Sonntag, 28. August 2016

28. Oktober 2014 00:31 Uhr

Konzert II

Auf dem Weg zur Grande Dame des Klaviers

Zum Abschluss der Leipheimer Tastentage begeistert Ottavia Maria Maceratini das Publikum Von Helmut Kircher

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Ottavia Maria Maceratini begeisterte ihre Zuhörer in Leipheim mit einem virtuosen Spiel.
Foto: Helmut Kircher

Neben Publikumspreisen sammelt sie vor allem Wettbewerbserfolge. An die 30 hat die 23-Jährige, die seit dem fünften Lebensjahr Piano spielt, bislang auf ihrer Siegerliste stehen. Ottavia Maria Maceratini, durchtrainierte blonde Italienerin mit Wahlheimat München und nebenbei Kampfsportlerin, ist eine Ausnahmeerscheinung. Das bewies sie jetzt auch beim Abschluss der Tastentage in Leipheim.

Dem mollmelodischen, in schillernde Schwermut eingetrübten Bekümmernisgebilde in Mozarts a-Moll-Rondo (KV 511) steht sie – vielleicht weil vom Blatt gelesen – noch mit etwas verunsicherter Ausdruckssuche gegenüber. Das ändert sich schlagartig in Robert Schumanns salonmusikhafter „Arabesque“ op. 18, der sie wahrlich unzimperlich zu Tasten rückt, mit elegant präziser, mit wunderbar belebter Souveränität. Die dann, in seiner schwierigen, von pianistisch sperrigen Hürden gespickten und in Höllentempi ausufernden g-Moll Sonate op. 22, von der hochbegabten Jungpianistin zur auftrumpfenden Fulminanz eines erregenden Musikdramas ausformuliert wird.

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Es handelt sich hierbei um eine echte Pianistenfolter, deren Originalfassung sich Clara Schumann, Gattin des Komponisten und weltberühmte Pianistin, verweigerte, weil zu schwierig. Woraufhin sich der Maestro, schweren Herzens doch gehorsam, zu einer mäßigen Modifizierung herabließ. Tempobezeichnung des ersten der vier Sätze: So rasch wie möglich. Schneller. Noch schneller. Zu wahrer Hochform läuft Maceratini auf, jagt mit superlativistischem Tempo über Hochgeschwindigkeitssynkopen, gefürchtete Oktavaufschwünge, halsbrecherische Auf- und Abrasanz. Kurzes Atemholen im wunderbar verzärtelten, alle Nuancen federleicht ausgekosteten Andantinosatz, bevor es dann im dritten und vierten Attacca wieder ins Prestoprestissimo mündet. Doch trotz aller Geläufigkeit, und ohne sich in pure Raserei zu retten, sie bleibt um Sensibilität bemüht, um gestochene Brillanz in makellosem Fluss.

Die paganinihaft teufelsgleichen Vorgaben aber, sie müssen nun mal erfüllt werden, ohne Auge auf die Kaskadensprünge der Linken, oder den Prestosturm der Rechten. Ja – für Klavierspieler der Spitzenklasse schlagen sie zuweilen, erbarmungslos, die „Sekunden der Pianistenwahrheit“. Kurz vor Schluss, bevor der Tastenorkan verhallt, wagt sie dann doch noch einen Blick auf ihre schwer arbeitenden Hände, um dabei erleichtert festzustellen: sind noch da, beide!

Natürlich, ohne Frédéric Chopin geht es nicht in einem hochklassigen Klavierkonzert. Ottavia Maria Maceratini hat zwei aus seinen 21 Nocturnes auf dem Programm, die sie in wohltuender Interpretation auf schnörkelloser Linie anbietet. Nur wo unbedingt nötig in Maßen weich gespült, und durchgehend auf großen Atem gestellt. Pure Poesie, mit einer emotionalen Tiefe, die der Interpretin aus dem Vokabular ihrer Seele fließt. Den Chopinschen Seelenkosmos, im Kleinformat, breitet sie im „Andante spianato“ aus, mit einschmeichelnder Melodielinie und leichthändig getupften Verzierungen, bevor es in die „Grande polacca (Polonaise) brillante“ übergeht.

Für die hoffnungsvolle Nachwuchskünstlerin Gelegenheit, das Genie des Komponisten mit ihrem höchsteigenen Talent zu musikalischer Glücksträumerei in tonale Lauterkeit einzubinden. Das vermag sie, diese Pianistin auf dem Weg zu einer Grande Dame des Klaviers. Maurice Ravels flirrender Sonatinen-Tastenzauber, die vielfarbigen Ausdrucksnuancen in Béla Bartóks folkloristischen Tänzen und die energiegeladenen Ausdrucksformen seiner neuzeitlichen Klaviersprache, kommen sowohl ihrem Suchen nach interpretatorischen Freiheit, als auch ihrem entfesselten Ausdrucksstreben nahezu ohne Abstriche entgegen. Dafür gibt es einen lange anhaltenden, begeisterten Applaus eines klavierhungrigen und auch zugabesüchtigen Publikums zum Abschluss der Tastentage.

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