um das Flugballett der Fregattvögel zu bewundern und freuen uns über die saftige Ananas, die Albert uns aufschneidet.

Wie Aride ist auch Curieuse eine unbewohnte Insel. Sie war es nicht immer. Über zwei Jahrhunderte – noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts – wurden hier Leprakranke in Quarantäne gehalten. Die Häuser der Station hat sich die Natur zurückgeholt, nur das Haus des Arztes ist noch erhalten. Heute wird Curieuse gerne für einen Barbecue-Ausflug genutzt. Das wissen auch die Riesenschildkröten, die auf der Insel heimisch sind und sich daran gewöhnt haben, von den Touristen gefüttert zu werden. Auch die kleinen roten Kardinalvögel bringen sich am Grillplatz in Position, um Brosamen zu ergattern. Am Himmel liefern sich die weißen Schäfchenwolken derweil einen aussichtslosen Kampf mit den schwarzen Gewitterwolken – und dann rauscht ein Platzregen auf die Insel nieder. Keine Aussicht mehr auf Schnorcheln und Fische, auch nicht auf Segeln. Doch der Koch versöhnt die Gäste mit dem Wetter. In der winzigen Kombüse zaubert Bernard ein leckeres Hähnchencurry. Die Bananen an der Staude sind gelb geworden – und die Reise neigt sich dem Ende zu. Trotz des manchmal grauen Himmels ist die Münchner Ärztin so braun geworden, wie sie es sich gewünscht hat. Die Angler haben in einer Vollmondnacht einen dicken Fisch gefangen, der Taucher hat einen Rochen gesehen. Und die anderen? Würden gerne noch länger diese wunderschöne Inselwelt genießen.

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