Montag, 23. Oktober 2017

12. Juli 2014 07:00 Uhr

Kötz/Ichenhausen

Abfuhr für die neue B16 im Westen

Das Bundesverkehrsministerium verwirft die geplante B-16-Trasse im Westen von Ichenhausen und Kötz, die von allen beteiligten Kommunen gewünscht wird. Jetzt soll schnell auf eine Ostumgehung umgeschwenkt werden

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Ein Nadelöhr: Die Bundesstraße 16 führt mitten durch Ichenhausen. Lkw und Autos quälen sich durch die Stadt.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Fast alle wollten eine Umgehung im Westen von Ichenhausen und Kötz: die Ichenhauser selbst, die sich vor Jahren in einem Bürgerentscheid für die Trasse im Günztal ausgesprochen haben. Und die Kommunen Ellzee, Günzburg, Kötz, Ichenhausen und Waldstetten, die sich ebenfalls für die neue B16 im Westen entlang der Mittelschwabenbahn stark gemacht haben. Das Staatliche Bauamt Krumbach hatte deshalb beim Antrag zur Linienbestimmung auf diese Westtrasse gesetzt – und jetzt eine Abfuhr aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin erhalten.

Die Nachricht sickerte am Freitag durch. Und sie sorgte im Landkreis bei einigen Politikern für Bestürzung. CSU-Landtagsabgeordneter Alfred Sauter hat die Entscheidung mitbekommen. Das Bundesverkehrsministerium hatte dem Bayerischen Innenministerium mitgeteilt, dass es eine B-16-Westtrasse für Kötz und Ichenhausen ablehnt. Wie Sauter informiert, hat die Bundesbehörde die Westumgehung aus Naturschutz- und Kostengründen verworfen. Beim Antrag zur Linienbestimmung hatte das Staatliche Bauamt auch eine Trasse im Osten vorgelegt. Auf ihr ruhen nun die Hoffnungen.

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Bauoberrätin Roswitha Schömig hat die Nachricht wie viele andere Beteiligte überrascht: „Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben.“ Eine schriftliche Stellungnahme, warum die Westtrasse abgelehnt wird, habe sie noch nicht vorliegen. Das Bauamt habe aber bereits beim Raumordnungsverfahren gesagt, dass eine Trasse im Günztal nur schwer zu verwirklichen sei. Als sie einst zum Ausdruck habe bringen wollen, dass die Westtrasse „vom Naturschutz her schwierig ist“, sei ihr Arroganz vorgehalten worden, so Schömig.

Nach der landesplanerischen Beurteilung sind nur zwei von sieben Varianten übrig geblieben – eine im Westen und eine im Osten. Der politische Wille sei eindeutig gewesen. Beim Antrag für die Linienbestimmung habe das Bauamt deshalb im Interesse der beteiligten Kommunen die Westtrasse vorgeschlagen, erläuterte Schömig. Nach dem Veto aus dem Bundesverkehrsministerium sei eines klar. „Es bleibt definitiv nur die Osttrasse.“ Ob es zeitliche Verzögerungen gibt, könne sie derzeit noch nicht beurteilen.

Der Kötzer Bürgermeister Ernst Walter war entsetzt. „Diese Entscheidung gefällt uns ganz und gar nicht“, sagte der Rathauschef in einer ersten Stellungnahme. Die Westtrasse sei für Kötz wesentlich besser. Bei einer Osttangente müsse die Kommune von der Kleinkötzer Industriestraße eine Anbindung in Richtung Autobahn bauen. Die Trasse im Osten habe einige Nachteile. Sie sei länger, auch hier müsse Wald abgeholzt werden. Zudem sei ebenfalls mit Klagen zu rechnen, meinte Walter: „Aber mir ist eine Ostumgehung lieber als gar keine.“

Der Ichenhauser Bürgermeister Robert Strobel sagte auf Anfrage: „Mit dieser Entscheidung habe ich nicht gerechnet.“ Gleich nach seinem Amtsantritt im Mai habe er Schwung in das Verfahren bringen wollen und einen Termin im Bayerischen Innenministerium beantragt. Den haben Strobel und seine Kollegen nun am Mittwoch, 16. Juli, bekommen – allerdings unter anderen Vorzeichen. Er habe bisher nur die Aussage, dass die Westtrasse gestorben sei. Strobel stellen sich nun viele Fragen: Ob es bei einem Wechsel zur Osttrasse zeitliche Verzögerungen gibt? Und ob die Linienbestimmung neu aufgerollt werden muss? „Mein Ziel ist es, keine Zeit zu verlieren“, sagte Strobel. Nächstes Jahr werde der Bundesverkehrswegeplan fortgeschrieben. „Und da muss jetzt die Osttrasse rein.“ Auf den Hinweis, dass Ichenhausen bereits mehr als vier Jahrzehnte über eine Entlastungsstraße spricht, entgegnete der Rathauschef: „Ich bin 47 und will in meiner Amtszeit noch auf der neuen Umgehung fahren.“

Grunde, die Sektkorken knallen zu lassen, hatten die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Hochwang, die gegen eine Umgehungsstraße im Günztal kämpfen. Vorsitzender Johannes Todt sagte: „Heute gibt es nicht nur ein Gläschen Sekt, sondern drei.“ Die Nachricht passe in die Tage, in der die WM-Euphorie zu spüren ist. Seit 1990 habe er darauf gehofft, dass die Stadt Ichenhausen bei der Umgehungsplanung mit sich reden lasse, sagte Todt: „Die Verantwortlichen haben sich aber immer gesperrt.“ Ihm tun die Ichenhauser in der Innenstadt leid, die unter der Verkehrlawine leiden. Aber es sei falsch, „ein Negativum durch ein anderes zu beseitigen“.

Das Biotop Günztal sei für das Klima außerordentlich wichtig. Eine B16 im Westen würde dieses Biotop zerstören, warnte Todt und freute sich über die Entscheidung des Ministeriums: „Das ist gut für die Natur und die Menschen.“ Die Schutzgemeinschaft sei keineswegs schadenfroh, sondern bereit, sich mit den Verantwortlichen an einen Tisch zu setzen, teilte Todt mit: „Wir haben viele Ideen.“

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Ein Artikel von
Berthold Veh

Donau Zeitung, Wertinger Zeitung
Ressort: Donau Zeitung, Wertinger Zeitung


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