Donnerstag, 29. Juni 2017

13. Februar 2017 19:03 Uhr

Burgau

Die Überreste des Terrors

Bei der Spurensuche nach dem Waldwerk Kuno gibt es noch immer mehr Fragen als Antworten. Verrostete Relikte erzählen von den erbärmlichen Zuständen im Konzentrationslager.

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Der Terror wütete nicht nur in der Ferne – etwa in Polen oder den Weiten Russlands. Den Nazi-Terror gab es auch direkt vor der Haustür. Zum Beispiel im KZ-Außenlager Burgau und im Waldwerk Kuno, angelegt gegen Ende des Krieges im Scheppacher Forst. Gut 30 Interessierte machten sich am Sonntagnachmittag auf Einladung der Volkshochschule Günzburg auf Spurensuche. Unter Leitung von Maximilian Czysz, Redakteur unserer Zeitung, wurden die Reste des weitläufigen Kuno-Werkes besichtigt. Zweite Station war das Museum im Burgauer Schloss. Dort ist am kommenden Sonntag letztmals die Ausstellung „Im Schatten der Wunderwaffe – Das KZ-Außenlager Burgau“ zu sehen.

„Die Wunderwaffe“sollte hier montiert werden

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Als die Luftangriffe auf Deutschland häufiger und heftiger wurden, beschlossen Hitler und die Seinen 1942, die Rüstungsproduktion zu dezentralisieren. Verteilt im ganzen Reich entstanden kleine, meist geheime Produktionsstätten. Eine von ihnen war das Waldwerk Kuno im Scheppacher Forst nahe der Autobahn. Endmontiert wurde dort die Me 262, seinerzeit der schnellste Düsenjäger der Welt und propagiert als eine der „Wunderwaffen“ der Nazis.

Bei Eiseskälte mussten Zwangsarbeiter im Winter 1944/45 das Werk aufbauen. Versteckt im Wald und getarnt mit Netzen, um für die alliierten Flieger unsichtbar zu sein. Neben Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern wurden auch jüdische KZ-Häftlinge an die Rüstungsindustrie „vermietet“. Um die Arbeitskräfte für Kuno unterzubringen, wurde das KZ in Burgau gebaut – von 120 KZ-Häftlingen. Auf mörderischen Transporten wurden im Februar/März 1945 rund 1000 jüdische Frauen aus den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Ravensbrück als Arbeitskräfte für Kuno nach Burgau gebracht. Zusammengepfercht in Viehwaggons, halb verhungert und halb erfroren kamen sie an.

Viele hatten schon die Transporte nicht überlebt, die meisten Frauen waren so geschwächt, dass „nur“ noch 120 von ihnen im Waldwerk arbeiten konnten. Hinzu kamen bei Kuno 150 männliche KZ-Häftlinge.

In den wenigen Wochen bis Kriegsende überlebten schätzungsweise 25 Menschen die mehr als erbärmlichen Zustände im Burgauer KZ nicht. Den ganzen Irrsinn zeigen zwei weitere Zahlen. Von den etwa 70 Me 262, die im Scheppacher Forst zusammengebaut wurden, gingen nur vier in die Luft. Der Rest war bei Fliegerangriffen zerstört worden.

Maximilian Czysz hat rund um Kuno und das Burgauer KZ recherchiert. „Die Quellenlage ist dürftig“, erläuterte er den Teilnehmern der Exkursion. Bei Kriegsende war in Burgau ganze Arbeit geleistet worden. Massenhaft ist belastendes Material vernichtet worden. Außer einigen betonierten Fundamenten ist auch vom Waldwerk nicht mehr viel zu sehen. Rund um die seinerzeitige Kantine liegen noch einige Reste des früheren (Koch-)Geschirrs auf dem Boden. Im Zuge des Autobahnbaus ist lediglich die ehemalige Lackiererei von Kuno wissenschaftlich untersucht worden. „Es gibt noch immer mehr Fragen als Antworten“, so Czysz.

Viele in der Stadt wusstenvom Waldwerk und dem Lager

Unstrittig ist, dass viele in Burgau mit seinen damals rund 3000 Einwohnern von dem KZ und dem Waldwerk wussten. Kein Wunder bei etwa 1200 Häftlingen, von denen viele auch zu Zwangsarbeiten im Stadtgebiet eingesetzt waren. Aus Angst oder Überzeugung haben die meisten weggeschaut.

Doch es gab auch Mutige, wie Maximilian Czysz hervorhob. Menschen, die den Häftlingen heimlich Essen zusteckten oder Essbares über den Zaun von Kuno warfen. Maximilian Czyszs Geschichtsstunde endete mit einem Appell: Sich für Demokratie, Freiheit und Recht einzusetzen und aufzustehen gegen Gewalt und Willkür.

Die Ausstellung „Im Schatten der Wunderwaffe – Das KZ-Außenlager Burgau“ ist letztmals am kommenden Sonntag, 19. Februar, von 14 bis 17 Uhr im Museum im Burgauer Schloss zu sehen.

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