Freitag, 20. Oktober 2017

30. November 2016 09:00 Uhr

Sicherheit

Augsburg sieht sich für Atomunfall schlecht gerüstet

Ein Unglück in Gundremmingen könnte massive Folgen für die Stadt haben. Experten befürchten, dass man die Bewohner nicht richtig schützen kann und Chaos ausbricht. Von Jörg Heinzle und Eva-Maria Knab

i

Was passiert in Augsburg, wenn sich im Kernkraftwerk in Gundremmingen ein Unglück ereignet? Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace warnten vor drei Jahren mit einer Aktion auf dem Rathausplatz vor den möglichen Folgen eines Atomunfalls.
Foto: Silvio Wyszengrad

Es ist der Wind, der für Augsburg zu einem großen Problem werden könnte. Sollte es im rund 40 Kilometer entfernten Atomkraftwerk Gundremmingen ein Unglück geben, dann wird es die Windrichtung sein, die darüber entscheidet, wie stark die über 500000 Menschen im Großraum Augsburg von der Katastrophe betroffen sind. Die Vorzeichen für einen möglichen Unglücksfall stehen nicht gut. Das Kraftwerk liegt von Augsburg aus gesehen im Westen. Also genau dort, von wo aus häufig der Wind weht.

Nach der Reaktorkatastrophe vor fünf Jahren im japanischen Fukushima wuchs auch in der Augsburger Stadtpolitik die Zahl jener, die sich wegen der Nähe zu Gundremmingen Sorgen machen. Schon rund zehn Tage nach dem Atomunglück, im März 2011, forderte der Stadtrat in einer Resolution, die Sicherheit des Kraftwerks und des dortigen Zwischenlagers für Atommüll neu zu prüfen. Jetzt beriet der Umweltausschuss darüber, ob sich der Stadtrat für eine möglichst schnelle Abschaltung des gesamten Atommeilers einsetzen soll.

ANZEIGE

Der Betreiber des Kernkraftwerks soll die Blöcke B und C spätestens zum 31. Dezember 2017 stilllegen, um Risiken für die Augsburger Bevölkerung aus dem Betrieb des Atommeilers zu minimieren. Diese Resolution hatte die Stadtverwaltung jetzt im Umweltausschuss zum Beschluss vorgeschlagen. Hintergrund waren Anträge der Grünen und der Ausschussgemeinschaft aus Freien Wählern, Linke, ÖDP und Polit-WG. Doch es kam anders. Die Forderung nach einem schnellen Aus für den Atommeiler fand keine Mehrheit. Die Resolution wurde von CSU, CSM und Pro Augsburg abgelehnt. Zu einer inhaltlichen Aussprache über die Gründe der Ablehnung kam es nicht.

Der Evakuierungsplan hat keinen Bezug zu einem Kraftwerksunfall

Hintergrund der Forderungen ist, dass das Kernkraftwerk nur 40 Kilometer Luftlinie von Augsburg entfernt ist und dort vergleichbare Reaktoren verwendet würden wie im japanischen Atommeiler Fukushima, wo es vor fünf Jahren zur großen Reaktorkatastrophe kam. Grüne, ÖDP und SPD wiesen im Ausschuss darauf hin, dass es im Kernkraftwerk Gundremmingen in den vergangenen Jahren zu mehreren meldepflichtigen Vorfällen gekommen sei, die das Vertrauen in die Sicherheit des Atommeilers erschüttert hätten. Einige Stadträte machen sich auch wegen möglicher Terrorakte auf Atomkraftwerke und wegen des Zwischenlagers für Atommüll Sorgen.

Die Stadtverwaltung kommt zum Schluss, dass die Augsburger im Fall einer Atomkatastrophe nur schlecht geschützt sind. Das Unglück von Fukushima habe gezeigt, dass auch in einem Umkreis von 40 Kilometern oder mehr eine Evakuierung nötig werden könne. Zwar gibt es einen allgemeinen Plan dafür, wie die Stadt theoretisch geräumt werden könnte. Dieser Plan hat aber keinen Bezug zu einem möglichen Kraftwerksunfall. Der Augsburger Feuerwehrchef Frank Habermeier sagt zudem: „In der Praxis wird es nahezu unmöglich sein, eine Stadt wie Augsburg schnell zu evakuieren.“ Der Chef der Berufsfeuerwehr befürchtet, dass es im Fall eines Atomunglücks in der Stadt zu chaotischen Szenen kommen könnte. Denn viele Menschen würden vermutlich versuchen, so schnell wie möglich die Region zu verlassen.

