Freitag, 21. Juli 2017

12. Juli 2016 07:00 Uhr

Landkreis Günzburg

Die Retter sind selbst in Not

Nach wie vor ist es nicht leicht, in Günzburg die Notarzt-Dienste zu besetzen. Doch auch im übrigen Rettungsdienst werden die Probleme größer.

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Montag, 6 Uhr, Rettungswache des Roten Kreuzes in Günzburg. Der bis jetzt diensthabende Notarzt verabschiedet sich in den Feiermorgen, die Ablösung ist allerdings noch nicht da. Wann und ob eine kommt, wissen die Rettungsassistenten und -sanitäter nicht. Im Dienstplan an der Wand steht für diese Schicht jedenfalls kein Name. Auch für manche anderen Tage ist das Feld nicht ausgefüllt. Zwar wird später noch ein Mediziner kommen, doch die Situation zeigt, dass es nach wie vor Probleme gibt, die Notarztdienste in Günzburg zu besetzen.

Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) erklärt, dass es „unter dem Strich“ gelinge, aber nicht immer. So seien am Standort Günzburg im Jahr 2015 an elf Tagen insgesamt 29 Tag-Stunden und 40,5 Nacht-Stunden nicht besetzt gewesen. In diesem Jahr habe es bislang – die Daten wurden am 24. Juni ausgewertet – wegen eines krankheitsbedingten Ausfalls eine unbesetzte Schicht für zwölf Stunden gegeben. In Krumbach sehe die Situation wesentlich besser aus, seitdem es dort die Kooperation mit dem Krankenhaus gibt.

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So seien 2016 bisher alle Dienste besetzt gewesen, 2015 nur eine Zwölf-Stunden-Schicht nicht. Bislang hatte die KV keinen Grund gesehen, auch mit der Kreisklinik in Günzburg eine Vereinbarung für die Übernahme der Dienste zu schließen, doch nun erklärt sie: „In Bezug auf die schwieriger werdende Besetzung planen wir, in absehbarer Zeit Gespräche aufzunehmen.“ Die Versorgung der Bevölkerung sei aber gesichert, da bei Bedarf Nachbar-Notarzt oder Rettungshubschrauber angefordert werden könne.

Woanders werden Lücken gerissen

In der Rettungswache Günzburg haben die Mitarbeiter dafür kein Verständnis. So würden in dem Bereich, aus dem der Nachbar kommt, Lücken gerissen und der Hubschrauber sei wie auch ein Mediziner an einem anderen Standort eben nicht immer verfügbar. Auch müssten die Dienste von der KV immer wieder spontan besetzt werden. Die Notärzte selbst dürfen sich übrigens ohne Genehmigung nicht mehr öffentlich äußern.

Auch die Kapazitäten der Rettungswagen im Kreis sind inzwischen oft erschöpft – was angesichts der steigenden Einsatzzahlen nicht überraschen dürfte. Jedoch werden immer öfter die für die Notfallrettung vorgesehenen Rettungswagen für Krankentransporte herangezogen, ist zu hören, und das nicht nur zu Zeiten, wenn die eigentlich eingeplanten Krankentransportwagen nicht besetzt sind. So komme es vor, dass über längere Zeit auch hier Lücken entstehen, die dann ebenfalls mithilfe eines anderen, aber entfernteren Standorts geschlossen werden müssten. Und das immer mit der Gefahr, dass dann dort Fahrzeug und Personal fehlen.

Langjährige Retter schmeißen den Job hin

Auch sonst gibt es Probleme beim Rettungsdienst, erzählen Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Einige langjährige Rettungsassistenten hätten sich andere Jobs gesucht, die besser bezahlt, bei denen die Wochenarbeitszeit geringer als 45 und die Schichten kürzer als zwölf Stunden sowie der Aufwand für die Bürokratie kleiner sei. Die Fluktuation in den Wachen steige, weil es kaum noch gelinge, angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen neues Personal zu finden. Ein erfahrener Rettungsassistent sagt, dass es unmöglich sei, alleine mit seinem Gehalt eine vierköpfige Familie zu ernähren.

So werden neu einsteigende Rettungsassistenten nach der Gehaltsgruppe 6 im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst bezahlt, was knapp 2000 Euro brutto im Monat entspricht. Wer einen alten Vertrag hat, ist in Gruppe 8 eingestuft und bekommt etwas mehr. Sanitäter erhalten als Einsteiger im Schnitt 1900 Euro. Künftig sollen die länger ausgebildeten neuen Notfallsanitäter wieder etwas besser gestellt werden. Je nach Hilfsorganisation können die Gehälter noch etwas variieren. Doch nicht nur hauptamtliches, sondern auch ehrenamtliches Personal sei demnach schwierig zu finden.

Rotes Kreuz: Wir finden noch genug Personal

Nach offizieller Lesart hingegen ist alles gar nicht so schlimm. Alexander Faith, Leiter Rettungsdienst beim Günzburger Kreisverband des Roten Kreuzes, sieht zwar auch Engpässe und keine andere Möglichkeit, als diese irgendwie zu überbrücken, bis mehr Fahrzeuge und Personal genehmigt werden. Aber es gebe durchaus Bewerber für offene Stellen, wenn auch weniger als früher, und genügend Nachrücker für Kollegen, die kündigen oder in Rente gehen. Wer ein freiwilliges soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolviert, helfe ebenfalls.

Problematisch ist nach Faiths Worten, dass die Unsicherheit durch europaweite Ausschreibungen der Leistungen und befristete Verträge für das Personal steige. Bei einem anderen Schichtmodell, das weniger Arbeit am Tag, aber dafür mehr Dienste in der Woche bedeute, machten die Kollegen jedoch nicht mit. Nachdem das Gesundheitsamt die Arbeitsbedingungen in der Günzburger Wache moniert habe, tut sich aber zumindest dort etwas. Den lange geplanten Neubau wird es aus Kostengründen nicht geben, sagt Geschäftsführer Werner Tophofen. Aber sie soll wie auch die Geschäftsstelle für 700000 Euro saniert werden, die Arbeiten sollen im Herbst 2017 fertig sein.

Zweckverband sind keine Personalprobleme gemeldet worden

Auf eine weitere, schnellere Verbesserung kann zumindest gehofft werden, da die Untersuchungen für ein neues Gutachten zur Zahl der benötigten Fahrzeuge und des nötigen Personals im Rettungsdienst im Bereich des zuständigen Zweckverbands vorgezogen wird. Dessen Geschäftsführerin Julia Lindner geht allerdings nicht von wesentlichen Zugeständnissen der verantwortlichen Kostenträger aus. Das letzte Gutachten ist fünf Jahre alt. Beim Notarzt seien dem Zweckverband die Hände gebunden – der Dienstausfall halte sich aber in Grenzen – und die Bereitstellung des Personals sei Sache der Arbeitgeber, die noch keine Probleme gemeldet hätten.

Die Johanniter, die in Kleinkötz seit Oktober 2014 einen (früher in Günzburg stationierten) Rettungswagen vorhalten, haben übrigens auch keine Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden, heißt es offiziell im Regionalverband. Aber die Einsatzzahlen steigen auch dort. Trotz aller Schwierigkeiten sagt ein Rettungsassistent in der Rot-Kreuz-Wache in Günzburg übrigens, er wolle keinen anderen als seinen Beruf ausüben. Einen schöneren könne er sich nicht vorstellen.

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Ein Artikel von
Christian Kirstges

Günzburger Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten


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