Neue Gärtnerei wird künftig als Therapiebetrieb des Bezirkskrankenhauses geführt. Freistaat trägt Großteil der Kosten Von Georg Schalk

Günzburg Warum leisten sich die Bezirkskliniken Schwaben in Günzburg eine Gärtnerei? Was haben Gewächshäuser mit einem Bezirkskrankenhaus (BKH) zu tun? Kurze Antwort: viel. „Diese Einrichtung ist für unsere Patienten eine Brücke ins reale Leben“, sagte Dr. Ernst Baljer, Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie und Physiotherapie, gestern bei der Einweihung der neuen Gärtnerei. „Sie wird künftig als Therapiebetrieb geführt“, betonte Gerhard Kramer, der Regionalleiter Nord. Dennoch sei es nicht selbstverständlich gewesen, die Gärtnerei wieder aufzubauen, nachdem die bisherigen fünf Gewächshäuser – „das Herzstück der Gärtnerei“ – wegen des Neubaus der forensischen Klinik abgerissen werden mussten, ergänzte Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken.
Gewächshäuser mussten dem Neubau der Forensik weichen
Ursprünglich waren Nervenkrankenhäuser unabhängig: Sie versorgten sich selbst. „Das ist heute nicht mehr nötig“, meinte Düll und verwies auf den Gutshof des BKH Günzburg. Der sei vor elf Jahren aufgegeben worden. Da die Versorgung der Klinikküche heute „einen verschwindend geringen Anteil“ ausmache, sei dies auch kein Grund gewesen, die Gärtnerei wieder aufzubauen. Dennoch entschieden sich Düll und die Klinikleitung zu diesem Schritt, nachdem klar war, dass die Gewächshäuser dem Forensikneubau zum Opfer fallen würden.
Entscheidend sei zum einen der Therapiegedanke gewesen, zum anderen die Tatsache, dass ein „offenes Finanzierungsfenster“ gefunden wurde, wie es der Vorstandsvorsitzende formulierte. Da die Gärtnerei als Teil des Maßregelvollzuges gesehen wird und die alte Gärtnerei wegen des Neubaus der Forensik „zerstört“ wurde, kamen die Bezirkskliniken laut Düll in den Genuss einer „überaus günstigen Finanzierung“: Von den 1,5 Millionen Euro, die das Modellieren des Geländes und die Verkaufsräume gekostet haben, habe der Freistaat 75 Prozent übernommen.
In dieser Einrichtung schlüpfen die Behandelnden in die Rolle von Handelnden, so der Vorstandsvorsitzende. „Sie erfahren teils zum ersten Mal in ihrem Leben, wie mit ihrer Hände Arbeit etwas gedeiht und Früchte trägt“, meinte Chefarzt Baljer, der am Wochenende seinen 65. Geburtstag feierte und seinen Vertrag unlängst um ein Jahr verlängert hat. Deshalb sollte das Logo der Gärtnerei keine Blumen oder ein Radieschen sein, sondern am besten eine Brücke. Schließlich sei sie eine Brücke zur Bevölkerung.
Leiter der Gärtnerei ist Arthur Wiedemann. Er erbringt gemeinsam mit zwei Pflegern die Therapieleistung. Nach Angaben von Franz Peter Degen vom Planungsbüro Degen umfasst die Warmfläche der Gärtnerei 320 Quadratmeter, die Kaltfläche macht 1500 und die Verkaufsfläche 90 Quadratmeter aus. „Früher war die Fläche annähernd doppelt so groß“, ergänzte Regionalleiter Kramer. Die Klinikseelsorger Dr. Hermann Wohlgschaft und sein evangelischer Kollege Johannes Löffler segneten die Gärtnerei.
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