Balzhausen Mindestens 30 Prozent Zuwachs - und das nach dem bisher besten Geschäftsjahr der Firmengeschichte: Von einer solchen Prognose können viele Unternehmen in Zeiten der Wirtschaftskrise nur träumen. Bei der Balzhauser Firma Energeticum sind sie Realität.

Seit sich Geschäftsführer Robert Specht im Herbst 2004 mit seinem Unternehmen selbstständig gemacht hat, geht es kontinuierlich nach oben. In fünf Jahren hat Energeticum mehr als 700 Photovoltaikanlagen in der Region konzeptioniert und installiert, über 250 allein im vergangenen Jahr. Aus einem Zwei-Mann-Betrieb ist mittlerweile ein 27-köpfiges Erfolgsunternehmen geworden.
Firma plant, montiert und betreut solche Anlagen
Energeticum plant, montiert und betreut Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen. Alles in Eigenregie, mit Subunternehmern wird nicht zusammengearbeitet. "Wir sind spezialisiert auf kleine und mittlere Anlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von circa 20 Kilowatt", erläutert Robert Specht. Es geht aber auch größer: Ende November nahm in Tiefenried eine von Energeticum konzeptionierte, 9200 Quadratmeter große Freiflächenanlage ihren Betrieb auf.
Aus dem Bereich der Solarthermie hat sich die Balzhauser Firma mittlerweile zurückgezogen - für die Kunden seien Photovoltaikanlagen deutlich rentabler, so Geschäftsführer Specht. Rund zehn Prozent Rendite waren bislang drin, ab April will die Bundesregierung die Förderung zurückfahren und die Einspeisevergütung für neu gebaute Anlagen kürzen.
Die Auswirkungen? Für Energeticum erst einmal zahlreiche Aufträge. Die Kapazitäten der Firma sind bereits bis Ende März komplett ausgelastet, viele Bauherren wollen noch zu den bisherigen Konditionen ihre Photovoltaikanlage ans Netz bringen.
Die Pläne der Bundesregierung "waren schon ein Schock", gibt Robert Specht zu. Bange vor der Zukunft ist ihm aber nicht, trotz düsterer Prognosen der Branche: Die sieht bundesweit 50 000 Jobs bedroht. "Das dürften noch mehr sein", meint Specht. Betroffen seien neben den deutschen Herstellern auch viele Installationsfirmen.
Seine Firma sieht der gelernte Elektroinstallateur jedoch gut aufgestellt. Im Unterschied zu anderen Unternehmen in der noch jungen Branche verfüge Energeticum über eine gewachsene Struktur. Gerade erst hat Specht kräftig in das neue Firmengebäude investiert. Im alten hatten die Kapazitäten schlichtweg nicht mehr ausgereicht.
Partnerschaft mit einem taiwanesischen Hersteller
Zuversichtlich macht Specht auch die im vergangenen Jahr geschlossene Partnerschaft mit dem taiwanesischen Hersteller Winaico (vormals Winergy), der anders als manche deutschen oder chinesischen Firmen trotz guter Preise Top-Qualität liefere. "Die Erträge liegen circa zehn Prozent und mehr über den regionalen Durchschnittserträgen", so Specht. Er ist mit seiner Firma im Umkreis von 100 Kilometern Exklusivpartner von Winaico und konnte sich so vertriebsstrategische Vorteile verschaffen.
Auch für Hausbesitzer und Anleger sieht Specht in der neuen staatlichen Regelung keinen Grund zur Abschreckung: Anderthalb bis zwei Prozent weniger Rendite als bislang, prognostiziert er - und somit immer noch eine lohnende Investition. Vom Nutzen für die Umwelt ganz zu schweigen.
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