Mittwoch, 17. Januar 2018

15. Dezember 2017 06:00 Uhr

Interview

AKW-Technik-Chef geht in Rente: „Die Arbeit hier war mein Traum“

Am 31. Dezember wird Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen abgeschaltet. An diesem Tag geht auch Michael Trobitz in den Ruhestand. Ein Gespräch über besondere Zeiten.

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Herr Trobitz, Sie kennen das Kraftwerk seit Jahrzehnten, Sie sind seit den 80ern hier tätig. Der 31. Dezember ist nicht nur der letzte Tag der Stromproduktion in Block B, sondern auch Ihr letzter Arbeitstag vor dem Ruhestand. Wie wird der Tag für Sie ablaufen – und wie oft statten Sie Ihren Kollegen nach so vielen Jahren in der Anlage dann noch einen Besuch ab?

Michael Trobitz: Um 12 Uhr soll der Block vom Netz gehen, eine Stunde später wird der Reaktor abgeschaltet. Es wird laufen wie bei einer Revision. Da werde ich natürlich noch mit dabei sein, und mich anschließend mit den Kollegen zusammensetzen. Anschließend feiere ich den Geburtstag einer meiner Töchter. Danach werde ich bestimmt nicht jeden Tag vorbeikommen, die Kühltürme kann ich von zu Hause in Dillingen ja auch sehen. Viele meiner Nachbarn haben im Kraftwerk gearbeitet und viele sind hier tätig, sodass ich keine Verlustängste haben werde. Und etwas „Einarbeitungszeit“ als Rentner brauche ich auch.

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Wie werden Sie den Ruhestand verbringen? Haben Sie schon Pläne?

Trobitz: Beruflich ist mein Tag durchgeplant, ich bin mit Leidenschaft Planungsingenieur. Im Privaten mag ich es lieber spontaner. Meine drei Töchter habe mich schon zum Kinderhüten eingeteilt, ich habe fünf Enkel. Die ersten vier Wochen werden sich bestimmt anfühlen wie im Urlaub, aber das hört dann auch auf. Ich treibe relativ viel Sport, vor allem fahre ich Rennrad und wandere. Auch koche ich sehr gerne, ich habe einen Garten, einen Hund, meine Frau wird bestimmt Aufgaben für mich haben. Auch will ich wieder mehr lesen. Aber die Arbeit hier in Gundremmingen war mein Leben, mein Traum. Ich habe hier viel erlebt, vom Aufbau bis zur Abschaltung, und ich würde wieder alles genau so machen.

Warum genau?

Trobitz: Ich war immer technikbegeistert, ich kann mich noch an meine ersten Technikbaukästen erinnern und an die Legosteine. Ich habe immer etwas damit gebaut. Im ersten Schuljahr bekam ich einen Märklin-Kasten mit einem Elektromotor, damit habe ich eine Seilbahn durchs Zimmer gebaut. Da war meine Mutter nicht so begeistert (lacht). Später habe ich Kerntechnik studiert, das ist mir zugeflogen.

Was hat Sie in den Jahrzehnten in Ihrem Berufsleben am meisten geprägt?

Trobitz: Ende 1988 war ich in der RWE-Zentrale in Essen, Tschernobyl war erst zwei Jahre her, für die Sicherheitsdiskussionen mit der Reaktorsicherheitskommission zu Gundremmingen zuständig. Da ging es auch darum, ob wir hier in einem recht neuen Werk ein zusätzliches Notkühlsystem, Zuna, brauchen. Mein Vorgänger Dr. Helmut Bläsig und ich konnten den Vorstand davon überzeugen. Am Telefon habe ich zudem die Räumung eines Standorts in Iran mitorganisiert, als der Schah gestürzt wurde. Die Evakuierungsorganisation übernahmen die Amerikaner. Das war auch eine eindrückliche Erfahrung. Nicht vergessen werde ich eine Panne bei einer Revision in Block B, als ein Monteur aus einer Fluchttür gestürzt ist. Das wäre vermeidbar gewesen. Es hatten sich damals viele aufeinander verlassen, und das ist leider gründlich schief gegangen. Das hat mich dafür sensibilisiert, noch mehr auf Sicherheit zu achten.

Sie haben das zusätzliche Kühlsystem erwähnt. Die Gegner des Kraftwerks sind jedoch der Ansicht, dass es nicht sicher genug ist. Ärgert Sie eigentlich die ständige Kritik der Bürgerinitiative Forum, der Grünen und anderer an Ihrer Arbeit und der Ihrer Kollegen?

