Samstag, 25. November 2017

14. August 2016 12:00 Uhr

Dorfserie

Als Schönenberg vom Himmel fiel

Was ein Meteorit, eine Herde Lamas und ein tickender Schatz in der St.-Leonhard-Kirche mit dem Jettinger Ortsteil zu tun haben. Von Angela Brenner (Text) Und Bernhard Weizenegger (Fotos)

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Die Aussicht ist unglaublich. Selbst bei Nieselregen und wolkenverhangenem Himmel reicht der Blick weit ins Mindeltal hinein. „Im Frühjahr ist es hier am schönsten. Dann, wenn überall die Bäume blühen“, sagt Wilhelm Burkhart über seinen Heimatort Schönenberg. Der 77-Jährige ist in dem Jettinger Ortsteil aufgewachsen. „Und ich möchte hier nicht weg.“ Sogar bei Schmuddelwetter macht das Dorf seinem Namen alle Ehre. Ja, es ist wirklich ein schöner Flecken Erde, dieses Schönenberg. Zum ersten Mal wurde es 1199 erwähnt – als Siedlung auf dem „schönen Berg“. Der Name ist geblieben.

Die schönste Aussicht hat Wilhelm Burkhart allerdings an Silvester, wenn er – er ist seit mehr als 25 Jahren Mesner in der kleinen Pfarrkirche – die Glocken um Mitternacht läutet. Dann versammelt sich die ganze Familie bei ihm und zusammen genießen sie den Blick über das gesamte Mindeltal. „Das Feuerwerk am Himmel ist gigantisch anzusehen“, schwärmt der 77-Jährige. „Das möchte ich nicht missen.“

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Die kleine Pfarrkirche ist dem Hl. Leonhard geweiht. Lange Zeit gab es deshalb auch Leonhardi-Ritte in dem Ort. Doch das ist schon Jahrzehnte her. Wilhelm Burkhart erinnert sich aber noch genau daran, wie die Pferde vom Friedhof zur Kirche gezogen sind. „Das war großartig.“ Und das Schönste für die Kinder, erzählt der 77-Jährige mit einem Lächeln, war der Süßigkeitenstand, bei dem es an diesem Tag Leckereien zu kaufen gab. „Da gab’s dann auch mal einen Schlutzer.“

Der Mesner schafft Ordnung

Jeden zweiten Tag ist der Mesner in der kleinen Pfarrkirche. Er gießt die Blumen und schafft Ordnung. Im Dachboden haben sich Fledermäuse eingenistet – die machen ziemlich viel Dreck und der muss weg. Es macht viel Arbeit die Kirche in Schuss zu halten, gibt der 77-Jährige zu, doch er leistet diese gerne. Man merkt ihm an, wie sehr ihm das Gotteshaus am Herzen liegt.

In den 1990er Jahren wurde die Kirche saniert – das Deckenfresko im Altarraum war schon zu einem Drittel heruntergebrochen, erinnert er sich. Es war Zeit, etwas zu unternehmen. Die Kosten (etwa 400000 Mark) musste die kleine Pfarrgemeinde alleine stemmen. „Da haben sogar Leute gespendet, die sonst nicht in die Kirche gehen“, erinnert sich Wilhelm Burkhart. Richtig ins Schwärmen kommt der 77-Jährige, wenn es um das alte Uhrwerk der Kirche geht. „Das fasziniert mich einfach.“

Über die Sakristei geht es einige steile Holztreppen hinauf in den Raum, wo das Uhrwerk untergebracht ist. Ein stetiges, monotones „Tack, tack, tack“ ist zu hören. „Das hat etwas sehr beruhigendes“, findet der 77-jährige Mesner. Er könnte stundenlang hier stehen und zuhören. Die vielen Zahnräder, die ineinander greifen, die ausgeklügelte Mechanik und die Präzision des Uhrwerks „sind einfach beeindruckend“. Sein Vater zeigte ihm einst, wie das Uhrwerk, das wohl aus den 1920ern stammt, gereinigt und gewartet werde muss.

