Mittwoch, 13. Dezember 2017

13. Oktober 2017 07:13 Uhr

Fernreisen

Tollwut, Hepatitis A, Typhus: Impfstoffe für Fernreisen sind knapp

Wer etwa nach Asien reist, sollte sich unbedingt gegen Tollwut immunisieren lassen. Warum aber gibt es immer wieder Lieferengpässe für diese wichtigen Medikamente?

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Wer in ferne Länder schweift, sollte sich entsprechend vorbereiten. Dazu gehört auch, dass man darüber nachdenkt, ob man sich impfen lassen sollte. Ein Hunde- oder Affenbiss in Thailand beispielsweise kann sonst sogar tödliche Folgen haben. Binnen 24 Stunden muss ein Mittel gegen Tollwut gespritzt werden. Sind die Tollwutviren über die Nervenbahnen erst einmal ins Gehirn gelangt, ist der Tod fast unvermeidbar. Es ist also besser, sich schon in Deutschland impfen zu lassen. Doch bei uns ist der Impfstoff derzeit knapp.

Tollwut, Hepatitis A und Typhus: Lieferengpässe bei Reiseimpfstoffen

Ein Blick auf die Website des Paul-Ehrlich-Instituts – des deutschen Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel – beweist: Bei den Reiseimpfstoffen gibt es Lieferengpässe für die Krankheiten Tollwut, Hepatitis A und Typhus. Doch wie kommt das? Ausgerechnet in Deutschland, das ja früher als „Apotheke der Welt“ galt? Werden die Mittel am Ende künstlich verknappt, um die Preise hochzutreiben?

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„Deutschland als Apotheke der Welt – das war einmal“, sagt der Augsburger Apotheker Ulrich Koczian, einer der Sprecher der Apotheker in Bayerisch-Schwaben. Die Produktion vieler Mittel habe sich schon lange in andere Länder verlagert. Viele Tabletten würden beispielsweise in Indien oder China hergestellt – aus Kostengründen.

„Bei der Impfstoffherstellung sieht das etwas anders aus“, erläutert der 55-Jährige. Die Produktion sei äußerst anspruchsvoll. „Es handelt sich um einen komplexen biologischen Herstellungsprozess.“

Der Impfstoff werde dann von den zuständigen Behörden überprüft. Entspreche er nicht den Vorgaben, werde die ganze Charge vernichtet. „Das kann zu den besagten Lieferengpässen führen“, sagt Koczian. Zwar gebe es auch noch in Deutschland Produktionsstätten für Impfstoffe, aber in erster Linie werde in anderen europäischen Ländern produziert – vor allem in Polen, Italien und Spanien. Ein nächster Grund für Lieferengpässe lautet: Die wenigen noch existierenden international tätigen Hersteller von Impfstoffen liefern – wen wundert es – am liebsten dorthin, wo sie am meisten Geld für ihre Produkte bekommen. In sogenannte Hocherlös-Länder.

Doch ein solches Land ist Deutschland nur bei Medikamenten, die neu auf den Markt eingeführt werden. „Ansonsten liegen wir preislich im unteren Mittelfeld“, sagt Koczian. Wirtschaftlich interessantere Märkte aus Sicht der Konzerne sind in Europa etwa die Schweiz, Großbritannien oder Norwegen.

Ein weiterer Grund für Lieferengpässe: In anderen Teilen der Welt werden auf einmal Impfempfehlungen ausgegeben. „Dann kann es sein, dass das Mittel beispielsweise verstärkt in Südamerika gebraucht wird – und hier fehlt“, so der Apotheker.

Muss man sich bei Fernreisen gegen Tollwut impfen lassen?

Aber muss man sich überhaupt bei Fernreisen gegen Tollwut impfen lassen? „Unbedingt“, sagt Koczian. Wenn man gebissen werde, ohne immunisiert zu sein, sei höchste Eile geboten. Man müsse sich ein Gegenmittel spritzen lassen, je früher, desto besser. Es ist aber in fernen Ländern schwierig, so schnell an den Impfstoff zu kommen. „Und wenn man ihn bekommt, handelt es sich nicht selten um veraltete Impfstoffe, die schlecht verträglich sind“, sagt Koczian.

Die eigentliche Tollwut bricht unbehandelt oft erst Wochen oder Monate später aus – und die Betroffenen sterben einen grausamen Tod, bei dem sich der ganze Körper immer mehr verkrampft und es zu Lähmungen kommt. In ganz seltenen Fällen haben Betroffene das überlebt – fast immer mit schwersten Gehirnschäden. 99 Prozent der Überträger des Virus sind übrigens Haushunde – und nicht etwa Füchse, wie man vielleicht hierzulande oft meint. Eine weitere wichtige Ergänzung: Hunde sind hierzulande praktisch nie Überträger der Tollwut. Deutschland gilt seit 2008 als so gut wie tollwutfrei.

Die beiden anderen derzeit fehlenden Impfstoffe – für Hepatitis A und Typhus – seien zwar ebenfalls wichtig, nicht nur bei Fernreisen. „Hepatitis A gibt es auch in Südeuropa“, erklärt Koczian. Aber Hepatitis A sei nicht so gefährlich wie Tollwut. An Typhus kann man hingegen durchaus sterben. Ein guter Schutz sei aber schon, in der Ferne nur Abgekochtes zu essen und kein Leitungswasser zu trinken.

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Ein Artikel von
Markus Bär

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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