Montag, 23. Oktober 2017

07. Juli 2017 14:00 Uhr

Günzburg

Der Ursulaturm strahlt wieder

Das Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert ist saniert worden. Seit Jahrzehnten das Zuhause eines außergewöhnlichen Vereins. Und er birgt einige Geheimnisse.

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Er liegt gut versteckt – und überragt doch ein gutes Stück der Günzburger Altstadt: Der Ursulaturm steht ein wenig im Schatten seiner großen Geschwister, dem Stadtturm und dem Kuhturm, die beide liebevoll zu Schmuckstücken herausgeputzt wurden. Nun hat auch der kleine Ursulaturm neuen Glanz bekommen: Die Außensanierung des Bauwerks aus dem 15. Jahrhundert ist abgeschlossen. Für das Leben in dem Turm ist ein Günzburger Traditionsverein zuständig, der so manches Geheimnis bewahrt: Die Arche trifft sich seit mehr als 45 Jahren dort.

Gerhard Schöttl und Wolfgang Hummel sind zwei der Mitglieder – nur 20 Männer sind es insgesamt. „Das ist zwar nicht in der Satzung festgelegt, aber mehr geht nicht, es liegt einfach am Platz“, sagt Schöttl. Der Ursulaturm – nach seinen früheren Bewohnern auch „Motza-Dura“ genannt – hat die kleinste Nutzfläche aller erhaltenen Türme der Günzburger Stadtmauer. Klein, aber fein ist er, nicht zuletzt durch die Sanierung im Inneren, die der Freundeskreis Arche für sein Mietobjekt finanzierte und auch tatkräftig organisierte. Den größten Brocken machte die Sanierung in den Jahren 2010 bis 2014 aus, 68 700 Euro hat sie gekostet. Die Mitglieder haben außerdem harte Arbeit in das Projekt gesteckt, unter anderem große Mengen Taubenkot aus dem Gebäude geschafft, damit der Raum im dritten Stockwerk zum gemütlichen Treffpunkt für den Freundeskreis werden konnte.

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Und auch für die in diesem Jahr von der Stadt Günzburg in Angriff genommene Außenrenovierung haben die Arche-Mitglieder Mittel aufgebracht: 14 300 Euro trugen sie zu den Gesamtkosten von 55 000 Euro bei, 3000 Euro kamen von der Sparkasse. Dass der Ursulaturm trotz seiner etwas versteckten Lage gut zu sehen ist, liegt an der vor zwei Jahren installierten Beleuchtung mit Boden- und Punktstrahlern mit LED-Lampen; die Stadt hatte sich diese Maßnahme 10 000 Euro kosten lassen. Das heutige Aussehen des Turms mit dem ungewöhnlichen Pagodendach stammt übrigens aus dem Jahr 1735, als das Gebäude mit Mauersteinen aus dem Brandschutt des großen Günzburger Stadtbrands wieder aufgebaut worden war. Ursulaturm heißt er schon lange – die Schutzheilige, die besonders in Kriegszeiten um Hilfe angefleht wurde, ist bereits auf einer Karte der Markgrafschaft Burgau aus dem Jahr 1613 verzeichnet. Maler Johann Andreas Rauch schrieb „Ursulathurn“ dazu.

Was aber passiert denn nun eigentlich hinter den Mauern des Ursulaturms? Das Meiste bleibt wohl geheim, denn so wurde es schon 1919 bei der Gründung der Arche festgelegt. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich einige Günzburger Bürger – die meisten Ärzte und Pflegepersonal der Klinik – zu einer losen Runde zusammengeschlossen, für die eine Regel galt: Keine Gespräche über Themen wie Krieg, Politik und Religion. Treffpunkt war in wechselnden Lokalen, später dann im Gasthaus Hecht. Bis sich die Arche dann 1928 unvermittelt auflöste. Erst 1948 oder 1949 – so genau lässt sich das nicht mehr sagen – kamen die verbliebenen Archefahrer, wie sich die Mitglieder bis heute nennen, wieder zusammen. Einmal im Monat trafen sie sich, erst im Hotel Hirsch, ab Anfang der 1970er Jahre dann im Ursulaturm als festem Domizil.

Einen kleinen Einblick, was wohl im Ursulaturm geschehen mag, gab es für Besucher zuletzt im vergangenen Jahr bei der Nacht des offenen Denkmals. Da konnten die Besucher dann beispielsweise die Bildergalerie der Mitglieder sehen: Bilder und Namen von Tieren, die als geheimer Deckname für die Mitglieder gelten und auch nicht verraten werden. Und das Klavier, das mit dem Loriot-Zitat „Ein Klavier, ein Klavier“ geschmückt ist. Das Singen nimmt bei der Arche großen Raum ein, bestätigt Schöttl. „Unser Motto ist Kunst, Musik und Freud. Aus allen Bereichen haben wir kompetente Mitglieder.“

Das große Interesse der Günzburger bei der Denkmalnacht hat die Arche-Mitglieder überrascht. Gerhard Schöttl: „Wir dachten, das wir ein eher langweiliger Abend für uns. Und dann hatten wir auf einmal richtig viel zu tun, denn es kamen mehr als 200 Besucher.“ Für die Stadt Günzburg ist genau diese Öffnung ein wichtiges Argument, den Turm an den Verein zu vermieten und nicht auf Kaufangebote einzugehen. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig: „Der Verein sorgt dafür, dass das historische Gebäude auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Bei einem Verkauf wäre das nicht mehr möglich.“

Die Aussichten der Arche, auch in Zukunft in ihrem Turm bleiben zu dürfen, stehen also ausgesprochen gut, auch für die kommenden Mitgliedergenerationen. Dass ihr Zuhause nach den Arbeiten an der Fassade durch den Malerbetrieb Neidl und die Dachdeckerarbeiten der Firma Mayer auch außen wieder so strahlt, ist eine große Freude für die Mitglieder. „Wir sind nicht nur froh, wir sind richtig glücklich“, betont Wolfgang Hummel strahlend.

Zuletzt habe der Verein es zudem wieder geschafft, zwei jüngere MiMitglieder bei sich aufzunehmen, zwischen gut 30 und 84 Jahre alt sind die Archefahrer jetzt. Zwar dürfen der Arche laut Satzung nur Männer beitreten, aber auch ihre Familien lieben den Turm. „Bei uns ist die ganze Familie im Turmfieber“, sagt Hummel. Besonders begeistert sei seine Tochter – die übrigens auf den Namen Ursula hört.

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Ein Artikel von
Rebekka Jakob

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