Ob im Ernstfall wirklich alle Ruhe bewahren?

Das könnte zu einem Verkehrskollaps führen. Es gibt auch Pläne, auf der Autobahn bei Augsburg eine Kontrollstelle einzurichten. Dort sollen dann alle Personen, die mit dem Auto wegfahren, registriert werden. Das würde vermutlich einen Stau auslösen. Ob im Ernstfall wirklich jeder, der mit seinem Wagen auf der Autobahn feststeckt und nicht weiterkommt, noch Ruhe bewahren würde? Vor allem die sozialen Netzwerke im Internet könnten dazu beitragen, Panik zu schüren, befürchtet Frank Habermeier. Das habe man beim Amoklauf im Juli in München beobachten können. Nach der Tat beim Olympia-Einkaufszentrum wurde in den Netzwerken immer wieder vor angeblichen weiteren Schießereien in der Stadt gewarnt. Es waren allerdings alles Falschmeldungen.

Was für den Fall eines Atomunglücks oder eines Terroranschlags in Gundremmingen genau geplant ist, ist auch bei der Stadt nicht im Detail bekannt. Verantwortlich dafür ist die Regierung von Schwaben. Die Pläne sind aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Eine Evakuierung Augsburgs ist offenbar nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Bewohner aus dem näheren Umfeld des Kraftwerks könnten im Notfall vorübergehend auf dem Messegelände untergebracht werden.

Wer Jodtabletten abholen will, muss ins Freie

Das städtische Umweltamt äußert in einem Bericht „Zweifel“, ob die Pläne ausreichend sind. Ein Negativbeispiel ist demnach die Planung für die Ausgabe von Jod-Tabletten. Wer nach einem Atomunfall schnell Jod einnimmt, kann verhindern, dass die Schilddrüse in größeren Mengen radioaktives Jod speichert. Experten empfehlen daher, dass die Tabletten spätestens zwei Stunden nach Eintreffen einer radioaktiven Wolke eingenommen werden. Acht Stunden später hätten sie praktisch keine Wirkung mehr. Für die Zone, die 25 bis 100 Kilometer vom Kraftwerk entfernt liegt, sehen die Empfehlungen aber nur eine Verteilung innerhalb von zwölf Stunden vor. Gelagert werden die Tabletten in Kempten. Sie sollen auf Apotheken verteilt werden. Wer seine Ration abholen will, müsste dazu ins Freie – und sich so einer zusätzlichen radioaktiven Gefahr aussetzen.

Hätte sich der Umweltausschuss für eine rasche Abschaltung des Kraftwerks bis Ende Dezember 2017 ausgesprochen und würde es der Stadtrat tun, hätte das zunächst keine Folgen. Es wäre ein symbolischer Beschluss, der Druck ausüben soll. Unabhängig davon wird Block B des Kraftwerks ohnehin Ende nächsten Jahres vom Netz gehen. So sieht es der Plan für den Atomausstieg vor. Block C soll länger laufen. Eine Abschaltung dieses Reaktors ist erst für Ende 2021 vorgesehen.

Lesen Sie hier unsere große Serie zur Abschaltung des Atomkraftwerks Gundremmingen.

i

Ihr Wetter in Günzburg
20.10.1720.10.1721.10.1722.10.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            Regenschauer
                                                Wetter
                                                Regenschauer
Unwetter10 C | 18 C
8 C | 19 C
5 C | 12 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Umfrage
Wie gefällt Ihnen Burgau als Einkaufsstadt?


Das neue Klinikmagazin „Impuls" 2017/2018 ist da!

Anfang vom Ende


Alle Infos zum Messenger-Dienst
Sonderthemen - Günzburg
Unternehmen aus der Region

Bauen + Wohnen

Wandern und Radeln in der Region

Partnersuche