Hans Maier feiert am heutigen Samstag seinen 80. Geburtstag. Als ehemaliger Stimmkreisabgeordneter holte er das Schulmuseum nach Ichenhausen. Darauf ist der einstige Kultusminister auch heute noch stolz Von Berthold Veh
Landkreis Die Hans-Maier-Realschule in Ichenhausen trägt seinen Namen. Dort steht auch das Schulmuseum, das ohne den Einfluss des ehemaligen CSU-Stimmkreisabgeordneten wohl nicht in den Landkreis gekommen wäre. Am heutigen Samstag, 18. Juni, feiert Professor Dr. Hans Maier (München) seinen 80. Geburtstag. Wir stellten dem langjährigen bayerischen Kultusminister im Vorfeld seines Festtages einige Fragen.
Was beschäftigt Sie in diesen Tagen?
Dr. Hans Maier: Ich bin seit Wochen mit Lesungen aus meiner Autobiografie unterwegs in Bayern und in Deutschland. Und ich beantworte im Augenblick viele Anfragen anlässlich meines bevorstehenden 80. Geburtstags – so jetzt gerade die der Günzburger Zeitung!
Warum wurden Sie als gebürtiger Freiburger und bayerischer Kultusminister ausgerechnet Stimmkreisabgeordneter im Landkreis Günzburg?
Maier: Das lag nahe. Als Alemanne passe ich ja gut ins bayerische Schwaben. Sprachliche Verständigungsprobleme ergeben sich nicht. Und 1978 hatte ich die große Chance, Nachfolger Bruno Merks zu werden, als der sich aus der bayerischen Landespolitik zurückzog. Natürlich habe ich da zugegriffen, unterstützt von Georg Simnacher, Theo Waigel und vielen anderen.
Ihre Verdienste um den Stimmkreis Günzburg in den Jahren 1978 bis zu Ihrem Rücktritt 1987 werden immer wieder gewürdigt. Worauf sind Sie fast ein Vierteljahrhundert später immer noch stolz?
Maier: Dass ich das Bayerische Schulmuseum – eine Landeseinrichtung – nach Ichenhausen bringen konnte.
Ihre Biografie „Böse Jahre, gute Jahre“ ist in aller Munde. Spiegeln sich Ihre Erfahrungen mit Franz Josef Strauß in den bösen Jahren wider?
Maier: Die bösen Jahre – das sind in meinem Buch die Jahre der Nazizeit. Auch die vorangegangene Familientragödie gehört dazu mit dem tödlichen Unfall meines Bruder und dem frühen Tod meines Vaters 1931/32. Die guten Jahre – dazu rechne ich die Zeit nach 1945. Die Nachkriegszeit habe ich als eine Zeit großer Anregungen, großer Möglichkeiten in Erinnerung – keineswegs als eine „bleierne“, eine restaurative Zeit. Natürlich gab es auch da ein Auf und Ab, die 68er-Jahre zum Beispiel, später der Terrorismus in den siebziger Jahren, und in der Landespolitik die manchmal schwierige Zusammenarbeit mit Franz Josef Strauß. Aber „böse Jahre“ sind das nie geworden, zum Glück nicht. Gerade im Landkreis Günzburg waren es viele gute Jahre.
Sind Sie noch oft Gast im Kreis Günzburg?
Maier: Ich bin immer wieder gern im Kreis Günzburg – vor allem in der Realschule Ichenhausen, die meinen Namen trägt, oder in der Synagoge am selben Ort. Aber auch in Günzburg, Leipheim, Burgau, Thannhausen mache ich Station, nicht mehr so oft wie früher, aber regelmäßig. Am 22. Juli feiern wir mit vielen Freunden meinen Geburtstag – und den von Walfred Kuhn und Otto Meyer.
Sie waren von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die GZ berichtete jüngst, dass sich die Zahl der Priester in den katholischen Pfarreien des Altlandkreises Günzburg bis 2025 halbieren wird. Halten Sie die Lockerung des Zölibats für einen Weg aus der Misere des Priestermangels?
Maier: Der Rückgang der Priesterberufe bedrückt mich sehr. Die überlasteten Priester in den ausgeweiteten Pfarrverbänden können einem leidtun, sie kommen oft kaum mehr zur Besinnung. Leider gibt es kein Patentrezept zur Besserung der Lage. Auch die Lockerung des Zölibatgesetzes ist nach meiner Meinung keines. Möglich wäre aber der vermehrte Einsatz verheirateter Diakone – und auch ein Diakonat für Frauen sollte auf längere Sicht kein Tabu sein.
Viele Christsoziale im Kreis Günzburg träumen von vergangenen glorreichen Zeiten. Dr. Bruno Merk war bayerischer Innenminister, Dr. Theo Waigel Bundesfinanzminister. Sind die Zeiten des großen Einflusses auf die Landes- und Bundespolitik vorbei?
Maier: In der Tat hatten „die Schwaben“ in der Zeit, die ich in der Politik erlebt habe, einen großen, ja überproportionalen Einfluss in der bayerischen Landespolitik und in der Bundespolitik – man muss nur an Bruno Merk, Anton Jaumann, Franz Heubl, Theo Waigel, Otto Meyer und andere denken. Das war eine besondere Konstellation. Aber auch heute ist das Bild keineswegs negativ: der Fraktionsvorsitzende der CSU-Landtagsfraktion (Georg Schmid, Anm. d. Red.) ist ein Schwabe, Markus Ferber spielt eine bedeutende Rolle in der Europapolitik, Alfred Sauter berät den bayerischen Ministerpräsidenten – und Theo Waigel genießt als „elder statesman“ internationales Ansehen.
Wie feiern Sie Ihren 80. Geburtstag?
Maier: Morgens feiern wir eine Messe in meiner Münchner Pfarrei Maria Immaculata, in der ich regelmäßig Orgel spiele. Zu meiner Freude sind auch zwei Geistliche aus Thüringen dabei, die während ihrer Studienzeit in München bei uns gewohnt haben. Am Nachmittag und Abend laden meine Frau und ich Freunde und Bekannte ins Künstlerhaus in München ein. Programm und Ablauf bestimmen die Kinder. Es gibt Musik- und Theatereinlagen. Auch die Enkel – und unsere zwei Urenkel – sind dabei. Und der Wein kommt von meinen Verwandten am Oberrhein, die gute Winzer sind.
Hans Maier Böse Jahre, gute Jahre. Ein Leben 1931 ff. Verlag C. H. Beck, München 2011. 420 Seiten, 24,95 Euro.
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