Heute beginnt die Fastenzeit. Doch es geht um mehr als nur Verzicht.


Ab heute heißt es wieder: keine Schokolade, kein Alkohol und kein deftiges Essen mehr und das für insgesamt 40 lange Tage. Zumindest für die, die sich an die Fastenzeit halten – oder es versuchen wollen. Doch Fasten muss nicht zwangsläufig Verzicht bedeuten. Eigentlich sollten die Tage genutzt werden, um sich auf das Wesentliche zu besinnen und in sich zu kehren.
Für Schwester Amanda, Priorin des Dominikanerinnen Klosters Wettenhausen, steht heuer das Thema Vergebung im Mittelpunkt der Fastenzeit. „Gerade in einer Gemeinschaft, wie hier bei uns, kommt es immer wieder vor, dass man jemandem vergeben muss“, berichtet die Schwester. Grundsätzlich werde das Thema in der Gesellschaft zu wenig beachtet. Egal ob Eheleute, Familien oder die Politik, Vergebung sollte einen höheren Stellenwert haben, so Schwester Amanda. „In der Politik gehen sie oft sehr hart miteinander um, das habe ich mir schon oft gedacht“, erzählt sie.
Neben dem großen Fastenthema verzichte auch jede Schwester ganz individuell in irgendeiner Form. „Darüber wird aber nicht gesprochen“, erklärt die Priorin. Denn schließlich stehe schon im Neuen Testament, dass keiner rausposaunen solle, was er Gutes vollbringt. Gemeinschaftlich werde auf den Nachtisch verzichtet, berichtet Schwester Amanda. „Das hat auch einen positiven Nebeneffekt: Es ist günstig für die Figur.“
Die Figur ist bei Christine Schöffels Fastenkonzept keinesfalls ausschlaggebend. Zweimal im Jahr fastet die Vhs-Außenstellenleiterin in Burtenbach für eine Woche in der Gruppe und das seit etwa fünf Jahren. „Ich achte zwar auf meine Ernährung, aber man bekommt doch immer wieder so einen Schlendrian rein“, berichtet Stöffel. Und gerade jetzt nach mächtigen Weihnachtsessen und vielen Geburtstagen sei die Zeit reif für eine Fastenwoche. Im März soll es so weit sein. „Das hält dann auch wieder ein paar Monate.“ Diese Woche ist für Stöffel allerdings nicht nur eine körperliche Reinigung: „Man erlebt immer ganz neue Reaktionen im Körper.“ Das könne von aggressiv bis euphorisch reichen. Genau in dieser Situation sei auch die Fastenleiterin sehr hilfreich und die Treffen mit den anderen Teilnehmern, erklärt sie. Außerdem sei die Fastenwoche eine gute Gesundheitsfürsorge, deshalb mache auch ihr Mann einmal im Jahr mit – jetzt im Frühjahr. „Das ist natürlich schon leichter, weil man dann nicht für die Familie kochen muss.“
Ein ganz anderes Fastenrezept verfolgten früher die Mönche in ihren Klöstern: Für die enthaltsame Zeit brauten sie das zuckersüße Fastenbier. Doch entgegen dem heutigen Vergleich mit dem Starkbier löschten die Mönche ihren Durst nur mit sehr geringem Alkoholanteil. Und so hat das Starkbier auch kaum noch etwas mit Fasten zu tun, weiß der Geschäftsführer der Radbrauerei, Georg L. Bucher. Sein Starkbier, der Weizenbock, wird inzwischen eher zu besonderen Anlässen getrunken: „Zum Beispiel bei Hochzeiten, anstatt dem Sektempfang. Das war auch bei meiner Hochzeit so“, erklärt Bucher. Von November bis April stellt die Brauerei den Weizenbock her, den Beginn der Fastenzeit merke er beim Bierumsatz nicht, berichtet der Geschäftsführer. „Schon eher, dass der Fasching dann vorbei ist.“ Bucher selbst hält sich in der enthaltsamen Zeit vor allem beim Fleisch zurück. „Ab und zu muss man einen Schnitt machen und sich bewusst werden, wie und was man konsumiert.“ Danach schmecke die Schweinshaxe wieder viel besser. Das bestätigt auch Brunhilde Konrad-Wagner, Ernährungsberaterin bei der AOK in Günzburg. Vor allem nach dem Heilfasten seien Geschmacks- und Geruchssinn wieder deutlich intensiver.
Sie warnt aber: „Vor dem Heilfasten sollte man unbedingt beim Arzt abklären, ob der Kreislauf das schafft.“ Nur völlig gesunden Menschen sei eine solche Kur zu empfehlen. Außerdem empfiehlt Konrad-Wagner, zumindest beim ersten Mal in Begleitung zu fasten. Eines sollte aber jedem klar sein: „Heilfasten ist kein Mittel zum Abnehmen.“ Da sollte lieber auf die üblichen, bekannten Dickmacher verzichtet werden: Schokolade, Alkohol und deftiges Essen.
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