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23. Januar 2008 19:20 Uhr

Die heimliche Lust am "ausgooglen"

"Und, was machst du sonst so?" - Diese Frage können sich Internetnutzer inzwischen sparen, wenn sie mehr über neue Bekanntschaften erfahren wollen. Schließlich ist es manchmal gar nicht nötig, sie direkt zu fragen. Das Internet gibt häufig ebenso gut Auskunft. Von Tobias Schormann

Die heimliche Lust am "ausgooglen"
Foto: ALFA

"Mithilfe von Suchmaschinen ist es heute ein Leichtes, private Dinge über andere herauszufinden", sagt der Datenschützer Professor Michael Ronellenfitsch. Oft seien die Betroffenen selbst schuld: Viele Menschen gehen zu unvorsichtig mit ihren persönlichen Daten um und geben im Web bereitwillig Privates preis. "Das ist dann natürlich für jedermann im Handumdrehen abrufbar." Das machen sich etwa Personalentscheider zunutze. "Bei Bewerbungen wird immer öfter ein Blick darauf geworfen, was im Internet über den Menschen steht", sagt Klaus Reiners vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Der Leumund im Netz entscheidet in einigen Fällen sogar über die beruflichen Chancen: So könnten peinliche Fotos oder Lästereien über den alten Arbeitgeber im Web zum "Karriere-Killer" werden, warnt Reiners. Auch Einträge über extreme politische Ansichten und erotische Vorlieben seien teilweise ein Ausschlusskriterium für Arbeitgeber. In einer Umfrage des BDU unter deutschen Personalberatern vom November 2006 gab jeder Vierte an, schon einmal einen Kandidaten nach einer Netzrecherche vom Auswahlprozess ausgeschlossen zu haben.

Aber auch im privaten Bereich nutzten immer mehr Menschen das Internet, um sich ein Bild über eine andere Person zu machen, sagt Mario Grobholz vom Anbieter "myOn-ID" in Köln. "Was die Suchmaschine über einen ausspuckt, wird somit zunehmen. Gerade das Web 2.0 habe dazu geführt, dass immer mehr Surfer ihr Privatleben im Netz öffentlich machen, sagt Grobholz. Für Neugierige seien daher besonders "Social Networks" wie "studiVZ.net" oder "Xing.com" ergiebig: Hier geben Mitglieder von sich aus Auskunft etwa über ihre Hobbys oder den beruflichen Werdegang. Andere Portale sind darauf spezialisiert, alte Schulfreunde wiederzufinden. Hierüber können auch Fremde den Schulabschluss und Jahrgang von anderen erfahren. Dazu müssen sie meist nicht einmal die jeweilige Seite besuchen - oft landen die Daten gleich in den Treffern einer Web-Suchabfrage. Die Nabelschau im Netz hat dabei Folgen, über die sich wohl nicht jeder bewusst ist: Mithilfe des Namens und einiger zusätzlicher Suchwörter lassen sich bei Google oder Yahoo Angaben wie Alter und Wohnort oft kinderleicht herausfinden, wenn sie einmal ins Internet eingespeist wurden. Wer viel im Netz unterwegs ist, hinterlässt oft sogar Spuren, die auf Hobbys oder Vereinsmitgliedschaften schließen lassen.

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Hat ein Surfer dabei erst einmal eine persönliche Angabe wie etwa die private E-Mail-Adresse eines anderen herausgefunden, stößt er leicht auf weitere Kontaktdaten. Denn Suchmaschinen durchsuchen zum Beispiel auch Forenbeiträge - dadurch finden sich schnell auch Treffer etwa aus privaten Gebrauchtbörsen oder Kontaktanzeigen.

Jeder Erdenbürger katalogisiert

Künftig könnte es sogar noch einfacher werden, persönliche Profile von anderen im Web abzufragen. Neue Netzwerk-Projekte aus den USA wie "Spock.com" sind mit dem Versprechen an den Start gegangen, in Zukunft jeden Erdenbürger zu katalogisieren und einen Eintrag über ihn bereitzuhalten. Dazu verknüpfen sie einzelne Angaben etwa aus "MySpace.com"-Profilen mit Foreneinträgen und hochgeladenen Fotos, um so einen umfassenden Eindruck über die Betreffenden zu geben. Manchmal kann die Abrufbarkeit von Profilen anderer aber auch ganz nützlich sein: So fand eine Kanadierin Anfang 2007 laut Presseberichten erst über die Google-Suche heraus, dass ihr Verlobter ein gesuchter Mörder war - worauf sie ihn der Polizei auslieferte.

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