Trobitz: Wir haben hier Unzähliges installiert, um aus den Fehlern anderer zu lernen. Als ich angefangen habe, hat mich die Kritik wahnsinnig geärgert, da war ich noch jung, ein Heißsporn. Mit den Jahren habe ich erkannt, dass Kritik hilfreich ist und mich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, auch wenn ich keinen überzeuge. Ich habe ein professionelles Verhältnis zu Raimund Kamm von der Bürgerinitiative, keine Feindschaft. Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen stellt für eine Politikerin technisch anspruchsvolle Fragen. Geärgert hat mich etwas ganz anderes: das Atomunglück in Japan. Denn es wäre vermeidbar gewesen. Mitarbeiter aus Fukushima hatten sich bei uns vor den Ereignissen sogar über mögliche Verbesserungen an ihrer Anlage informiert, umgesetzt wurde aber nichts. Auch in Frankreich muss viel Druck ausgeübt werden, damit sich dort etwas ändert. Bei uns genügt der Eigenantrieb. Das ist zwar teuer, aber wir lieben nun einmal Sicherheit.

Wären Sie noch gerne geblieben, bis auch Block C vom Netz geht?

Trobitz: Es ist ein guter Zeitpunkt zum Wechseln mit 61 einhalb Jahren. Ich habe einen guten Nachfolger, wir haben junge Top-Leute.

Haben Sie Tipps für den Nachfolger?

Trobitz: Tipps habe ich viele. Wir sind in einem sehr intensiven Gedankenaustausch. Aber ich bin nicht beleidigt, wenn er es anders macht. So ging es mir damals auch.

Viele haben die Befürchtung, dass sich Fehler einschleichen, wenn Block B vom Netz ist, das Ende der Gesamt-Anlage näher rückt, schlechteres Personal eingestellt wird. Wie wirkt sich der 31. Dezember und was darauf folgt, auf die Mannschaft aus?

Trobitz: 2011, da war ich noch Stellvertreter, empfand ich den Aufwand für die Rückbaugenehmigung als dramatisch. Wir haben schon 2012 mit allem begonnen. Es gab eine Riesenbegeisterung beim Personal, da mitzumachen, auch wenn es komisch klingt. Die Mannschaft ist stolz, alles zu einem guten Ende zu bringen und bis dahin die beste Leistung zu geben. Wichtig wird es sein, die Motivation hoch zu halten, jeder muss wissen, wozu er gebraucht wird. Für Block B ist das einfacher als für Block C, da ist die Planung schwieriger, wer was wo macht. Vor allem wird es wichtig sein, für die Schichtkollegen eine Lösung zu finden. Wir hatten auch schon Treffen mit Kollegen aus anderen Ländern, wo Kraftwerke abgeschaltet wurden, um aus ihren Erfahrungen zu lernen. Wichtig ist zu zeigen, dass das hier keine Keksfabrik ist, sondern die Sicherheit weiter größte Bedeutung hat. Auch müssen wir höllisch aufpassen, dass es keine Arbeitsunfälle gibt.

Wie sollte es am Standort Gundremmingen weitergehen?

Trobitz: Die Personalplanung läuft noch, aber nach meiner Einschätzung muss sich hier bis 2040/2045 keiner große Gedanken machen. Bis der Rückbau abgeschlossen ist, ist es noch lange hin. Ich hoffe darauf, dass es den Zuschlag für das Gasturbinenkraftwerk gibt, da habe auch ich viel Arbeit investiert. Auch würde sich ein Industriepark anbieten, einige Grundstücke haben wir schon an die Gemeinde verkauft. Man muss auch nicht alle Gebäude abreißen.

Das ist der neue technische Geschäftsführer im Kraftwerk

Zum 1. Januar wird Heiko Ringel Nachfolger von Michael Trobitz als technischer Geschäftsführer im Kraftwerk. Der 49-jährige Ingenieur stammt aus Dresden. An der dortigen Technischen Universität hat er Maschinenbau studiert und promoviert. Seine Laufbahn im RWE-Konzern begann er 2001 als Trainee im Kernkraftwerk Gundremmingen. Später wechselte er ins hessische Kernkraftwerk Biblis, wo er zuletzt als Leiter des Nachrüstprogramms tätig war.

Ende 2011 führte ihn sein Weg zurück nach Gundremmingen. Hier fungiert er als Leiter des Fachbereichs Anlagentechnik. Ringel lebt mit seiner Familie in Offingen. Zwei Arbeitsschwerpunkte für ihn sind künftig die sichere Stromproduktion in Block C und mit der Kraftwerksmannschaft die Weichen für die Zukunft zu stellen, wenn der Abbau der Kraftwerkstechnik die Hauptaufgabe sein wird.

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