Samstag, 19. August 2017

22. Januar 2017 21:00 Uhr

Kino-Oper

Begeisternder Liebestod in fünf Akten

Im Günzburger BiiGZ war die Übertragung von „Roméo et Juliette“ aus der New Yorker Met live zu erleben. Umjubelte Titelheldin: Diana Damrau. Von Helmut Kircher

i

Umjubelter Star: Sopranistin Diana Damrau sorgte an der Seite des italienischen Tenors Vittorio Grigolo in „Roméo et Juliette“ an der New Yorker Met für Begeisterungstürme auch im fernen Günzburg.
Foto: Ken Howard/Metropolitan Opera/dpa

Ein seit 400 Jahren grenzenlos währender Seelenschmerz steckt in Shakespeares Tragödie um eine größtmögliche Liebe, die zum größtmöglichen Scheitern verurteilt ist. Romeo und Julia. Absolute Leidenschaft, gefangen in einer Welt des Hasses zweier verfeindeter Clans. Dem Hass zu entkommen ist am Ende nur möglich durch die gemeinsame Flucht aus dem Leben.

Eine der klanglich poesiereichsten, romantisch leidenschaftlichsten und zeitlos modernsten Umsetzungen des Shakespearestoffes gelang dem französischen Komponisten Charles Gounod (1818–1893) mit seiner 1867 uraufgeführten Oper „Roméo et Juliette“, die damals zu seinem „größten Bühnenerfolg“ wurde. Künstlerische Spontaninspiration und „aufrichtige Empfindung“ waren es, deren atmosphärischer Zauber diesem Liebestod in fünf Akten den Feinschliff einer durchkomponierten Ode verlieh. Heute ist diese Oper eher selten auf den Spielplänen vertreten, allerdings mit starker Tendenz zur Wiederentdeckung. Bevor die Met-Inszenierung (Bartlett Sher) als Liveübertragung in die Kinosäle aller Welt (in Günzburg in zwei ausverkaufte Säle) übertragen wurde, präsentierte sie sich bereits auf der Bühne der Salzburger Festspiele und an der Mailänder Scala als Publikumsrenner.

ANZEIGE

In New York waren es vor allem zwei Protagonisten, die der Aufführung ihren Herz und Gemüt erwärmenden Stempel aufdrückten: Diana Damrau und ihr italienischer Kollege Vittorio Grigolo. Die Günzburger Starsopranistin stand, alle Spielarten des virtuosen Ziergesangs und alle Möglichkeiten schauspielerischer Ausdrucksnuancen auskostend, zum ersten Mal in der Rolle der Juliette auf der Bühne. Grigolo war ihr Roméo, der sie mit klangumrauscht gefühlsbeschleunigter Leidenschaft buchstäblich auf Händen trug, sogar beim Schlussapplaus. Schon bei ihren ersten sanglichen Soloauftritten setzten beide den Brava-Fluss aus dem Publikum in Gang. Die Titelheldin mit den virtuosen Steilkurven der fluoreszierend inbrünstigen Valse-Ariette „Je veux vivre“ im ersten und Roméo in der spitzentönegespickten Cavatine „Ah, lève-toi soleil“ im zweiten Akt.

Stimmlich und schauspielerisch brillant

Danach gaben ihnen Komponist und Textdichter vier Duette lang Gelegenheit, kompromisslosen Umwelthass in Momente melodisch schwerelosen Glücklichseins zu wandeln, mit stimmlicher Brillanz und schauspielerisch verführerischem Fingerspitzengefühl. Gelegenheit, alle Facetten lächelnder Lebenslust, alle von Dur zu Moll poesievoll entfaltende Sinnlichkeit auszukosten.

Das original-obligate Ballett Gott sei Dank gestrichen, dafür aber Shakespeare im abschließenden Sterbeakt etwas umgedichtet. Trotz geleerter Giftflasche, Juliette musste kurzfristig weiterleben, der Komponist brauchte sie für das hochdelikate Schlussduett mit Roméo, für den Einklang der Oktaven in diesem schauerlich-schönen Abgesang. Die für die Liebe Sterbenden bitten ihren Schöpfer um Vergebung für die letzte Sünde ihres Lebens. „Ce moment de doux“ – diesen Moment der Süße. Und die Zeit steht still.

Die sogenannten Nebenrollen pendelten sich sanglich wie auch darstellerisch auf das Leistungsniveau der beiden Hauptprotagonisten ein, nicht zuletzt in den fulminant virtuosen Fecht- und Kampfszenen. Das Met-Orchester unter Gianandrea Nosed entfachte einen tönenden Kosmos reichen, farbigen Pulsierens, das nicht zuletzt der Dramaturgie der Seele Gewicht verlieh. Ein Extralob gebührt dem makellos agierenden Chor, der mit opulent geschmeidigem Gesamtklang aus einem Bühnenbild säulenlastig, düster-dunkler Polyarchitektur heraus brillierte.

„Ein tolles Erlebnis“

Und – schon fast so etwas wie Tradition – beim Pauseninterview mit den Hauptdarstellern fehlte es nicht, das aus der Garderobe in die Kameras gewunkene „Hallo Günzburg“. Sparkassenchef Walter Pache sagte am Ende: „Ein tolles Erlebnis. Der Kinosaal ist zum Opernhaus geworden. Diana hat wieder eine unwahrscheinliche Bühnenpräsenz gezeigt.“ Stadträtin Ursula Seitz urteilte: „Ich bin sprachlos.“ Frank Hasieber aus Bubesheim, Haustechniker im Günzburger BiiGZ, weiß, dass Diana Damrau immer gut ankommt. Manche Opern seien jedoch zu lang und zu schwer, das sei beim Publikum nicht so beliebt. Er verspricht jedoch: „Wir machen auf jeden Fall weiter mit den Met-Übertragungen.“

Die nächsten Met-Opera Kino-Übertragungen finden statt am 25.2. „Rusalka“ (Dvorák), 11.3. „La Traviata (Verdi), 25.3. „Idomineo“ (Mozart).

i

Mehr zum Thema
Ihr Wetter in Günzburg
19.08.1719.08.1720.08.1721.08.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter10 C | 20 C
9 C | 20 C
10 C | 20 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Umfrage
Wie gefällt Ihnen Burgau als Einkaufsstadt?


Anfang vom Ende

Top-Angebote

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Unternehmen aus der Region

Bauen + Wohnen

Wandern und Radeln in der Region

Partnersuche