Der ehemalige Riedener SPD-Stadtrat Kurt März ärgert sich über Rückhaltung am Binderbach. Außerdem fühlt er sich „enteignet“, weil der Teil des Baches, der durch sein Grundstück führt, inzwischen rechtlich der Stadt gehört
Ichenhausen-Rieden Kurt März aus Rieden ist verärgert. Diesmal ist es die Hochwasserrückhaltung im Westen des Ichenhauser Stadtteils, die dem früheren SPD-Stadtrat sauer aufstößt: Er spricht von zwei hässlichen Betonklötzen, die die Landschaft verschandeln würden, obendrein sei die Rückhaltung wenig wirkungsvoll und deshalb „für die Katz“. Nach Ansicht von März hat die Stadt mit dem Bauwerk „100 000 Euro in den Sand gesetzt“.
Es geht um die Hochwasserrückhaltung am westlichen Ortseingang von Rieden, wo die Stadt nach Auskunft von Kämmerer Wilhelm Schuster im vergangenen Jahr knapp 102000 Euro inklusive Nebenkosten für eine Hochwasserrückhaltung am Binderbach bei der Lindenstraße investiert hat. Knapp 46000 Euro Zuschuss hat es dafür gegeben, sodass 56000 Euro aus dem Stadtsäckel dafür aufgewendet wurden. In den Sand gesetzt sei dieses Geld keineswegs, sagt Bürger meister Hans Klement, denn durch das Bauwerk könne bei Hochwasser der Durchfluss geregelt werden. Nach Auskunft des von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros Hartinger lasse das Rohr unter der Lindenstraße sehr wohl einen Durchfluss von bis zu 2,6 Kubikmetern Wasser pro Sekunde zu, versichert Klement.
Mit Spielzeugschaufeln die Bachsohle tiefer gegraben
Die geforderte Abflussmenge von 2,6 Kubikmetern Wasser pro Sekunde könne gar nicht erreicht werden, sagt hingegen März, weil unter der Lindenstraße schon seit Jahren auf einer Länge von zwölf Metern Rohre mit einem Durchmesser von 1,05 Metern liegen. Das mache einen maximalen Abfluss von 1,65 Kubikmetern pro Sekunde möglich. März ärgert zudem, dass die Stadt ihn im Zusammenhang mit diesem Hochwasserrückhalteprojekt aufgefordert hat, eine Brücke, die in seinem Garten über den Binderbach führt, um 50 Zentimeter zu erhöhen, damit eventuelles Hochwasser ungehindert abfließen kann.
Das hält März für absolut unnötig. Schließlich habe es seit 1963 kein Hochwasser wegen dieser Brücke gegeben, Schäden seien also weder für sein eigenes Grundstück noch für Nachbarn zu befürchten. Er habe die Brücke nicht höher gesetzt, sagte März im Gespräch mit der Günzburger Zeitung, den Durchlauf aber dennoch „erweitert“. Das Vorgehen beschreibt der 70-Jährige so: „Mit Spielzeugschaufeln lagen wir unter der Brücke“, zusammen mit seiner Frau habe er die Bachsohle tiefer ausgegraben.
Dagegen habe die Stadt Ichenhausen nichts einzuwenden, sagt Bürgermeister Klement, zumal nach Ansicht von Fachleuten mit der Tieferlegung des Bachbetts ein Durchfluss von 1,5 Kubikmetern Wasser pro Sekunde „schadlos“ erreicht werde. Ein anderer Anlieger hat laut Klement seine Brücke wie vorgeschlagen höher gesetzt.
Mit dem Binderbach durch seinen Garten bringt Kurt März außerdem Begriffe wie „Diebstahl, beziehungsweise Enteignung“ in Verbindung. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts nämlich sei der Bach ganz anders geflossen und habe auf „Zickzackkurs“ die Grenze zu mehreren Grundstücken gebildet. Als dann 1954 die Hauptstraße gebaut worden ist, habe man den Bach begradigt und Bodenaushub in den Garten seiner Eltern gefüllt, der bis dato zu einem Viertel „Sumpflandschaft“ gewesen sei. „Mein Vater hat leider versäumt, die Sache mit der Gemeinde zu machen“, sagt er und meint damit den grundbuchrechtlichen Aspekt. Denn erst als im Rahmen der 2005 abgeschlossenen Dorfneuerung Rieden vermessen worden sei, habe er festgestellt, dass der Binderbach mit einer eigenen Flurnummer versehen und als Eigentümer im Grundbuch die Stadt Ichenhausen eingetragen sei.
Dass der Bach – den er im Übrigen „nicht weghaben“ wolle, wie er versichert – aber der Stadt gehört und durch sein Grundstück führt, komme für ihn einer „Enteignung“ gleich, ärgert sich März. Wie damals, als er für eine Grundabtretung zum Gehwegbau entlang der Hauptstraße Geld von der Stadt bekam, hätte er auch dafür gern eine Entschädigung.
Um die Grundstücksfrage rund um den Binderbach zu klären, hat Hans Klement alte Riedener Bürger und das Vermessungsamt zurate gezogen. Resultat: Der frühere Verlauf des Bachs sei nicht abgemarkt gewesen, in alten Plänen seien lediglich gestrichelte Flächen für das Bachbett zu finden, die größer waren als heutzutage. „Bachbetten verändern ihre Grenzen“, sagt der Bürgermeister, er frage sich, warum der Wunsch nach einer Klärung „nach einer derart langen Zeit kommt“. Immerhin „dürfte der Bach von der Fläche her kleiner geworden sein“, resümiert Klement, nachdem er in diversen alten Unterlagen recherchiert hat.
Wenn Entschädigung, dann für alle
Was die Frage der von Kurt März gewünschten Entschädigung betrifft, sagt der Bürgermeister spontan: „Dann müsste man das genau eruieren“, und falls solche Zahlungen ins Auge gefasst werden sollten, „dann nicht nur für den Herrn März, sondern für alle.“ (ilor)
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