Doch das ist nicht der einzige Schatz, der in Schönenberg versteckt liegt. Als alteingesessener Schönenberger kennt Wilhelm Burkhart natürlich auch die Geschichte des Meteoriten, der am 25. Dezember 1846 in Schönenberg eingeschlagen ist. „Das muss unten in der Talsohle gewesen sein.“ Acht Kilogramm wog der schwere Klotz und wurde nach seinem Fundort benannt: „Schönenberg“. Heute lagern Gramm-Proben des Meteoriten in München, Berlin, Paris, Budapest und in den USA und sogar im Vatikan – der kleine schwäbische Ort ist quasi weltberühmt.

Ruhig und beschaulich ist es nicht unbedingt

Wilhelm Burkhart könnte sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen. „Schönenberg ist ein kleiner Ort, wo jeder jeden kennt – mit seinen Vor- und Nachteilen.“ Ruhig und beschaulich geht es in dem 225-Einwohner zählenden Dorf allerdings nicht gerade zu. „Bei uns fährt jeder durch, der zum Golfplatz nach Klingenburg will.“ Und das sind nicht wenige. Auch sehr viele Radfahrer kommen vorbei – die meisten von ihnen geraten am steilen Anstieg ganz schön ins Schwitzen. „Das sind Serpentinen wie im Gebirge“, sagt Wilhelm Burkhard schmunzelnd. Aber zumindest werden die Radfahrer am Ende des Aufstiegs mit einem herrlichen Panoramablick ins Mindeltal belohnt. Und wer Glück hat, der trifft dabei sogar auf eine Herde Lamas und Alpakas.

Seit 2013 sind die exotischen Tiere in dem Jettinger Ortsteil angesiedelt. Seit einem Jahr bieten Doris und Bernd Rauch sogar Wanderungen an. „Am Anfang haben die Schönenberger schon komisch geschaut“, erinnert sich Doris Rauch und lacht. „Was wollen die mit dem unnützen Vieh-Zeug?“ hatte sich das Ehepaar des Öfteren anhören müssen. Mittlerweile haben sich die Schönenberger an den außergewöhnlichen Anblick gewohnt. Die Wanderungen führen die Lamas und Alpakas mit den Besuchergruppen ins idyllische Mindeltal. „Letzte Woche hat sogar eine Braut hier ihren Junggesellinen-Abschied gefeiert“, erzählt Doris Rauch. Viel Arbeit machen die Tiere, die 20 bis 25 Jahre alt werden, nicht. Füttern, ausmisten und das Fell bürsten – das sind die täglichen Aufgaben von Doris und Bernd Rauch.

Vom Fell eines Lamas bleibt ein Kilo Wolle übrig

Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren. Vom Fell eines Lamas bleibt etwa ein Kilogramm Wolle übrig. Daraus filzt Doris Rauch Hausschuhe oder strickt Mützen. Das Ehepaar Rauch hat vor ein paar Jahren selbst an einer Alpaka-Wanderung teilgenommen – und da hat sie die Begeisterung gepackt. „Die Tiere sind so ruhig und ausgeglichen, das hat eine beruhigende Wirkung“, schwärmt Bernd Rauch. Fast schon etwas meditatives. Auch wenn eines der Tiere mal bockig werden kann. „Es kann schon einmal passieren, dass ein Tier bei einer Wanderung nicht mehr weiter laufen will und sich dann einfach auf den Boden setzt“, erzählt Doris Rauch. Aber der Herdentrieb führe es dann schnell zurück zum Rest der Gruppe.

Neun Lamas und elf Alpakas hat das Ehepaar mittlerweile. „Die Herde ist im Lauf der Jahre immer weiter angewachsen“, erzählt Doris Rauch. Am Rande von Schönenberg stehen die Tiere auf ihrer Weide – das gesamte Jahr über. Und von dort aus haben sie den besten Blick vom „schönen Berg“ ins Mindeltal.

Mehr eindrucksvolle Impressionen aus Schönenberg finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

Den ersten Teil unserer Dorfserie können Sie hier lesen.

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