Seit etwa einem Jahr hören Menschen in Günzburg und Umgebung einen nervigen Brummton. Die Suche nach der Ursache des mysteriösen Tons ist ein Kampf gegen Windmühlen. Von Walter Kaiser

Es ist wohl wie ein Kampf gegen Windmühlen. Seit etwa einem Jahr hören zahlreiche Menschen in Günzburg und Umgebung einen nervigen Brummton. Mal leiser, mal lauter. Hin und wieder ist er auch gar nicht zu vernehmen. Ursache ist nach Lage der Dinge ein tieffrequenter Schall. Manche Menschen hören und spüren solche Töne, andere nicht.
Um dem Phänomen und der denkbaren Quelle womöglich auf die Spur zu kommen, hatte das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU) in einem Wohnhaus in der Günzburger Innenstadt zwei Wochen lang rund um die Uhr sensible Messgeräte aufgestellt.
Wie das Landratsamt Günzburg mitteilt, seien dabei in der Tat "vereinzelt tieffrequente Geräuschereignisse aufgetreten". Allerdings hätten die festgestellten Geräusche den "Anhaltswert der einschlägigen DIN-Norm" nicht überschritten.
Nur in einer Nacht und das auch nur binnen einer Stunde, sei der Grenzwert um 0,2 Dezibel überschritten worden. Dabei, so das Landratsamt in einer Pressemitteilung weiter, könne "allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass diese Überschreitung durch andere nennenswerte Störgeräusche beeinflusst wurde."
Der Knackpunkt für die Betroffenen ist der Begriff Grenzwert. Wer, so fragen sie, legt diesen Wert nach welchen objektiven Kriterien fest. Die Wissenschaft ist sich - wie berichtet - weitgehend einig, dass tieffrequenter Schall im Zweifelsfall zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Ob diesseits oder jenseits gültiger Grenzwerte, das ist die Frage. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es dann auch Bemühungen, im kommenden Jahr die derzeit gültigen Grenzwerte nach unten zu korrigieren.
"Behörden mauern"
Nach den erwähnten Messungen und den eher unbefriedigenden Ergebnissen hat das Landesamt für Umweltschutz weitere Messungen vorgenommen. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Ob dabei neue Erkenntnisse zutage treten, wird sich zeigen. Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger sind skeptisch. Denn sie haben den Eindruck, dass die Behörden mauern.
Carmen Riedl aus Günzburg, die im Frühsommer als erste Betroffene gegenüber der Günzburger Zeitung öffentlich auf das Problem hingewiesen hatte, hält dem Landratsamt noch immer vor, nicht mit offenen Karten zu spielen.
Zwar sei es ihr "nach längerem Kampf" gestattet worden, Einblick in die mehr als 50 Seiten umfassenden Messergebnisse des Landesamtes für Umweltschutz zu nehmen. Kopien zum näheren Studium der Zahlen und Grafiken seien ihr aber nicht gestattet worden.
Sie bittet weitere Betroffene, über die Günzburger Zeitung mit ihr Kontakt aufzunehmen. Walter Kaiser
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