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19. September 2011 00:08 Uhr

Beschluss

Bürgerinitiative löst sich auf

22 Jahre nach ihrer Gründung ist das für die Mitglieder entscheidende Thema Heimerl-Trasse vom Tisch Von Irmgard Lorenz

Nach 22 Jahren löst sich die Bürgerinitiative gegen die Heimerl-Trasse im Landkreis Günzburg auf. Schriftführerin Barbara Mettenleiter-Strobel, zweiter Vorsitzender Anton Kammermeier (Mitte) und der Vorsitzende Anton Mettenleiter jun. wickeln die Vereinsauflösung ab.
Foto: Irmgard Lorenz

Waldstetten 22 Jahre nach ihrer Gründung hat sich jetzt die Bürgerinitiative (BI) gegen die Heimerl-Trasse aufgelöst. 1989 hatte sich die BI gegründet, um zu verhindern, dass die Bahn eine neue Zugstrecke zwischen Neu-Ulm und Dinkelscherben baut, die an Ichenhausen vorbei quer von West nach Ost durch den nördlichen Landkreis führen sollte. „Die Gefahr, dass die Heimerl-Trasse gebaut wird, ist vorbei“, stellte BI-Vorsitzender Anton Mettenleiter jun. bei der Auflösungsversammlung vor knapp zwei Dutzend Mitstreitern zufrieden fest.

Die in den 1980er Jahren vom damaligen Chefplaner der Bahn Prof. Gerhard Heimerl vorgeschlagene neue Bahnstrecke zwischen Neu- Ulm und Dinkelscherben sollte den Zugverkehr schneller machen. Heimerl hatte damals vorgeschlagen, ICE-Züge zwischen Mannheim und München im Stuttgarter Hauptbahnhof unterirdisch stoppen zu lassen, den Flughafen in Stuttgart-Echterdingen anzubinden und die Bahn mit hoher Geschwindigkeit entlang der A8 von Wendlingen nach Ulm zu führen, um den Fernzügen so den steilen und kurvigen Albaufstieg bei Geislingen zu ersparen. Die neue viergleisige Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm und die Ende 2007 fertiggestellte Tieferlegung des Bahnhofs in Neu-Ulm hatten gut in das Konzept gepasst.

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Auch zwischen Ulm und Augsburg wollte Heimerl die Fernverbindungen schneller machen, wozu er eine ziemlich geradlinige Bahntrasse von Ulm nach Dinkelscherben vorgeschlagen hatte. Für die Fernzüge sollte der Bogen über Günzburg und Neuoffingen entfallen und stattdessen eine Neubaustrecke quer durch den nördlichen Landkreis Günzburg weitere Zeitersparnis bringen.

220 Menschen kamen zusammen

Von Neu-Ulm praktisch quer über Land, vorbei an Ichenhausen, durch das Brandfeld und ziemlich direkt weiter Richtung Dinkelscherben, so hatte sich Verkehrsplaner Heimerl diese Trasse vorgestellt. Das rief Landwirte, Naturschützer und andere Bürger auf den Plan: Rund 220 Menschen fanden sich in der 1989 gegründeten Bürgerinitiative gegen die Heimerl-Trasse im Landkreis Günzburg zusammen.

22 Jahre später, nachdem nicht nur im Landkreis Günzburg heftig über die Streckenplanungen der Bahn diskutiert und manche Planungsidee verworfen worden war, sieht die jetzt noch 143 Mitglieder zählende Bürgerinitiative keine Notwendigkeit mehr zum Fortbestand. Die Neubaustrecke zwischen Neu-Ulm und Dinkelscherben sei „mehr oder weniger vom Tisch“, fasste Vorsitzender Anton Mettenleiter zusammen. Zu erwarten sei, dass die bestehende Bahntrasse ausgebaut wird.

So bestätigten die Mitglieder bei der Auflösungsversammlung in Waldstetten jetzt einstimmig, was schon bei der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative im Dezember 2008 beschlossen worden war: Die Bürgerinitiative gegen die Heimerl-Trasse löst sich auf, das Vereinsvermögen wird gespendet.

Wollte man ursprünglich die städtischen Kindergärten in der Verwaltungsgemeinschaft Ichenhausen damit bedenken, so machte sich Waldstettens Bürgermeister Emil Konrad in der Versammlung zum Fürsprecher weiterer Kindergärten, die in kirchlicher oder privater Trägerschaft stehen.

Also beschlossen die Anwesenden, das Vereinsvermögen nicht nur unter den fünf städtischen Einrichtungen zu verteilen, sondern auch die von den Kirchen getragenen Kindergärten in Ellzee, Waldstetten und Ichenhausen-Hochwang, sowie das Montessori-Kinderhaus in Oxenbronn zu bedenken.

Etwa 5000 Euro sind im Moment übrig

Insgesamt stehen aus der von Manfred Bock geführten Vereinskasse gut 5000 Euro zur Verfügung, von denen aber, so der 2. Vorsitzende Anton Kammermeier, noch voraussichtlich um die 100 Euro abgehen, mit denen die Kosten der Vereinsauflösung beim Notar und beim Registergericht beglichen werden sollen.

Doch zuvor feierte die BI auf Vorschlag von Kassenverwalter Bock noch ein wenig, dass die Fernverkehrstrasse der Bahn quer durch den nördlichen Landkreis vom Tisch ist: „Jetzt trinken wir in aller Ruhe unser Bier und freuen uns, dass die Sache gut ausgegangen ist.“

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